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Март
2017

Porträt | „Ich war ein Straßenköter“

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Stormzy flog von der Schule, heuerte auf einer Bohrinsel an und entschied sich schließlich für die Musik. Grime ist sein Stil und das arme, schwarze London sein Thema

Stormzy heißt eigentlich Michael Omari. Wenn er heute seinen Künstlernamen im Radio hört, dann muss er lachen
Bild: Alex De Mora

Herausstechen würde er überall, nicht nur hier, in einem Tonstudio in einer Schickimickigegend von London. Stormzy, dessen bürgerlicher Name Michael Omari lautet, kann sich nicht verstecken mit seinen 1,95 Metern in Sporthose, Socken und Latschen. Er macht Musik, hauptsächlich Grime (siehe Kasten). Als sein Pressesprecher vorschlägt, ein Sweatshirt anzuprobieren, das ihm geschickt wurde, zieht er eine Grimasse. Er weiß, dass es ihm nicht passen wird. Und er hat recht. Die Ärmel reichen nur bis zur Hälfte seines Unterarms.

Trotz Größe und großspurigen Auftritten in seinen Videos hat Stormzy auch etwas Schelmisches. Am Mikrofon bringt er immer eine Zeile oder Geste, die einen zum Lächeln bringt. Er furzt am Anfang des Tracks WickedSkengMan 4, im Video kann er nicht aufhören zu lachen. In der persönlichen Begegnung ist er freundlich und einnehmend. Ganz bestimmt kann er unangenehm werden, wenn er will. Gerade aber will er nicht. Er ist zu fokussiert.

Grime-Rap

Auf Deutsch heißt grime Schmutz. Entstanden ist der Musikstil Anfang der 2000er Jahre im Londoner East End, beeinflusst etwa von Two Step, Drum ’n’ Bass und Dancehall. Das Genre als britische Version des Hip-Hops in den USA zu verstehen greift zu kurz. „Grime transportiert ein Gefühl der Verzweiflung, das US-amerikanischer Hip-Hop fast vollständig verloren hat“, schrieb der britische, in New York lebende Kulturjournalist Simon Reynolds Ende 2004 im Observer.

Damals war Grime gerade in Mode gekommen und über seine Verbreitung in Piratenradiosendern hinausgewachsen. Danach büßte das Genre wieder an Popularität ein. Heute befinde es sich in einem interessanten Stadium, sagt Stormzy, entwickle sich, wie der Hip-Hop es in den USA getan habe, hin zu einem Teil der nationalen Kultur. Viele versuchten, Grime zu bewahren – „und haben Recht damit, denn viele Leute haben da schon ihre Hände mit im Spiel gehabt, und sie haben es versaut, manche Künstler sind aufgesprungen, dann wieder ausgestiegen.“ Dennoch habe der Stil jetzt die Reife, die nötig sei, damit die neue Generation damit experimentieren könne. Zu ihr zählt der 23-jährige Stormzy selbst.

Auf seinem vor einer Woche erschienenen Album Gang Signs & Prayer sind unter anderem R & B- und Afrobeat-Elemente, ein Gospelchor und live eingespielte Streichinstrumente zu hören. Die Titel der in Großbritannien bisher populärsten Lieder lauten Big For Your Boots und Shut Up. Nach dem Auftakt seiner Europa-Tour in Skandinavien kommt Stormzy Mitte Mai nach Berlin und Hamburg, es folgen Konzerte in Köln und Frankfurt am Main

Stormzys Aufstieg ist rasant verlaufen, ja: raketengleich. Im Nu waren alle Konzerte seiner im März startenden Großbritannien-Tour ausverkauft. 2013 und 2014 gewann er den Music Of Black Origin Award als bester Grime-Act, 2015 nahm ihn Kanye West mit auf die Bühne der Brit Awards. Seine Singles werden immer noch erfolgreicher, und es sieht ganz danach aus, als ob sein erstes, vergangenen Freitag veröffentlichtes Album Gang Signs & Prayer ein Riesending würde. Im Mai startet seine Europa-Tour mit vier Konzerten in Deutschland. Seine Tweets machen Schlagzeilen, neulich postete er ein Bild der Eingangstür seiner Wohnung in Chelsea. Die Polizei hatte sie eingeschlagen, weil man ihn verdächtigte, ein Einbrecher zu sein.

Es ist nicht einfach, ein ganzes Album zu machen, vor allem nicht für einen Grime-Künstler, der allein mit seinem Mikrofon ist. Doch Stormzy ist weit mehr als das. Und so hat er sich unter anderem mit dem Grammy-Gewinner Fraser T. Smith zusammengetan, der als Produzent von Adele bekannt ist. „Ich wollte meinen Ehrgeiz mit jemandem zusammenbringen, der den gleichen Antrieb hat. Jemandem, der ein Album machen könnte, das der ganzen Welt zeigt, wie unglaublich schön Grime klingen kann.“

Stormzy hat keine Angst vor Balladen, er hat schon mal einen Song von Justin Bieber gecovert. Diese Bandbreite findet sich auch in den 13 Tracks auf Gang Signs & Prayer. Wenn Stormzy über die Stücke spricht, redet er von Verletzbarkeit. Er verwendet Begriffe wie „rein, berührend, nachdenklich“, aber auch „explizit, roh, furchtbar“. Gerade mal 23 Jahre alt ist Stormzy. Noch vor vier Jahren steckte er in einem Job, den er verabscheute: als Arbeiter auf einer Bohrinsel.

Aber der Reihe nach. Stormzys erste Erinnerungen sind die an die sonntäglichen Kirchgänge der Familie. Seine Mutter war Mitglied einer Pfingstgemeinde. „Das war halt, was man am Sonntag machte“, sagt er. „In der Grundschule war ich ein guter Junge. Dann wurde ich zu einem bösen.“ Lay Me Bare, das letzte Stück seine Albums, gibt ein paar Hinweise darauf, wie es dazu kam. Stormzy nennt es einen „Wirbelsturm von Emotionen“, zwischen Resignation, Reue, Intimität und Wut. Die Wut richtet sich vor allem gegen seinen Vater.

Der Vater des jungen Michael und seiner zwei älteren Schwestern arbeitete als Taxifahrer. In Kontakt mit ihm kam er nur ein paar Mal – nachdem Stormzy seine Mutter um Geld gebeten hatte. Sie gab ihrem Sohn die Telefonnummer des Vaters und sagte, er solle ihm eine SMS schicken.

Der Anspruch

„Ich weiß noch, wie ich in die Taxizentrale ging und einen Umschlag mit 20 Pfund drin abholte. Zwei Mal ging das so. Damals dachte ich: Oh, 20 Pfund – ich bin gut. Heute finde ich das verrückt. Ich spüre keine Bitterkeit dem Vater gegenüber. Es ist eher so, dass ich ihn als Mann nicht respektiere. Denn jetzt bin ich ein Mann. Er hat nicht mal das absolute Minimum gemacht, nicht mal eine Geburtstagskarte besorgt.“

Lay Me Bare sei der einzige Track auf dem Album, der sich erlösend anfühle, sagt Stormzy. An nur einem Tag ist er aufgenommen worden. Mit den übrigen Stücken war das anders. Stormzy weiß, dass er mit dem Album mehr geschafft hat, als die meisten Leute von ihm erwartet haben.

„Ich finde es komisch, etwas anderes zu wollen als das Allergrößte“, sagt er. „Ich will nicht der beste Rapper des Königreichs sein. Ich will der beste Künstler des Vereinigten Königreichs sein. Dann habe ich nicht mehr 20, sondern 100 Rivalen und stehe in Konkurrenz zu den Indiebands, den Soulsängern, den Rock-Ikonen. Ich frage mich: Warum soll Stormzy aus Südlondon das nicht auch können?“

Michael Omari Junior wuchs im Stadtteil Norbury auf. Mit seiner Mutter, seinen beiden Schwestern und seinem jüngeren Bruder Brandon, mit dem er sich ein Zimmer teilte, bis Stormzy 18 war und eine Schwester auszog. Das Leben zu Hause war nicht unglücklich. Schön war es aber auch nicht. „Wir waren immer eng“, sagt Stormzy. „Wenn einer von uns Geld brauchte oder Ärger hatte, wenn es draußen auf der Straße Stress gab, dann sind wir alle raus und haben die Person, die Ärger machte, verprügelt. Das Gemeinsam-Abendessen- und Familienurlaubsding, das gab es aber nicht. Ich habe nie ein Zuhause gehabt, wo meine Poster an der Wand hingen und meine Turnschuhe aufgereiht im Flur standen. Es war bloß ein Ort, an dem ich geschlafen habe. Ich bin rausgegangen, hab mein Ding gemacht, bin wieder nach Hause gekommen, hab was gegessen, mich mit ein, zwei Leuten aus der Familie unterhalten und mich dann wieder verpisst.“

So zehn Jahre alt sei er gewesen, als er angefangen habe, sich auszuleben. „Ärger zu machen.“ Als Teenager sei er kaum zu Hause gewesen. Als er neulich mit dem Auto in seiner alten Gegend unterwegs war, entschied er sich spontan, die alte Strecke abzufahren, die er als junger Mann täglich zurückgelegt hat. „Von der Wohnung meiner Mutter zu der meines besten Freunds und durch das Viertel, um dann in der eisigen Kälte rumzustehen, irgendeine Scheiße zu reden, zu kiffen, irgendwas zu verkaufen, und dann das Ganze wieder zurück.“ Jetzt kann er kaum fassen, wie weit der Weg war. „So viele Kilometer“, sagt er. „Ich war ein Straßenköter.“

Warum? „Ich glaube, weil mich mein Zuhause ständig an die Armut erinnerte, in der ich lebte. Unser Haus war klein und nicht gerade im besten Zustand. Ich konnte dort nicht abhängen, das hat keinen Spaß gemacht. Ich bin lieber zu Freunden gegangen, die lebten in schicken Häusern. Bei uns war es nicht so schön.“

Bis zur Mittleren Reife war er gut in der Schule. Mit seiner Intelligenz konnte er Unsinn machen und trotzdem die Prüfungen schaffen. Auch wenn er gelegentlich suspendiert wurde, flog er nicht von der Schule, bis er in die Oberstufe kam. Die Schule, die er besuchte, war nicht gut. Als Stormzy in die zehnte Klasse kam, wurde sie übernommen und zu einer Harris Academy gemacht, wie die gleichnamige Non-Profit-Organisation ihre Bildungsinstitutionen nennt, die bekannt sind für ihre Disziplin. Stormzy erinnert sich, wie im Unterricht sein Handy klingelte und der Lehrer ihn fragte, ob er es haben könne. „Ich habe gesagt: Natürlich können Sie es verdammt noch mal nicht haben.“

Dafür wurde er suspendiert und nach „einer Reihe von Verstößen“ schließlich der Schule verwiesen. Trotzdem schaffte er es auf ein College, wo sich britische Schüler für ein Studium qualifizieren können. Er legte auch in mehreren Kursen Prüfungen ab, schmiss dann aber hin. „Ich bin mitten in der Prüfung aufgestanden, rausgegangen, in die Bahn gestiegen und nach Hause gefahren. Damit war die Sache erledigt.“

Aus seinem Jahrgang und dem darüber kennt er vier oder fünf Jungs, die wegen Mords im Gefängnis sitzen. Trotzdem waren er und die meisten seiner Freunde nicht das, was er als Gangster bezeichnen würde. „Wenn man sich in der Situation befindet, fühlt es sich normal an. So wie es sich heute normal anfühlt, ins Studio zu gehen und Musik zu machen. Damals stand ich auf und ging los. Ich besorgte mir Stoff, und ich verkaufte ihn. Später hab ich meine Jungs getroffen, und wir überlegten, wie wir an dem Abend ein bisschen Geld verdienen, wo wir etwas klauen, zu wem wir danach gehen konnten. Dann sind wir nach Hause und legten uns schlafen.“

Mit 19 veränderte Stormzy sich. Er kann das nicht an einem bestimmten Ereignis festmachen, weiß aber, warum er es getan hat. „Irgendwann wurde mir klar, dass es ziemlich schlecht für die Geschäfte ist, auf der Straße rumzuhängen. Ziemlich schlecht, um im Leben weiterzukommen und Erfolg zu haben. Und Erfolg war für mich ja schon immer das Größte.“ Eine Weile folgte er den Träumen seiner Mutter, fing nach dem College eine Lehre an, endete als Projektmanager in einem Ingenieurbüro, arbeitete auf der Bohrinsel vor der Südküste Englands. Aber es passte nicht.

Ihm wurde klar, dass er es mit der Musik versuchen wollte. Eine Zeit lang machte er beides. Er schrieb, während er arbeitete, er machte blau, weil er einen Auftritt im Radio hatte. Doch irgendwann wurde die Anziehungskraft der Musik zu groß, und er kündigte. Seinen Spitznamen hatte er sich mit 13 ausgesucht. „Ich habe mich einfach gefragt: Was ist cool? Ein Sturm!“ Manchmal, wenn er heute im Radio seinen Künstlernamen hört, muss er lachen. Weil er so jung war, als er ihn sich ausgedacht hat.

Die Botschaft

Vor kurzem hat er seine Unterstützung für die Black-Lives-Matter-Bewegung in den USA zum Ausdruck gebracht. „Ich werde nicht warten, bis mir oder meinen Angehörigen etwas passiert, bis ich mich dazu äußere.“ Zu ein paar Ideen von Labour-Chef Jeremy Corbyn hat er sich zustimmend geäußert. Auch wenn er in künstlerischen Belangen international denke, bleibe er doch lieber näher an dem, was er kennt, wenn es um seine politische Botschaft gehe.

„Mir sind die jungen, schwarzen Kings am wichtigsten. Damit will ich weder schwarze Frauen noch alte weiße Männer oder Asiaten ausgrenzen, sondern einfach nur sagen: Okay, junge schwarze Männer in meinem Land, wenn es darum geht, wer etwas erreicht, dann kommt ihr immer an letzter Stelle. Deshalb muss ich mit meinen jungen schwarzen Kings reden, denn ich bin einer von ihnen. Ich sage ihnen, ihr seid besser als alles, das irgendjemand zu euch gesagt hat. Ihr seid genauso stark, cool und ehrgeizig wie ich, und ihr könnt genauso kreativ sein wie ich oder Kanye West oder Frank Ocean und all diese Leute. Das ist eine große Botschaft. Wenn ich damit zehn Leute erreichen kann, dann ist vielleicht einer davon ein CEO, einer ein politischer Anführer und einer der nächste Michael Jackson. Und hoffentlich jemand, der eines Tages zum politischen Rivalen von Donald Trump wird.“

Stormzy denkt groß, vergisst aber nicht seine Anfänge. Er guckt zwar manchmal finster drein in seinen Videos. Er hat aber auch seine Freundin dabei und seine Familie und einen Chickenburger vom Imbiss aus seiner Gegend.

„Stimmt schon“, sagt Stormzy, „ein paar Leute werden empfindlich, wenn man über junge schwarze Männer redet. Das ist ein Tabu. Aber jetzt bin ich am Start, und alles, was ich sage, ist: Ihr, meine jungen schwarzen Kings, ihr könnt das genauso.“

Miranda Sawyer ist Autorin und Radiokritikerin beim Observer

Übersetzung: Zilla Hofman, Holger Hutt

Lesen Sie mehr in der aktuellen Ausgabe des Freitag.






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