Globale Erwärmung: In diesen Städten fühlen sich Ratten am wohlsten
In Metropolen können Ratten eine richtige Plage werden. Gift soll die Nager in Schach halten. Doch in Zukunft wird diese Maßnahme wohl nicht mehr reichen.
Sie hausen in Kellern, auf Speichern, in U-Bahn-Schächten und in der Kanalisation, wo sie sich an Unrat und Abfällen gütlich tun: Ratten bevölkern Städte, seit es die ersten Zivilisationen gibt. Gerade in großen Metropolen wimmelt es von den Nagern. Und es könnten noch viel mehr werden.
Diese Befürchtung nährt zumindest die Studie eines US-amerikanischen Forscherteams der University of Richmond. Die Wissenschaftler haben dafür öffentliche Beschwerden und Inspektionsdaten zum Rattenbefall der vergangenen zwölf Jahre aus 16 Städten ausgewertet – darunter US-Metropolen wie Washington, D. C., New York, Chicago, aber auch Toronto, Amsterdam und Tokio. Die Wissenschaftler wollten nicht nur wissen, wie, sondern auch warum sich die Rattenpopulation im Laufe der Zeit verändert.
Laut der Untersuchung vermehren sich die Nager in mehr als zwei Dritteln der Städte – vor allem in der US-Hauptstadt, aber auch in New York und Amsterdam fühlen sich die Tiere sehr wohl.
Ratten lieben es heiß und voll
Mit der Zunahme der Ratten hängen der Studie zufolge vor allem drei Faktoren zusammen: der Klimawandel, die Versiegelung der Städte und das Bevölkerungswachstum. Sie verbessern die Lebensbedingungen für die Ratten massiv: „Die wachsende menschliche Bevölkerung und die Verstädterung werden wahrscheinlich auch mehr Lebensmittelabfälle als Ressource und strukturelle Lebensräume bereitstellen“, erklären die Studienautoren.
Durch die globale Erwärmung nehmen Hitzeperioden auch in deutschen Städten zu und werden intensiver. In Berlin müssen Kammerjäger bereits häufiger wegen Rattenbefalls ausrücken. Ähnlich ist die Situation in Hamburg. Als Grund gilt vor allem Müll auf öffentlichen Plätzen.
Doch auch die in der Studie analysierten Faktoren dürften den Lebensraum für Ratten in Deutschland erweitern: Eine aktuelle Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hat kürzlich ergeben, dass die Versiegelung in den Städten auch in der Bundesrepublik stark zunimmt – während Grünflächen schwinden. Gerade in Westdeutschland sind die Städte besonders von Hitze betroffen. In Hitzeinseln wie Mannheim oder der „Rattenfängerstadt“ Hameln könnte der Nagerbefall in den kommenden Jahrzehnten noch einmal deutlich zunehmen.
Dass die Winter auch in nördlichen Breitengraden milder ausfallen, fördert die Populationen weiter. „Als kleine Säugetiere müssen Ratten die innere Homöostase ihres Körpers aufrechterhalten und sind im Winter durch niedrige Temperaturen eingeschränkt“, schreiben die US-Forscher. Bleiben die aus, können Ratten in Städten gut überwintern.
Ratten sind ein Gesundheitsrisiko
Obwohl Ratten überaus intelligente Lebewesen sind und zu Versuchen im Labor oder als Spürtiere bei der Minensuche eingesetzt werden, können sie in städtischer Wildbahn gefährlich sein. Urin, Kot und Speichel verunreinigen Städte und Lebensmittel. Wodurch sich wiederum Erreger wie das Hantavirus verbreiten. Der Erreger löst unter anderem schwere Lungenerkrankungen und hohes Fieber aus. In einigen Fällen verläuft die Infektion tödlich, etwa wenn das Virus die Nieren angreift.
Daneben beschädigen die Tiere die städtische Infrastruktur, indem sie an elektrischen Kabeln knabbern oder Tunnel graben.
Eine beliebte Maßnahme gegen die Tiere sind Giftköder. Auch wer Abfälle mitnimmt, statt sie am Gehweg oder in Parks liegen zu lassen, hilft, den Ratten die Nahrungsgrundlage zu entziehen. New York testet seit mehr als einem Jahr chemische Sterilisation, damit sich die Tiere weniger fortpflanzen. Andere Städte setzen auf digitale Überwachung. Mit den steigenden Temperaturen dürfte auch eine wirksame Klimaschutzpolitik helfen, das Problem in den Griff zu bekommen – durch Entsiegelung von Stadtflächen und Begrünung.
Ganz aus den Städten drängen wird man die Nager aber wohl nie, betonen die US-Forscher: „Null Ratten sind unmöglich.“
