Rhein-Neckar: Beim Klimaschutz "zwei bis drei Gänge hochschalten"
Von Stefan Hagen
Rhein-Neckar. Die grüne Kreistagsfraktion macht in Sachen Klimaschutz weiter Druck auf Landrat Stefan Dallinger und die anderen im Kreistag vertretenen Parteien. Als Druckmittel dient den Grünen die mittlerweile abgeschlossene Öffentlichkeitsbeteiligung zum Klimaschutzkonzept des Rhein-Neckar-Kreises. Online konnten die Bürger in diesem Format sechs Wochen lang ihre Vorstellungen zum Klimaschutz kundtun – und haben offenbar regen Gebrauch von dieser Möglichkeit gemacht. Jedenfalls haben die Grünen fast 6000 Kommentare, Anregungen und Likes gezählt.
Mit der schieren Menge an Rückmeldungen mache die Bevölkerung deutlich, für wie zentral sie das Thema Klima und dessen Schutz halte, stellen die Grünen gleich am Anfang einer umfangreichen Mitteilung zu diesem Thema fest. Derzeit werde der Datenberg ausgewertet, doch erste Tendenzen seien bereits jetzt deutlich sichtbar. "Die überwältigende Mehrheit der Beiträge fordert uns zu raschem und wirksamem Handeln auf", wird der grüne Kreisrat Stefan Geißler, der sich ebenfalls über die Daten gebeugt habe, zitiert.
"Einmal mehr sieht man, wie wichtig das Thema in den Augen vieler Menschen ist, aber auch mit wie viel Sachverstand hier die Bürger bereit sind, sich einzubringen. Viele Beiträge sind sehr detail- und kenntnisreiche Vorschläge, die zeigen, dass sich da jemand richtig Gedanken gemacht hat", sagt Geißler.
Bei der detaillierten Auswertung der Beiträge würden sich dann rasch Präferenzen und größere Themenblöcke herauskristallisieren, die den Menschen besonders wichtig zu sein scheinen: Ein rascher Ausbau von Erzeugung und Nutzung der Erneuerbaren Energien, ein vorsichtiger Umgang mit Böden und weiterer Bodenversiegelung sowie die Aufforderung, das Thema Klima auch im politischen Handeln und der Kommunikation stärker zu betonen, fasst Geißler zusammen.
> Erneuerbare Energien: Hier sei der Rhein-Neckar-Kreis besonders schwach aufgestellt und belege im landesweiten Ranking der Landkreise derzeit noch einen der ganz hinteren Plätze, ätzen die Grünen. "Bei der mit Abstand wichtigsten Form der Erneuerbaren Energien, dem Wind, steht hier in der Region sogar eine glatte Null zu Buche", merkt Geißler an. Hierfür habe sich der Landkreis unlängst sogar spitze Bemerkungen der Nachbarn aus dem Neckar-Odenwald-Kreis anhören müssen, wo man damit bereits beträchtliche Mengen von CO2-freiem Strom erzeuge. Konkret spielt die Fraktion auf eine Rede von Landrat Achim Brötel an, in der dieser dem Rhein-Neckar-Kreis wegen seiner nicht existierenden Windkraftanlagen süffisant angegangen hatte.
> Kohleverstromung und Fotovoltaikanlagen: Ebenfalls viel Zuspruch habe der Vorschlag erhalten, der Rhein-Neckar-Kreis möge sich eindeutig für einen Ausstieg bis 2030 aus der besonders klimaschädlichen Kohleverstromung im Großkraftwerk Mannheim (GKM) aussprechen. Derzeit, merken die Grünen an, würden ja auch die westlichen und südlichen Gemeinden des Kreises zu einem Teil mit Fernwärme aus dem GKM versorgt. Erdgas als "Brückentechnologie" sei eine Absage erteilt worden, stattdessen habe der konsequente Ausbau von Fotovoltaikanlagen beispielsweise auf Gebäuden viel Zuspruch erhalten.
> Bodenversiegelung: Auch bei diesem Thema hätten die Bürger Sachverstand bewiesen, loben die Grünen. Gerade eine dicht besiedelte Region wie der Rhein-Neckar-Raum müsse hier nach Ansicht vieler Bürger umsichtiger agieren. Ein kluges Management von Niederschlägen, der Aufbau von Humus, eine angepasste Gestaltung von Flächen wie Parkplätzen und Dächern, sowie insgesamt eine Minimierung der Versiegelung von immer neuen Flächen für Neubau- und Gewerbegebiete seien hier nach Ansicht vieler Einsender geboten. "Völlig richtig", wird Grünen-Kreisrat Jochen Schwarz in der Mitteilung zitiert. Es müsse eine Netto-Null beim Flächenverbrauch angestrebt werden. Neuverbrauch dürfe es nur noch bei gleichzeitiger Entsiegelung an anderer Stelle geben.
> Fazit der Grünen: Der Rhein-Neckar-Kreis und der Kreistag werden aus der bevorstehenden vollständigen Auswertung der Öffentlichkeitsbeteiligung wichtige Schlüsse für die Fertigstellung ihres Klimaschutzkonzeptes ziehen können – hofft man jedenfalls. So habe sich der Kreis die Klimaneutralität bis 2040 als Ziel auf die Fahne geschrieben, der Kreistag habe sich nahezu einstimmig dafür ausgesprochen. "Aber die hierfür notwendigen Maßnahmen, insbesondere beim Ausbau der Erneuerbaren Energien, lassen derzeit noch weitgehend offen, wie man dies erreichen will", moniert die Kreistagsfraktion. Es sei Eile geboten, zumal die Zielmarke 2040 für das Erreichen der Klimaneutralität eher schon zu spät sei und die Aufholjagd des Kreises weg vom derzeitigen Abstiegsplatz im Landkreisranking ja noch gar nicht begonnen habe. Es sei dringend nötig, beim Klimaschutz jetzt zwei bis drei Gänge hochzuschalten.
