St. Leon-Rot: Gemeinde sucht Träger für Kindereinrichtungen
Von Tobias Törkott
St. Leon-Rot. Zwei neue Standorte für die Kinderbetreuung wird es in St. Leon-Rot zeitnah geben. In der Rosenstraße soll neu gebaut werden. Mehr als drei Millionen Euro werden dafür wohl fällig. Der Gemeinderat hat in der jüngsten Sitzung die Ingenieurleistungen vergeben. Für den Standort im Alten Pfarrhaus entschied der Rat im Oktober 2020, dort zwei Krabbelgruppen unterzubringen. Nun erhielten nach einer Abstimmung der Ratsmitglieder "Die Strolche Rhein-Neckar" den Zuschlag für die Rosenstraße, für das Pfarrhaus entschied der Verein "Die Waldwichtel" die Abstimmung für sich.
"Wir werden gut aufgestellt sein", sagte Bürgermeister Alexander Eger zu Beginn der Sitzung und betonte, wie schwierig die Betreuung aufgrund der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr gewesen sei: "Respekt an die Erzieherinnen und Erzieher." St. Leon-Rot steht nach Gemeindeangaben im Landesvergleich gut da, was das Verhältnis Erzieher-Kind anbelangt. Also alles im Lot, könnte man meinen.
Doch zumindest die Vergabe der Trägerschaft für die beiden Standorte hat während der Ratssitzung zu Diskussionen geführt – und diese ebbten nicht ab. Nun beginnen die Verhandlungen zwischen Träger und Gemeinde. Denn lediglich mit wem die Verwaltung in Verhandlungen treten soll, wurde vom Rat geklärt.
Aber worum geht es genau? Drei Bewerber hatten sich im Vorfeld für die beiden Standorte in Stellung gebracht. Für die Rosenstraße hatten "Strolche", die katholische Kirchengemeinde und "Waldwichtel" ihr Interesse bekundet. Für den Standort Pfarrhaus musste die Tagesordnung kurzfristig geändert und der Tagesordnungspunkt um einen Bewerber erweitert werden.
Ursprünglich hatte nur die Kirche Interesse bekundet, erst später kamen die Wichtel hinzu, die sich damit für zwei Standorte interessiert hatten. Die spätere Interessensbekundung wurde nach RNZ-Informationen nicht überall gut aufgefasst.
Wichtel-Geschäftsführer Daniel Heger sah das hingegen unkritisch, da der Anmeldezeitraum nicht abschließend war. "Im Endeffekt geht es darum, einen guten Träger für die Einrichtungen zu erhalten." Die "Wichtel" wollten nur für einen der beiden Standorte die Trägerschaft übernehmen. Die Priorität lag beim Krippen-Angebot. "Wir sind eine kleine Gruppe und müssen langsam wachsen", erklärte Heger.
Auch Bürgermeister Eger sah auf RNZ-Nachfrage keine Schwierigkeiten mit der späteren Bewerbung, da es sich um keine gesetzliche Frist gehandelt habe. Der Prozess wurde nach Verwaltungsangaben aus unterschiedlichen Gründen verlängert. "Es spielt keine Rolle ob ein, zwei oder mehr Bewerber", so Eger. Dies sei ein erster Schritt gewesen, wie die Interessen verteilt sind. Vorab habe sich die Gemeinde mit diesen ausgetauscht. Eger sprach von "umfangreichen pädagogischen Konzepten".
In der Ratssitzung hatten alle Träger die Möglichkeit, ihre Idee für die Standorte vorzustellen. Für die Rosenstraße planen "Die Strolche" eine "Hof-Kita" einzurichten. Durch Tiere und Pflanzen sollen die Kinder deren Bedürfnisse kennenlernen und den Kreislauf der Natur beobachten. So soll die alte Hofkultur wieder aufleben. Hühner, Kaninchen und Ziegen seien möglich, so Strolche-Geschäftsführerin Sabine Billmaier in der Sitzung.
Für das Pfarrhaus-Konzept verwies Waldwichtel-Geschäftsführer Daniel Heger in der Sitzung darauf, dass man nicht den Waldkindergarten, der ebenfalls von den Wichteln betrieben wird, kopieren wolle. Stattdessen sollen Montessori-Elemente übernommen werden. Auch Aufenthalte in der Natur seien für die potenzielle Kinderkrippe wichtig. Dazu soll ein Familienzentrum mit Krabbel- oder Stillgruppen entstehen. "Man muss Angebote schaffen", so Heger auf RNZ-Nachfrage.
Mehrere Fraktionen schlugen während der Sitzung die Gemeinde selbst als Träger vor. Diese hatte sich in der Beschlussvorlage ins Spiel gebracht und bezeichnete sich "als weitere Option" – für beide Standorte. Eger erklärte, dass man sich dem nicht verschließen werde, verwies aber auf das "gute Interessentenfeld".
Dem gehörte auch die katholische Kirchengemeinde an, die sich für beide Standorte anbot. Zwar gab es durchweg Lob für die bisherigen Leistungen der Kinderbetreuung mit mehreren Einrichtungen, doch war die Kirchenleitung bei der Konzeptvorstellung in der Ratssitzung nicht anwesend. Die Präsentation wurde von einer Kirchengemeinden-Vertreterin durchgeführt, die auf die langjährige Zusammenarbeit und die Erfahrung der Arbeit in der Gemeinde verwies. Doch dass führende Kirchenvertreter ihren Angaben zufolge verhindert oder verreist waren, wurde im Rat etwas kritisch gesehen. Manch eine Nachfrage konnte von der Vertreterin nicht abschließend beantwortet werden.
Die Quittung erhielt die Kirchengemeinde bei den folgenden Abstimmungen. Beide Male erteilten die Ratsmitgliedern anderen Bewerbern den Zuschlag. Für das "Alte Pfarrhaus" erhielt die Kirchengemeinde nur eine von 21 Stimmen – so wie auch die Strolche. 19 Ja-Stimmen gingen an die Waldwichtel. Auch bei der Abstimmung über den Standort Rosenstraße geriet die Kirchengemeinde mit drei Stimmen ins Hintertreffen. Die Strolche mussten hier in ein Stechen mit der Gemeinde und setzten sich erst im zweiten Durchgang mit 13 zu acht Stimmen durch.
Mit den beiden Gewinnern wird die Verwaltung nun zeitnah in Verhandlungen wegen der Trägerschaft gehen. Mit auf dem Verhandlungstisch liegen dann zwei Forderungen, welche die Ratsmitglieder hervorbrachten, die für einen Vertrag notwendig sind. Da wären zum einen das Aus für geschlossene Einrichtungen in den Ferien. Für beide potenziellen Träger hingegen ist das weniger problematisch. Billmaier erklärte, dass wegen der Tierhaltung sowieso keine Schließzeiten möglich seien. Nur an Weihnachten würde der Betrieb etwas zurückgefahren werden. Die Wichtel zeigten sich ebenfalls offen dafür. Doch besonders die andere Forderung könnte die nun getroffenen Beschlüsse ins Wanken bringen. Der Rat plädierte nämlich dafür, dass die Gemeinde an beiden Trägern beteiligt wird. Eine 20- bis 25-prozentige Beteiligung wurde vorgeschlagen.
Für die Waldwichtel, einen Verein, stellt das laut Geschäftsführer Heger kein Problem dar, er erklärte: "Die Gemeinde muss bei uns Mitglied werden." Mit dieser arbeite man offen zusammen. Schwieriger könnte sich die Beteiligung bei der gemeinnützigen Gesellschaftsform der Strolche gestalten. Die Geschäftsführung erklärte der RNZ, dass man sich zwischen dem 7. und 21. Mai bei der Gemeinde für die Trägerschaft der Einrichtung in der Rosenstraße beworben hatte und erst auf der Sitzung davon erfuhr, dass es eine Beteiligung geben soll. "Somit haben sich die Bedingungen für eine Trägerschaft geändert. Wir treten nun unter diesen neuen Bedingungen in Verhandlungen", so deren Einschätzung.
Bürgermeister Eger sieht das unproblematisch, wie er auf RNZ-Nachfrage sagte, wenn auch die Höhe noch geklärt werden müsse. Es gehe um den Informationsfluss und die Mitsprache: "Es ist gut, wenn die Gemeinde näher dran ist." Schließlich finanziere diese auch zu 100 Prozent den Bau. Die Verwaltung hat zudem bereits mehrere Beteiligungen an Gesellschaften. Eger: "Wir werden direkt damit in Verbindung gebracht und können uns nicht verschanzen."
