Walldorf: Planungs-Wettbewerb für Waldschule kann beginnen
Von Timo Teufert
Walldorf. Der Planungswettbewerb für eine Erweiterung der Waldschule kann beginnen: Das hat der Walldorfer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. Im Rahmen des Verfahrens werden 16 Architekturbüros aufgefordert, Vorschläge für die Neubauten zu machen. Vier dieser Büros darf die Stadt im Vorfeld bestimmen. Darunter sind zwei Architektengemeinschaften aus der Astorstadt. Wegen der besonderen Umgebung ist es für die Büros zwingend erforderlich, mit Landschaftsplanern zusammenzuarbeiten und ein gemeinsames Konzept zu präsentieren. Bis 30. Juli können Bewerber ihre Teilnahme einreichen, danach werden die Teilnehmer ausgelost. Die Entwürfe müssen dann bis 22. Oktober abgegeben werden, das Preisgericht tagt schließlich am 2. Dezember 2021. Dem Sieger winkt ein Preisgeld von 60.000 Euro.
Zwar wird in der Auslobung explizit auf den flächensparenden Eingriff in den umgebenden Waldbereich hingewiesen, um aber verschiedene planerische und städtebauliche Ansätze zu erhalten, ist das Planungsgebiet deutlich weiter gefasst: Das Areal, auf dem ein weiterer Pavillon für einen dritten Grundschulzug und eine Mensa gebaut werden sollen, reicht im Norden des Areals 40 Meter in den Wald hinein und verläuft parallel zum Haupthaus. Im Osten stößt das Plangebiet an den Waldsportplatz, im Südosten verläuft die Bebauungsgrenze 20 Meter von der Straße "Neue Heimat" entfernt. Ebenso wie im Westen: Zwischen der Straße "Am Wald" und dem bebaubaren Areal liegt ein 20 Meter breiter Streifen.
"Spätestens mit der Standortverlagerung der Sambuga-Schule musste uns allen bewusst sein, dass es weitere Räumlichkeiten braucht, um den Campus mit seinen jetzt drei Bestandteilen – Sambuga-Schule, Grundschule und Werkrealschule – nachhaltig aufzustellen", sagte Erster Beigeordneter Otto Steinmann in der Sitzung. Die Forderung nach einer Mensa sei aber auch der Einrichtung des Ganztagesbetriebs geschuldet, der seit 2013 sehr erfolgreich laufe. Mit dem Einstieg in das Planungsverfahren erfülle die Verwaltung den Wunsch des Gemeinderates, noch vor der Sommerpause die nächsten Schritte einzuleiten, betonte Steinmann. Es sei für die Verwaltung selbstverständlich, dass im Zuge des Verfahrens alle relevanten Kriterien einbezogen werden – dies gilt insbesondere für die Situation des Forstes, des Naturschutzes und des Verkehrs.
"Das Raumprogramm sieht 1316 Quadratmeter Nutzfläche vor, die in zwei Bauteilen unterzubringen sind", erklärte Stadtbaumeister Andreas Tisch. Im Vorfeld habe man überlegt, wo die Baukörper entstehen könnten, und deshalb das Baufenster relativ offen gehalten. Man wolle energetisch hochwertige Gebäude haben und könne sich an der Waldschule auch vorstellen, dass mit Holz oder Holzhybrid-Bauweise gearbeitet wird.
Gerhard Baldes (CDU) erinnerte an die Weiterentwicklung der Schullandschaft in Walldorf und die Baumaßnahmen an Schillerschule, Gymnasium und Realschule der letzten Jahre. "Die Waldschule ist nun, angewachsen durch die Sambuga-Schule, das letzte Glied in dieser Perlenkette", sagte Baldes. Zur Abrundung der Schule fehlten eine Mensa und ein weiterer Pavillon. "Wir wünschen uns durch den Wettbewerb ein Ergebnis, das auf der einen Seite den Charakter der Waldschule aufgreift, auf der anderen Seite Raum für neue Akzente lässt", erklärte Baldes.
Mit ihrem Werkrealschulzweig sei die Waldschule die erste Ganztagsschule in Walldorf gewesen und bekomme nun endlich eine Mensa, so Manfred Zuber (SPD). "Erfreulich ist, dass alle Fraktionen hinter dem Vorhaben stehen", sagte Zuber. Er lobte insbesondere den straffen Zeitplan, schließlich hatte seine Fraktion beim Grundsatzbeschluss im Januar darauf bestanden, dass der Wettbewerb noch vor der Sommerpause starten müsse. "Aufgrund von Anträgen der Fraktionen werden hier auch dem Umfeld mit den Freibereichen und der umgebenden Begrünung der Waldschule Aufmerksamkeit geschenkt", so Zuber. Erfreulicherweise auch dem Verkehr.
"Wer Kinder an der Waldschule hat, weiß seit Jahren um die zunehmende Enge beim Thema Mensa", sagte Manfred Wolf (Grüne). Aber spätestens seit der Integration der Sambuga-Schule sei ein räumlicher Zustand erreicht, der zwingend eine größere Veränderung erfahren müsse. "Nun dürfen wir gespannt sein, was uns im Dezember präsentiert wird", erklärte der Stadtrat. Als sehr gut bewertet er, dass der Vorschlag seiner Fraktion, die Holzbauweise überhaupt in der Auslobung zu erwähnen, aufgenommen wurde und auch in der Vorauswahl der Architektenbüros seinen Niederschlag gefunden habe. "Ökologisches Bauen wird hier hoffentlich zum Tragen kommen. Ein sichtbar pädagogisches Zeichen für Klimaschutz und nachhaltiges Bauen wäre dies dann obendrein", so Wolf.
"Die Waldschule ist in die Jahre gekommen und bedarf insgesamt einer erheblichen Aufwertung", erklärte Matthias Renschler (FDP). Gerade auch, weil neben der Grund- und Werkrealschule nun auch die Förderschule ihren Platz auf dem Campus gefunden habe. "Die neue Mensa und der ergänzende Schulpavillon sind aus unserer Sicht als zwingend anzusehen." Allerdings sollten dabei keine größeren Eingriffe in das Waldgebiet vorgenommen werden – und wenn, nur schonende. "In der Planung muss sichergestellt sein, dass die Waldschule für alle Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer sicher erreichbar ist", betonte Renschler. Das derzeit noch vorherrschende Verkehrschaos müsse ein Ende finden.
