Eppingen: Vor 50 Jahren wurde Adelshofen eingemeindet
Eppingen-Adelshofen. (sb) Über Sinn und Unsinn der Gebietsreform und die Eingemeindung kleinerer Ortschaften wurde Anfang der 1970er-Jahre in etlichen baden-württembergischen Dörfern heftig gestritten. Nicht so in Adelshofen, das vor 50 Jahren zum 1. Juli 1971 zur Stadt Eppingen eingemeindet wurde. Seit 1967, als der Landtag die neue Gliederung von Verwaltungen, Kreisen und Gemeinden auf den Weg brachte, um gleichwertige Lebensverhältnisse zu sichern, waren auch im damaligen Landkreis Sinsheim die kommunalpolitischen Strukturen in Bewegung geraten.
Mit der Unterzeichnung des Eingliederungsvertrages am 6. April 1971 machten Bürgermeister Wilhelm Sitzler aus Adelshofen und Bürgermeister Rüdiger Peuckert aus Eppingen vor 50 Jahren die Fusion perfekt. Zuvor hatte der Gemeinderat der Eingemeindungsvereinbarung geschlossen zugestimmt.
Zu den Sondierungsgesprächen mit seinem Amtskollegen brachte Peuckert durchaus charmante Argumente für eine Bündelung der Kräfte mit. In den beiden Gemeinderäten wurde das Für und Wider einer Fusion sorgfältig und nüchtern abgewogen. An einer Anhörung der Bürger nahmen 450 von 622 Stimmberechtigten teil. Dabei lag die Zustimmung bei 70 Prozent. Die Eingliederungsvereinbarung traf Festlegungen zur Ortschaftsverfassung und zur Repräsentation im neuen Gesamtgemeinderat. Dort sind Adelshofen im Wege der unechten Teilortswahl bis heute zwei Sitze zugesprochen. Ebenfalls einmütig gebilligt wurde die Beibehaltung der Ortsverwaltung und die anstehenden Investitionen mit einer Summe von fast 1,6 Millionen D-Mark.
Adelshofen fühlt sich in der Gesamtstadt Eppingen gut aufgehoben. Was damals beim Zusammenschluss versprochen wurde, konnte umgesetzt werden, und eine bedarfsgerechte Infrastruktur vor Ort sowie das bürgerschaftliche Eigenleben in Vereinen und sonstigen Institutionen wurden von der Zentralgemeinde bis heute stets nach Kräften gefördert. Bei den Allermeisten gilt die damals angestrebte Annäherung daher als gut gelungen.
Die Gesamtstadt Eppingen wurde in den Jahren 1971 und 1972 durch Fusion mit den selbstständigen Gemeinden Adelshofen, Elsenz, Kleingartach, Mühlbach, Richen und Rohrbach neu gebildet. Hintergrund war das Landesgesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden, das eine Anpassung an die veränderten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse vorgab. In der Regel wurden nur Gemeinden mit einer Mindestgröße von 5000 Einwohnern als hinreichend leistungsfähig angesehen, die wichtigsten Selbstverwaltungsaufgaben erledigen zu können.
Aufgrund von freiwilligen Vereinbarungen nach Eingliederungsverhandlungen und Bürgeranhörungen wurden wenige Monate später, am 1. Dezember 1971, auch Elsenz, Kleingartach, Richen und Rohrbach nach Eppingen eingemeindet. Mühlbach folgte am 1. November 1972 und war bis dahin nur durch eine Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Eppingen verbunden. Am 29. Januar 1972 fand in der Südstadt-Turnhalle in Eppingen der Taufakt für das "neue Eppingen" mit Innenminister Walter Krause statt. Besonderes Lob erhielt die Gemeinde für die Überwindung der ehemaligen Landesgrenzen Baden und Württemberg durch die Eingemeindung der Stadt Kleingartach. Den Abschluss der Verwaltungsreform bildete die Vereinbarung einer Verwaltungsgemeinschaft mit den Gemeinden Gemmingen und Ittlingen zum 1. August 1974. Eppingen wurde am 1. Januar 2002 vom Land zur Großen Kreisstadt erhoben.
