Jahresrückblick 2020: So lief das Jahr für Plankstadt
Von Harald Berlinghof
Plankstadt. Der Blick zurück auf das ablaufende Kalenderjahr wird diesmal überlagert von einem Megathema. Land auf Land ab hat das Coronavirus die Welt verändert. Auch in Plankstadt wurden Feste abgesagt, und Geschäfte und Gaststätten mussten schließen. Der Vogelpark machte vorübergehend zu, und in der Kommunalpolitik mussten Zugeständnisse gemacht werden. Am leichtesten zu verkraften war da noch der Umzug des Gemeinderats aus dem Ratssaal in die deutlich größere Mehrzweckhalle.
Bürgermeister Nils Drescher spricht rückblickend gar von einem "Festentzug". Seinen Optimismus hat er trotzdem nicht verloren. Mit Sorgfalt und Disziplin werde man die Pandemie in den Griff bekommen und zu einem normalen Leben zurückkehren. Der Bürgermeister wurde in diesem Jahr schon oft zum Mutmacher. Als die Geschäfte schließen mussten, ging er von Tür zu Tür und bot den Einzelhändlern Hilfe an. Auch die örtlichen Gastwirte erfuhren Unterstützung durch die Gemeinde. Mit Erfolg: "Wir haben in der Krise bis jetzt keinen Gastronomen verloren", sagt Drescher.
Doch die Kommune musste auch schlimme Nachrichten verkraften. Im Caritas-Altenzentrum "Sancta Maria" schlug das Virus besonders heftig zu. Dort gab es zwischenzeitlich mehr als 50 Infizierte und insgesamt neun Tote zu beklagen. Doch die Pandemie hat die Menschen auch zusammengeschweißt. Im Frühjahr wurde die Aktion "Plankstadt hilft" ins Leben gerufen. Ehrenamtliche richteten eine Hotline im Rathaus ein, über die Bürger ihre Bestellungen für Einkäufe aufgeben konnten, die ihnen dann nach Hause gebracht wurden. "Das wurde gut angenommen und genutzt", berichtet Drescher. Auch der Bürgerbus, ein Leuchtturmprojekt in der Region, wurde aufgrund der Corona-Pandemie zeitweise eingestellt. 2020 durfte der Bus aber auch seinen 50.000. Fahrgast begrüßen. Inzwischen hat er schon 120.000 Kilometer auf der Achse.
Der Backenbläserumzug im Februar schaffte es gerade noch, durch Plankstadt zu stromern, bevor im März der erste Lockdown kam. Auf das Feuerwerk zum Jahresbeginn 2020 schauen viele wohl mit nostalgischem Blick zurück, denn das nächste seiner Art wird wohl erst wieder Silvester 2021 möglich sein.
Auch die Umgestaltung der Ortsmitte war 2020 ein zentrales Thema. Im Februar wurde es ernst mit dem Umbau des Rathauses: Das historische Rathaus war energetisch eine Katastrophe und nicht barrierefrei. Mängel beim Brandschutz gaben dem Altbau dann den Rest. Die denkmalgeschützte Fassade wird erhalten. Doch im Innern räumen die Bauarbeiter gründlich auf, damit die Mitarbeiter der Verwaltung ihrer Arbeit in geeigneten Räumen nachgehen können. Im vorderen Bereich wird der Altbau erneuert und innen umgestaltet. Der Neubau aus den 1960er-Jahren wird abgerissen und neu aufgebaut. Archiv und Bürgerbüro ziehen in das ehemalige Gebäude der Sparkasse, die nun im fertigen Adler-Areal zu finden ist.
Umziehen musste auch die gesamte Verwaltung. Die Kommune hat dafür von der Gemeinde Eppelheim gebrauchte Wohncontainer erworben. Der Umzug mit Möbeln und Unterlagen in die Container am Festplatz war eine logistische Meisterleistung, ging jedoch problemlos über die Bühne. Inzwischen haben sich Bürgermeister und Mitarbeiter in den Containern gut eingelebt, wie Drescher erklärt. Im zweiten Quartal 2022 soll der Umbau des Rathauses fertig sein.
Auch der Wochenmarkt auf dem Platz vor dem Gemeindezentrum wechselte den Standort, weil die Fassade des Gebäudes erneuert werden musste. Der Umzug auf den Festplatz hat dem Markt offenbar gutgetan. Die Plankstadter nahmen den neuen Standort sehr gut an – wohl auch wegen der besseren Parksituation. Inzwischen sind neue Stände dazugekommen. Das Angebot ist größer, die Umsätze sind gestiegen. Laut Gemeinderatsbeschluss soll der Markt – zumindest mittelfristig – am neuen Standort bleiben.
Was den Einzelhandel angeht, benötigt Plankstadt dringend zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten. Die jährliche Kaufkraftanalyse der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar hat deutlich gemacht, dass Plankstadt seine Kaufkraft nicht halten kann und viel davon ins Umland abwandert. Mit einem neuen Edeka-Markt und einem Drogeriemarkt will die Kommune gegensteuern. Die Geschäfte sollen an der Mehrzweckhalle entstehen. Die Sanierung von deren undichtem Dach verfolgt die Gemeinde schon seit vielen Jahren. Erst kürzlich hat der Gemeinderat – inzwischen zum vierten Mal – eine Sanierung des Dachs über der Kegelhalle, der Gastronomie und zwei Wohnungen beschlossen.
Finanziell stehe die Gemeinde nicht so schlecht da, erklärt der Rathauschef. Man verfüge über eine hohe Liquidität und eher geringe Schulden. Mit dem Antoniusquartier hat die Kommune ein Baugebiet, in dem neue Wohnungen entstehen – zum Teil auch mit Mietpreisbindung. Wenn es gelingt, junge Familien mit Kindern anzulocken, könnte die Kommune die 10.000er-Marke bei der Einwohnerzahl knacken. Mit dem Gewerbegebiet "A(!)real 3" steigt zudem die Hoffnung auf höhere Gewerbesteuereinnahmen. 125 große Bäume pflanzte die Gemeinde als Ausgleichsmaßnahme. Im Laufe des vergangenen Jahres bekam die Kommune außerdem ein neues Logo, drehte einen Imagefilm und erarbeitete ein Programm für die 1250-Jahr-Feier im kommenden Jahr. Was davon letztendlich umgesetzt wird, hängt vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab.
