Im skandinavischen Krimi-Erfolg «Die Brücke» geht Thure Lindhardt als Ermittler mit seiner schwedischen Kollegin Saga Norén auf Verbrecherjagd. In Deutschland spielt der Däne am liebsten Schurken.Kopenhagen (dpa) - In seiner Heimat Dänemark ist Schauspieler Thure Lindhardt ein Star. Dass er den neuen Ermittler in der dritten Staffel der ZDF-Serie «Die Brücke - Transit in den Tod» (Sonntag, 22.00 Uhr) spielen würde, durfte er deshalb vor der Ausstrahlung niemandem verraten: Sein Einstieg als Henrik Sabroe sollte eine Überraschung für die skandinavischen Fernsehzuschauer sein. Das Stillschweigen fiel dem aufgeschlossenen Dänen schwer, wie er im Interview der Deutschen Presse-Agentur erzählte. In Deutschland ist Lindhardt aber auch kein Unbekannter. Weil er fließend Deutsch spricht, war er unter anderem schon mehrmals im «Tatort» zu sehen.Frage: Was ist anders, wenn Sie in Deutschland spielen?Antwort: Wenn man in einer anderen Sprache spielt, muss man viel mehr üben. (...) Außerdem habe ich es in Deutschland mit Kollegen zu tun, die mich nicht kennen. Das heißt, man fängt ganz von vorne an, als Schauspieler und wahrscheinlich auch als Mensch. Man kann sich nicht hinter seinen Klischees und Gewohnheiten verstecken. In Dänemark kennen wir uns ja. Da heißt es schnell: Der eine spielt so, die andere so. Aber wenn ich als Däne nach Deutschland komme und einfach so spiele wie immer, fragt der Regisseur vielleicht: Warum machst du das? In Deutschland kann ich auch Rollen spielen, die mir in Dänemark nicht angeboten werden.Frage: Was denn für Rollen?Antwort: Böse! Mörder, Entführer. Solche Rollen habe ich in Dänemark nie bekommen. Ich habe ganz jung mit der Schauspielerei angefangen. Dann wird man für etwas bekannt - bei mir waren das diese verletzlichen jungen Männer. Ich habe einen Drogenabhängigen gespielt, jemanden mit Asperger-Syndrom, so ganz sensible Typen. Das mag ich sehr und kann ich auch gut spielen. Aber dann bin ich nach Deutschland gekommen und habe den bösen Täter gespielt. Und das war natürlich wahnsinnig toll für mich!Frage: Wodurch unterscheiden sich Dänen und Deutsche in ihrer Mentalität?Antwort: Dänemark ist ein ganz kleines Land, und da ist es wie mit kleinen Hunden. Die müssen immer ganz laut bellen und denken, dass sie ziemlich groß sind. Wir reden ja immer noch darüber, wie wir 1992 die Fußball-EM gewonnen haben. Seitdem hat Dänemark nichts gewonnen, überhaupt nichts! (...) Wir sind sehr stolz auf unser Land. Die dänische Flagge ist überall, auch zu Weihnachten. Es gibt ein ganz großes Selbstbewusstsein und eine Selbstzufriedenheit. Das hat Nach- und Vorteile. Aber das ist der Unterschied. (...) In Deutschland fehlt so ein Stolz, auch in der Filmwelt. Aber ich glaube, das wird sich jetzt ändern, nachdem so viele amerikanische Filme und Serien in Deutschland gedreht werden.Frage: Als Neuzugang in der «Brücke» haben Sie ein großes Geheimnis. Wie gut sind Sie privat darin, Geheimnisse für sich zu behalten?Antwort: Was meine Rolle in «Die Brücke» angeht, war ich zum Beispiel total stolz. Ich durfte vorher niemandem sagen, wen ich spielen würde. Da habe ich völlig dichtgehalten. (...) Das Lustige ist, privat bin ich ansonsten der schlechteste Schauspieler überhaupt. Ich kann lügen, wenn es wirklich notwendig ist. Aber mein bester Freund sagt, man sieht es mir immer sofort an. Ich versuche es immer mit Kleinigkeiten, zum Beispiel, wenn ich drei verschiedene Verabredungen auf einmal gemacht habe. Dann sage ich: «Ich kann leider nicht kommen, ich bin krank.»»ZUR PERSON: Thure Lindhardt (41) ergatterte als Jugendlicher eine Rolle in Bille Augusts Film «Pelle, der Eroberer». Anfang der 1990er besuchte der Däne die Odenwaldschule, die später durch schwere Missbrauchsfälle bekannt wurde. Seine Deutschkenntnisse verhalfen ihm nach dem Besuch der Schauspielschule hierzulande zu vielen Rollen, etwa in dem Drama «Was nützt die Liebe in Gedanken?» (2004), im ARD-«Tatort» und als Kampusch-Entführer in «3096 Tage» (2013). In Hollywood machte er durch seine Rollen in «Illuminati» (2008) und «Into the Wild» (2007) auf sich aufmerksam.