Astronaut Reiter: Im All hängt man sich nicht permanent auf der Pelle
Interview: Wolfgang Jung, dpa
Thomas Reiter gilt als der erfahrenste der elf deutschen Raumfahrer. Vor der Leistung der beiden Astronauten, die seit fast einem Jahr im Kosmos arbeiten, hat er Respekt. Im Gespräch sagt der gebürtige Frankfurter, was zum Erfolg einer solchen Mission nötig ist.Moskau (dpa) - Der deutsche Astronaut Thomas Reiter war insgesamt fast ein Jahr im All: 171 Tage auf der Internationalen Raumstation ISS und 179 Tage auf der Station «Mir». Heute arbeitet er bei der Europäischen Weltraumbehörde Esa. Die Gefühle des Russen Michail Kornijenko und des Amerikaners Scott Kelly, die nun nach fast einem Jahr im All zurückkehren sollen, kann der 57-Jährige nachempfinden. «Mich packt immer wieder die Sehnsucht, obwohl man dort oben Familie und Natur vermisst», sagt Reiter der Deutschen Presse-Agentur.Frage: Ist es nicht symptomatisch, dass ein US-Amerikaner und ein Russe diese Jahresmission absolvieren? Wie sehr schmerzt Europas Rolle als Juniorpartner bei solch ehrgeizigen Plänen der Raumfahrt?Antwort: Diese Wahrnehmung habe ich nicht. Schon lange haben wir die Rolle des Juniorpartners hinter uns gelassen - heute sind wir auf Augenhöhe. Das wird von den internationalen Partnern so bestätigt und basiert auf unseren Leistungen, etwa dem Forschungslabor Columbus für die ISS, der Trägerrakete Ariane 5 und dem Raumfrachter ATV. Wir haben umfassende Erfahrung in der Entwicklung und dem Betrieb von Raumfahrtsystemen gesammelt und nehmen auch eine Vermittlerrolle bei der internationalen Zusammenarbeit ein, etwa mit China. Grundsätzlich hätten wir die Jahresmission mitmachen können. Aber wir schicken stattdessen lieber zwei Esa-Astronauten für je sechs Monate zur ISS.Frage: Ein Jahr auf der ISS: Wie beugt man da einem Lagerkoller vor?Antwort: Man hängt sich ja nicht permanent auf der Pelle. Die ISS ist mit den Jahren gewachsen und inzwischen fast so geräumig wie ein Jumbo-Jet. Es gibt Tage, an denen man sich nur beim Essen oder beim Sport sieht. Natürlich gibt es auch mal Durchhänger, und manchmal sind Arbeiten zu verrichten, die einem nicht so nahe liegen. Etwa Wartungsarbeiten. Man kann es den Kollegen schon ansehen, ob sie oder er durchhängt. Das Schöne ist, dass man sich aufeinander verlassen kann und sich auch in einer solchen Situation gegenseitig motiviert.Frage: Wie aussagekräftig sind die Ergebnisse dieser Jahresmission - etwa für einen Mars-Flug mit ganz anderen Herausforderungen?Antwort: Sie helfen, wichtige Antworten zu geben, wenn wir den Erdorbit einmal verlassen wollen. Zum Beispiel für eine Marsmission. Natürlich kann man etwa die Belastung durch kosmische Strahlung nicht zu 100 Prozent simulieren. Auch würde man auf dem Weg zum Mars nur die Sonne sehen, nicht den Heimatplaneten Erde, diesen psychologischen Aspekt können wir nicht testen - aber zum Beispiel die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf Knochen und Muskeln. Alexander Gerst konnte im All sogar Muskelmasse aufbauen. Das sind vielversprechende Perspektiven für zukünftige Missionen zu unserem Nachbarplaneten.Frage: Ist eine solch außergewöhnliche Mission auch ein Argument für den Erhalt der Internationalen Raumstation ISS über 2024 hinaus?Antwort: In Europa steht in der Esa-Ministerratskonferenz in diesem Jahr erst einmal die Entscheidung der Verlängerung von 2020 bis 2024 an. Aber es stimmt: Wir arbeiten schon lange an diesem Projekt, die Mitgliedsländer der Esa haben in den vergangenen 20 Jahren etwa neun Milliarden Euro in das gesamte Programm investiert. Das entspricht 8,4 Prozent der Gesamtinvestitionen aller Partner. Es wäre schade, diesen Riesenaufwand mit den amerikanischen, russischen, kanadischen und japanischen Partnern betrieben zu haben und jetzt zu sagen: Okay, hören wir auf. Natürlich muss man sich fragen: Wie sieht es nach 2024 aus? Die Forschungsthemen werden uns bestimmt nicht ausgehen. Allerdings könnte der Aufwand für Wartung und Instandhaltung steigen.ZUR PERSON: Thomas Reiter wurde am 23. Mai 1958 in Frankfurt am Main geboren. 1993 wechselte der damalige Jetpilot in die Raumfahrt. Von 2007 an arbeitete er beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), seit 2011 ist er bei der Europäischen Weltraumorganisation Esa - derzeit als Direktor für «Bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb».
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