Berlin (dpa) - Der linke Flügel der SPD hat die Entscheidung der Bundesregierung für Grenzkontrollen kritisiert. «Willkommens-Selfies der Kanzlerin mit Geflüchteten einerseits und die Wiedereinführung von Grenzkontrollen durch den Innenminister andererseits passen absolut nicht zusammen», sagte der Sprecher der SPD-Linken im Bundestag, Matthias Miersch, am Sonntagabend der Deutschen Presse-Agentur. Lösungen könnten nur auf europäischer Ebene gefunden werden: «Wir brauchen jetzt schnell ein gemeinsames Vorgehen in Europa statt nationale Alleingänge», sagte Miersch. Juso-Chefin Johanna Uekermann warf der Regierung vor, mit der vorübergehenden Schließung der Grenzen zu Österreich vor der CSU eingenickt zu sein und «Sargnägel für Europa» einzuschlagen. Der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner sprach bei Twitter von einem «Zick-Zack-Kurs» von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Gerade habe Merkel noch betont, Asyl kenne keine Obergrenzen - «Landesgrenzen aber schon». Stegner forderte die Einberufung eines EU-Sondergipfels zur Asyl- und Flüchtlingspolitik. «Ich verstehe nicht, warum es den nicht längst gegeben hat. Bei Griechenland hatten wir alle drei Tage einen Gipfel», sagte Stegner der dpa.Die Bundesregierung müsse Druck machen, damit rasch ein «faires Verteilsystem» in der EU eingeführt werde. Als Sofortmaßnahme sollte es zudem EU-Gelder für Flüchtlingslager in der Türkei, in Jordanien und im Libanon geben. Deutschland sei bereit, weiter überproportional Flüchtlinge aufzunehmen. «Aber alleine halten wir das auf Dauer nicht durch», meinte Stegner. Europa sei nicht nur eine Wirtschafts- und Währungsunion, sondern auch eine Wertegemeinschaft.