Wer den Stromanbieter nicht regelmäßig wechselt, zahlt oft den höchsten Strompreis. Das trifft vor allem Haushalte, die sowieso nicht viel Geld haben. Wissen Sie, was Sie aktuell für eine Kilowattstunde Strom in Ihrem Haushalt bezahlen? Falls ja, dann gehören Sie zur Minderheit – und wissen es wahrscheinlich deshalb, weil sie häufiger mal den Stromanbieter wechseln und deshalb über die besten Angebote am Markt Bescheid wissen. Denn wie eine aktuelle repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Stromanbieters Octopus Energy zeigt, wissen nur 36 Prozent der sogenannten passiven Verbraucher, wie viel sie für Strom bezahlen. Passive Verbraucher sind alle Haushalte, die in den vergangenen drei Jahren nicht den Stromanbieter gewechselt haben. Sie gelten als "schlafende Kunden" und zahlen im Durchschnitt höhere Strompreise als jene, die regelmäßig den Tarif wechseln . Das hat unter anderem damit zu tun, dass Stromversorger Neukunden mit besonders großzügigen Boni und Rabatten anlocken. Bestandskunden profitieren davon aber nicht. Der Umfrage zufolge wechseln nur 32 Prozent der Haushalte regelmäßig den Stromtarif und können dadurch günstigere Preise bekommen. Bestandskunden werden für ihre Treue zum Stromanbieter bestraft Die YouGov-Umfrage zeigt allerdings auch, dass die meisten Stromkunden nicht wissen, dass sie als Bestandskunden für ihre Treue nicht gerade belohnt werden. So glauben die Nicht-Wechsler mehrheitlich (64 Prozent), dass sie etwa genauso viel zahlen wie der Durchschnitt in Deutschland. Das stimmt aber nicht: Bestandskunden zahlen im Schnitt rund 33 Cent pro Kilowattstunde, Neukunden nur 30 Cent/kWh. Wer in einem Grundversorgertarif ist, also einfach den Stromtarif genommen hat, den er beim Einzug erhalten hat , zahlt mit 42 Cent/kWh sogar deutlich mehr als Neukunden. 60 Prozent der Grundversorgerkunden glauben der Umfrage zufolge aber, dass ihr Stromtarif im Durchschnitt liegt. Dass Nicht-Wechsler die teuersten Strompreise zahlen, finden die meisten Menschen laut Umfrage auch unfair. Auch 57 Prozent derjenigen, die mehrmals in den vergangenen drei Jahren den Tarif gewechselt haben und damit günstigere Preise haben, schätzen das als ungerecht ein. Große Wissenslücken beim Thema Energiepreise Auch wissen viele Haushalte offenbar nicht, dass auch kleine Unterschieden in den Centbeträgen einen Unterschied machen können. Wer einen Stromverbrauch von 3.000 Kilowattstunden im Jahr (Durchschnitt für 3 bis 4 Personen) hat und 42 Cent/kWh zahlt, blickt auf eine Stromrechnung von 1.260 Euro. Wer 33 Cent bezahlt, kommt hingegen auf nur 990 Euro – und wer nur 30 Cent/kWh im Tarif stehen hat, zahlt insgesamt 900 Euro für Strom. So wird aus Centbeträgen am Ende sehr viel Geld. Die Umfrage offenbart grundsätzlich große Wissenslücken bei den Energiepreisen – und auch, dass vor allem einkommensschwache und bildungsferne Haushalte selten den Stromtarif wechseln. So sind vor allem Rentner und Rentnerinnen in der Gruppe der "passiven Verbraucher" zu verorten (zu 55 Prozent). Einen ähnlich hohen Wert haben Arbeitslose (49 Prozent) und Menschen mit Migrationshintergrund (43 Prozent). Diese Gruppen haben auch besonders häufig Grundversorgertarife und bezahlen deshalb wahrscheinlich zu viel für Strom. Wer ein höheres Einkommen hat (ab 3.000 Euro im Monat), weist hingegen eine höhere Wechselwahrscheinlichkeit auf. Diese Übereinstimmung haben auch schon andere Untersuchungen festgestellt. Anfang des Jahres ließ der Verbraucherzentrale Bundesverband eine ähnliche Umfrage durchführen. Demnach hatten nur 76 Prozent der Stromkunden im letzten Jahr den Tarif gewechselt und nur 55 Prozent wussten, dass Grundversorgertarife teurer sind als Sonderverträge. Besonders ausgeprägt war dieses Informationsdefizit bei Haushalten mit geringem Einkommen (unter 2.500 Euro/Monat). Reform bei Stromtarifen gefordert Damals forderten die Verbraucherschützer eine Reform der Grundversorgung, damit vor allem vulnerable Gruppen wie einkommensschwache Haushalte, Rentner und Rentnerinnen und Haushalte mit Migrationshintergrund nicht mehr übermäßig viel Geld für Strom ausgeben. Möglichkeiten wären etwa die Einführung von Sozialtarifen für bestimmte Gesellschaftsgruppen, oder eine Informationspflicht für Grundversorger, die Kunden auf alternative Tarife aufmerksam machen könnte. Solche Maßnahmen würden die meisten Haushalte auch befürworten, wie die neue YouGov-Umfrage von Octopus Energy zeigt. 85 Prozent der Befragten würden es demnach gut finden, wenn Anbieter ihre Bestandskunden über günstigere Tarife informieren müssten. Ganze 89 Prozent finden es nicht gerecht, dass die besten Angebote nur Neukunden offenstehen. 62 Prozent wünschen sich eine gezieltere Unterstützung für einkommensschwache Haushalte. Nur 22 Prozent sind der Meinung, dass gar keine politischen Eingriffe nötig sind. Wer den Stromtarif wechseln möchte, kann dies jederzeit innerhalb der vertraglich vereinbarten Fristen tun. Dabei übernimmt der neue Stromanbieter in der Regel alle Details: Kündigung beim bestehenden Lieferanten, Anmeldung des neuen Tarifs, Abrechnung mit dem alten Anbieter. Dadurch geht der Tarifwechsel meistens schnell und unkompliziert. Sie brauchen lediglich Zählernummer und Zählerstand. Verbraucherschützer empfehlen, etwa einmal im Jahr zu prüfen, ob man noch den günstigsten Stromtarif hat – und im Zweifel zu wechseln.