Seit nicht einmal 24 Stunden läuft eine Spendenaktion für den toten Schauspieler Ralf Richter. Inzwischen wurde das erklärte Ziel angepasst – und der Sohn Maxwell erklärt sich bei t-online. Die Trauer um Ralf Richter ist groß. Der Schauspieler starb in der Nacht zum 15. September im Alter von 69 Jahren "unerwartet und viel zu früh" , wie sein Management am Dienstag mitteilte. Fans, Weggefährten und Größen des Filmgeschäfts brachten in den vergangenen Tagen ihre Anteilnahme zum Ausdruck. Hinzu kam ein Spendenaufruf, der am Mittwoch gestartet wurde. Offenbar sei die "finanzielle Belastung" für die Kinder von Ralf Richter zu hoch. "Diese Spendenaktion wird nicht von Maxwell oder einem anderen Familienmitglied selbst organisiert, sondern von Menschen aus ihrem Umfeld", hieß es in dem dazugehörigen Text auf der Plattform GoFundMe. Die Sammelaktion "soll der Familie ermöglichen, Ralf einen würdevollen Abschied zu bereiten und ihnen zumindest die finanzielle Sorge in dieser schweren Zeit abzunehmen". "Ich wünsche mir eine größere, pietätvolle Trauerfeier" Ralf Richters Sohn Maxwell erklärt auf Nachfrage von t-online, dass die Initiatorin des Spendenaufrufs, Muriel Tacke, eine "enge Freundin der Familie" sei. Er sei anfangs skeptisch gewesen, weil er viele negative Reaktionen befürchtete. Ihm sei klar, dass die Menschen denken, Schauspieler "schwimmen im Reichtum". Doch dies sei Unsinn. Ihm gehe es um das Ansehen seines Vaters. "Ich wünsche mir eine größere, pietätvolle Trauerfeier – keine Party mit Champagner-Brunnen, sondern eine Würdigung, die seinem Lebenswerk angemessen ist", so Maxwell Richter. Am Freitag habe er einen Termin beim Bestatter, Details zur anstehenden Beerdigung gebe es bisher noch nicht. Er wünsche sich, dass Ralf Richter in Bochum beigesetzt wird. "Das hätte sich Papa gewünscht", so sein ältester Sohn. Sohn äußert sich: Ralf Richter stirbt kurz vor einem Auftritt Als Spendenziel wurde ursprünglich die Summe von 8.000 Euro festgelegt. Am Donnerstag veränderte sich der Betrag. Inzwischen ist von einem Spendenziel von 10.000 Euro die Rede – auch dieses ist schon übertroffen worden. Wie ein Blick auf die Plattform zeigt, sind bereits mehr als 21.500 Euro gespendet worden (Stand: 17. September, 14.15 Uhr). "Das ist deutlich mehr, als wir uns jemals erträumt hätten", sagt Maxwell Richter. Er habe die Organisatorin bereits dazu aufgefordert, den Spendenaufruf zu stoppen. "Mehr brauchen wir nicht. Es soll nicht obszön werden, denn wir beabsichtigen nicht, uns mit dem Geld eine schöne Zeit zu machen. Wenn Geld übrig bleibt, werden wir dies für Obdachlosenorganisationen spenden." Um etwa 14.30 Uhr am Donnerstagnachmittag ist dieser Stopp tatsächlich in Kraft getreten. "Für diesen Spendenaufruf werden derzeit keine Spenden angenommen", heißt es auf einer eingeblendeten Tafel bei GoFundMe. Auf die Frage, warum die Familie die Kosten nicht selbst stemmen könne, meint Maxwell Richter: "Wir geben bereits alles, was wir können." Er sei im ständigen Austausch mit seiner Schwester, man tue alles, um so wenig wie möglich von anderen abhängig zu sein. Die Initiatorin hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet. Muriel Tacke geht auf die Kritik ein, die in den vergangenen Stunden öffentlich wurde. Sie erlebe dies als "teilweise sehr heftig" und schreibt: "Ich verstehe, dass eine Spendenaktion für eine bekannte Persönlichkeit Fragen aufwerfen kann. Was ich jedoch nicht nachvollziehen kann, sind Spekulationen über die finanziellen Verhältnisse der Familie oder verletzende Kommentare über Menschen, die gerade einen Angehörigen verloren haben." Ralf Richters Erfolge lägen "teilweise Jahrzehnte zurück" Ein bekannter Name bedeute nicht automatisch finanziellen Reichtum. Demnach lägen die Erfolge Ralf Richters "teilweise Jahrzehnte zurück", zudem seien die "tatsächlichen Lebensumstände eines Menschen" für Außenstehende schwer nachvollziehbar. Seine größten Erfolge feierte Ralf Richter in den Achtziger- und Neunzigerjahren. Nach seinem Durchbruch in "Das Boot" 1981 wurde er insbesondere durch "Bang Boom Bang" und seine Rolle als Ganove Kalle Grabowski bekannt. In den folgenden Jahren blieb er zwar regelmäßig vor der Kamera, die großen Kinoerfolge wurden jedoch seltener. Zuletzt war er nur noch in kleineren Rollen zu sehen. Sein langjähriger Weggefährte Martin Semmelrogge , mit dem er zusammen in "Das Boot" spielte, übte vor genau zehn Jahren deutliche Kritik an der Filmbranche. "Bezahlung ist ein großes Thema, es wird überall beim Film gespart. Da wollen dich viele Produzenten echt mit mickrigen Gagen abspeisen", so Semmelrogge. Die Konkurrenz sei groß, die finanzielle Situation für viele Darsteller prekär. Da sei man "manchmal schon ziemlich verzweifelt". Ein Umstand, der auch nach dem Tod eines Schauspielers und für dessen Angehörige noch zutrifft, wie das Beispiel von Ralf Richter in diesen Tagen vor Augen führt.