Psychologie-Studie: Linkshänder ticken politisch öfter links – das könnte der Grund sein
Eine französische Studie legt die Vermutung nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen Linkshändigkeit und politischer Einstellung gibt – doch so einfach ist es nicht.
Wie hält es der einzelne Mensch mit der Politik? Ist er eher links oder rechts zu verorten? Und wie kommt die Einstellung zustande? Bislang gelten Erziehung, Milieu, Alter oder das Einkommen als bedeutende Faktoren. Ein französisches Forscherteam um den Finanzwissenschaftler Jérémie Bertrand, Professor an der Iéseg School of Management, legt nun in einer Studie weitere Faktoren nahe, die sich auf die politische Einstellung auswirken.
Dazu befragten die Forscher 1404 Personen aus 18 westlichen Ländern, darunter Frankreich, Deutschland, die USA, Italien und Spanien. Die Befragten sollten auf einer Zehn-Punkte-Skala einschätzen, ob sie eher nach rechts oder nach links tendieren. Gleichzeitig gaben sie an, ob sie Links- oder Rechtshänder sind. Die Antworten wurden dann mit den Angaben zu Alter, Geschlecht, Schulabschlüssen und Einkommen abgeglichen, schreibt Jérémie Bertrand in der Fachzeitschrift „The Conversation“.
Linkshänder: Selbstwahrnehmung ist wichtiger als Biologie
„Unsere Untersuchungen zeigen, dass tatsächlich ein statistischer Zusammenhang zwischen Linkshändigkeit und linken politischen Einstellungen besteht“, fasst der französische Forscher das Ergebnis zusammen.
Linkshänder waren auf der Skala einen halben Punkt progressiver und liberaler als Rechtshänder. Der Unterschied ist also nicht gewaltig, aber dennoch größer, als wenn man das Geschlecht als Grundlage nimmt. Die Ergebnisse der neuen Studie gleichen hingegen denen von Untersuchungen unter Großstädtern, die sich mehrheitlich eher links der Mitte einordnen.
Ein weiterer Punkt ist in der Studie wichtig: Die Forscher fragten auch, inwieweit Linkshänder tatsächlich alltägliche Tätigkeiten wie Schreiben oder Zähneputzen ausführen.
Dabei ging es um den Unterschied zwischen Identität und Biologie. Tatsächlich ist die Selbstwahrnehmung der bedeutendere Faktor. Nimmt man nur neurologische Unterschiede als Grundlage, lässt sich kein Zusammenhang zwischen politischer Einstellung und Links- oder Rechtshändigkeit feststellen. Wenn sich aber jemand als Linkshänder wahrnimmt, beeinflusst das laut Studie die politische Ausrichtung.
Forscher bieten zwei Erklärungen an
Die Forscher bieten zwei mögliche Erklärungen an: Eine davon ist die Theorie des impliziten Egoismus. Sie besagt, dass es eine unbewusste Vorliebe für Dinge, Orte oder Personen gibt, mit denen man sich selbst in Verbindung setzt. Wer sich als Linkshänder betrachtet, hegt eher eine Sympathie für linke oder linksliberalere Politik.
Ein anderer Erklärungsansatz ist die Minderheitenhypothese. Nur etwa zehn bis 15 Prozent aller Menschen sind Linkshänder. Bis in die 70er-Jahre hinein wurden Menschen in westlichen Ländern umerzogen, Linkshändigkeit galt als falsche Ausrichtung. In vielen Ländern und Kulturen haben Linkshänder bis heute mit Vorurteilen zu kämpfen.
Die Erfahrung, selbst einer Minderheit anzugehören und benachteiligt zu werden, könnte also dazu führen, sich eher links zu orientieren, weil linke Politik mit dem Kampf gegen Benachteiligung verbunden wird.
Quelle: „The Conservation“
