Gasspeicher zu 50 Prozent gefüllt: Gaskunden sollten jetzt handeln
Die Gasspeicher sind Mitte August nur zu 50 Prozent gefüllt. Die Alternative für den Winter ist LNG – und das ist gerade teuer. Die Gasspeicher haben bis Mittwochmorgen einen Füllstand von 50 Prozent erreicht – damit liegen sie dennoch nach wie vor weit unter den Durchschnittswerten der vergangenen Jahre. Hintergrund ist im Wesentlichen die Sperrung der Straße von Hormus , seit Beginn des Iran-Kriegs haben sich die Gaspreise dadurch mehr als verdoppelt. Das macht die Befüllung der Speicher für den Winter für Gashändler wirtschaftlich unattraktiv , schließlich wollen sie ihr Gas im Herbst und Winter teurer weiterverkaufen, als sie es jetzt einkaufen. Dass die Gaspreise für Verbraucher und Unternehmen bald tatsächlich wieder stärker steigen könnten, dafür gibt es schon erste Hinweise. Laut Thorsten Storck, Energieexperte beim Vergleichsportal Verivox , sind die durchschnittlichen Preise für Gaskunden in den vergangenen Monaten schon um rund zwei Cent pro Kilowattstunde gestiegen. "Sollte das aktuelle Preisniveau der Großhandelspreise jedoch noch länger bestehen bleiben, sind früher oder später auch für Bestandskunden Preiserhöhungen zwischen zehn und 20 Prozent zu erwarten", sagt er. 400 bis 600 Euro mehr für Gas Ähnliches hat auch der Geldratgeber "Finanztip" berichtet. Laut seinen Daten sind die Haushaltspreise schon jetzt von rund neun Cent auf elf Cent gestiegen – ein Plus von 23 Prozent. Im Gespräch mit t-online hat Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller ebenfalls vor steigenden Preisen für Verbraucher gewarnt. Würden die Gaspreise tatsächlich noch einmal um 20 Prozent steigen, würde Gas für Verbraucher im Schnitt zwölf oder 13 Cent/kWh kosten. Für einen Haushalt mit einem Gasverbrauch von 20.000 kWh im Jahr würde das Mehrkosten von 400 bis 600 Euro bedeuten. Sowohl Verivox als auch "Finanztip" raten Gaskunden daher, jetzt noch zu wechseln, um eine zwölfmonatige Preisgarantie zu aktuellen Preisen zu bekommen. Verbot von russischem LNG kommt zur Unzeit Ende des Jahres kommt für Europa noch zusätzlicher Druck auf dem Gasmarkt hinzu. Denn zum 1. Januar 2027 tritt ein EU-weites Importverbot für russisches Flüssigerdgas LNG in Kraft. Die EU ist momentan noch der größte Importeur von LNG aus Russland . In wenigen Monaten wird damit eine ihrer wichtigsten Gasquellen also tabu. Im Gespräch mit der "Welt" warnt deshalb auch Gaslobbyist Timm Kehler vom Verband der Gas- und Wasserstoffwirtschaft. "Ein Wegfall der russischen Mengen ist relevant für die Preise auf dem europäischen Markt, insbesondere da der Einfuhrstopp für russisches LNG im Winter erfolgt". Die Sanktionen seien aus geopolitischer Sicht nachvollziehbar, kämen aber "zu einem ungünstigen Zeitpunkt." Die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) führt die Möglichkeit von mehr LNG-Importen als Grund an, weshalb man sich keine Sorge um die niedrigen Gasspeicher machen müsse. Auch Netzagentur-Chef Müller beschwichtigt: LNG könne bis zu 15 Prozent des deutschen Gasverbrauchs im Winter decken . Die Speicher müssen also nicht wie bisher zu 90 Prozent gefüllt sein, es reichen auch 75 Prozent. Dafür sei noch ausreichend Zeit, so Müller und Reiche unisono. Die Regierung pokert also, dass die Gashändler doch noch einspeichern. Und dass gleichzeitig der LNG-Markt robust bleibt und sich die Preise wieder stabilisieren. Fällt eine dieser beiden Säulen doch aus, oder entwickelt sich völlig anders als erwartet, dann hat ganz Europa ein Problem. Je länger der Poker allerdings andauert, desto fahrlässiger wirkt die Strategie.
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