Hohe Temperaturen: Bricht Deutschland den Hitze-Rekord von 41,2 Grad?
Es wäre nicht nur ein Hitze-Rekord für Juni – sondern die höchste je in Deutschland gemessene Temperatur, sollte das Thermometer heute oder in den kommenden Tagen mehr als 41,2 Grad Celsius anzeigen.
Die aktuelle Hitzewelle stellt Deutschland und weite Teile Europas vor besondere Herausforderungen. Meteorologen rechnen für Freitag mit Temperaturen von bis zu 41 Grad im Westen und Südwesten des Landes. Sollte dieser Wert erreicht werden, wäre der bisherige deutsche Juni-Rekord von 39,6 Grad aus dem Jahr 2019 übertroffen. Im Norden soll es mit 27 bis 33 Grad verhältnismäßig erträglich bleiben, an einigen Nordseeinseln bleibt es mit etwa 22 Grad sogar beinahe kühl.
Zur Hitze kommt zudem anhaltende Trockenheit: In Dresden reagierten die Behörden auf stark gesunkene Wasserstände gerade mit einem Entnahmeverbot für oberirdische Gewässer. Die Regelung gilt bis Ende Oktober und betrifft Flüsse und Bäche. Selbst das Schöpfen von Wasser mit einfachen Behältern ist untersagt. Hintergrund sind außergewöhnlich niedrige Pegelstände, die nach Einschätzung der Stadt durch die erwarteten Niederschläge in den kommenden Wochen nicht ausgeglichen werden können.
Bisherige Hitzerekorde:
| Land | Höchsttemperatur (ganzjährig) | gemessen |
| Deutschland | 41,2 | 25. Juli 2019 |
| Frankreich | 46,0 | 28. Juni 2019 |
| England | 40,3 | 19. Juli 2022 |
| Spanien | 47,6 | 14. August 2021 |
| Italien | 48,8 | 11. August 2021 |
| Polen | 40,2 | 29. Juli 1921 |
| Dänemark | 36,4 | 10. August 1975 |
| Ägypten | 50,9 | 7. Juni 2024 |
| Marokko | 50,4 | 11. August 2023 |
| Griechenland | 48,0 | 10. Juli 1977 |
| Österreich | 40,5 | 8. August 2013 |
| Belgien | 41,8 | 25. Juli 2019 |
Rekord-Hitze: Deutschland ergreift Maßnahmen
Mit den steigenden Temperaturen wächst zugleich die Sorge um die Gesundheit der Menschen. Die evangelische Kirche beteiligt sich deshalb an der Initiative „Kühle Kirchen“ und öffnet vielerorts ihre Gotteshäuser als Rückzugsorte vor der Hitze. Die Gemeinden wollen damit insbesondere jenen helfen, die keinen Zugang zu ausreichend gekühlten Räumen haben.
Auch Arbeitnehmer geraten zunehmend in den Fokus der Debatte. Der Europäische Gewerkschaftsbund fordert europaweit verbindliche Erholungspausen bei großer Hitze. Als Vorbild nennt die Organisation die Trinkunterbrechungen bei Fußball-Weltmeisterschaften. Nach Ansicht des Verbands reichen wenige Minuten jedoch nicht aus, um Beschäftigten in körperlich belastenden Berufen wie dem Baugewerbe, der Landwirtschaft oder im öffentlichen Verkehr ausreichende Erholung zu ermöglichen.
Bereits Temperaturen von mehr als 30 Grad erhöhten das Risiko von Todesfällen am Arbeitsplatz – bei Werten über 38 Grad sogar um bis zu 15 Prozent. Deshalb fordert die Dachorganisation, die nach eigenen Angaben 45 Millionen Beschäftigte aus 94 Gewerkschaften in 42 Ländern vertritt, ein europaweites Recht auf zusätzliche Pausen bei vollem Lohnausgleich.
Auswirkungen auf Sportereignisse
Selbst der Spitzensport muss sich inzwischen auf die neuen Bedingungen einstellen. Deutschlandweit wurden in mehreren Regionen Fußballspiele abgesagt, in Hamburg der Halbmarathon. Auch Österreich ergreift Maßnahmen: Vor dem Formel-1-Rennen in Spielberg, wo am Wochenende Temperaturen von bis zu 36 Grad erwartet werden, müssen die Teams zusätzliche Kühlsysteme in die Fahrzeuge integrieren. Außerdem können die Fahrer spezielle Kühlwesten nutzen, um die extreme Hitze in den Cockpits besser zu bewältigen.
Wer kann, lässt am Wochenende sowohl Spitzensport als auch Arbeit bleiben und macht es sich mit einem kühlen Getränk im Schatten gemütlich.
