Tiere im Dienst: „Was gibt es Schöneres“: die Arbeit einer Pferde-Osteopathin
Wie eine Osteopathin mit Erfahrung und Feingefühl für das Wohl der Polizeipferde in Hessen sorgt – und was ihre Arbeit für die Tiere bedeutet.
Legolas lässt ein markantes Schnauben von sich. „Das war das Zwerchfell“, sagt Melanie Gath und streckt ihren Kopf unter dem Wallach hervor. Soeben hat die Pferde-Osteopathin mit gekonntem Griff eine Blockade gelöst – das Tier atmet daraufhin laut aus. Das sei ein Zeichen der Entspannung, sagt sie.
Legolas gehört zur hessischen Polizeireiterstaffel. Noch einige Tage zuvor war das 14 Jahre alte Pferd auf einer Streife beim Hessentag in Fulda im Einsatz. Nun steht es auf einem idyllischen Hof in Hanau. Dort leben die insgesamt 15 Dienstpferde des Landes. Und von dort werden sie zu ihren Einsätzen gebracht, sei es zu einem Fußballspiel der Frankfurter Eintracht, sei es zu Demos - wie etwa den großen Protesten im Herbst 2025 anlässlich der Neugründung der AfD-Jugendorganisation in Gießen - oder sei es zu alltäglichen Polizeistreifen.
Um die Tiere gesund zu halten werden sie regelmäßig vom Tierarzt beziehungsweise Zahnarzt untersucht. Spätestens alle sechs Wochen bekommen sie einen neuen Hufbeschlag. Auf dem Hof gibt es neuerdings sogar eine Rotlichttherapie, dann können die Pferde unter die wärmenden Lampen gestellt werden. Und: Alle paar Wochen besucht eine Osteopathin das Gelände, um die Tiere im Wechsel zu behandeln.
Behandlung beginnt mit Ganganalyse und Abtasten
Hier kommt Melanie Gath ins Spiel. Die Viernheimerin hat eigentlich mal als Agraringenieurin gearbeitet, dann entschied sie sich irgendwann für die dreijährige Ausbildung zur Pferde-Osteopathin. Inzwischen betreibt sie ein Reha-Zentrum für Pferde in Südhessen. Und auch in der digitalen Welt ist sie erfolgreich unterwegs: Auf Instagram hat Gath schon über 127.000 Follower. Kürzlich war sie auf einer weltweiten Fachkonferenz in Florida.
An diesem Junitag in Hanau behandelt sie mehrere Polizeipferde, den Anfang macht Legolas. Jede Behandlung beginnt in der Regel mit einer Ganganalyse, danach wird das Pferd abgetastet, „um praktisch mit den Händen zu erfühlen: sind da irgendwelche Verspannungen oder sind da irgendwelche Hitzepunkte, die auf eine Entzündung hindeuten?“, erklärt die Expertin.
Legolas läuft an diesem Tag etwas unrund, doch Gath kann schnell helfen. Durch eine Bewegung des Schweifs wird etwa eine Blockade im Kreuzbein gelöst. Später kommen weitere Techniken hinzu. „Nur durch ein paar Stellschrauben hat man praktisch die Spannung aus dem Körper genommen.“ Für Gath, die seit rund 20 Jahren in der Pferde-Osteopathie arbeitet, quasi ein Kinderspiel.
Das Schöne an dem Beruf: Man wird mit dem Alter immer besser
„Das Schöne an dem Beruf ist: Man wird mit dem Alter und mit der Erfahrung immer besser“, sagt sie. „Man fühlt genauer und wird immer sensibler.“ Die Pferde seien sehr sensible Tiere, die auf eine ganz feine Weise kommunizierten. „Da muss man üben, die kleinsten Signale wahrzunehmen.“ Sei es etwa über die Augen des Pferdes, das Ohrenspiel, die Körperhaltung, die Nase oder den Schweif. Und jedes Pferd sei ein eigener Typ. „Das ist wie bei den Menschen.“
Ohnehin würde sich die osteopathische Behandlung der Pferde gar nicht so sehr von der Behandlung bei Menschen unterscheiden: „Nur wer mobil bleibt, bleibt nachhaltig gesund und da muss man einfach ein wenig unterstützen“, sagt Gath. Allerdings sei das bei den Pferden schwieriger, „weil sie ja nicht reden können und sagen, wo es weh tut“. Zudem seien sie Fluchttiere. Das bedeute, Pferde vertuschten Schmerzen so lange wie möglich, um in der Natur keine Feinde anzulocken.
Und was zeichnet Polizeipferde aus?
„Die Pferde haben natürlich einen anderen Job als Freizeitpferde oder auch ein Turnierpferd“, sagt Christine Henniger von der Polizeireiterstaffel. Schon bei der Auswahl werde darauf geachtet, dass diese weniger schreckhaft und neugierig seien. Schließlich komme es bei den Einsätzen, ob auf Demos oder Fußballspielen, zu vielerlei optischen und akustischen Eindrücken - und da könne auch mal ein Böller explodieren.
Laut dem Innenministerium in Wiesbaden kam es im letzten Jahr hessenweit zu 215 Einsätzen mit Dienstpferden der Polizei. Unter anderem gab es 2025 zu 88 Einsätzen im Bereich Objektschutz, 63 im Streifendienst und zu 42 Einsätzen bei Fußballspielen.
„Die Polizeipferde sind allein durch ihre Größe und Ausstrahlung eine imposante Erscheinung, die bei Großveranstaltungen wie Demonstrationen oder Fußballspielen eine beruhigende, ordnende Wirkung haben“, heißt es bei der Polizei. „Gleichzeitig ermöglicht die erhöhte Position der Reiterinnen einen besseren Überblick über Menschenmengen und erleichtert zudem die frühzeitige Wahrnehmung von problematischen Situationen.“
Hessenweit gab es im letzten Jahr 215 Einsätze mit Dienstpferden
Laut Henniger seien die Einsätze für die Tiere auch herausfordernd, da sie recht viel auf Asphalt unterwegs seien und auch mal eine längere Zeit am Stück stehen müssten. „Umso wichtiger ist es, dann zwischendurch für einen Ausgleich zu sorgen - wie etwa durch die Osteopathie.“
Für Gath ist es wiederum ein Traumjob, aus dem sie persönlich viel ziehe. „Ich bin superglücklich, dass ich mit Pferden arbeiten darf, das sind so tolle Wesen“, sagt sie. Und: Es sei einfach ein gutes Gefühl, helfen zu können. „Es ist ein Heilberuf, was gibt es Schöneres.“
