Retrotrend: Warum Kopfhörer plötzlich wieder am Kabel hängen
Schon seit Jahren koppeln wir Kopfhörer lieber per Bluetooth. Doch plötzlich ist die Strippe wieder öfter zu sehen. Dieser Retrotrend bietet aber auch tatsächlich Vorteile.
Was wurde sich darüber lustig gemacht, als Apple 2014 die ersten Airpods vorstellte. Es sähe aus, als habe man sich den Kopf der elektrischen Zahnbürste ins Ohr gesteckt, witzelte das Netz. Heute wären Airpods als eigene Firma unter den 200 erfolgreichsten Unternehmen der Welt, kabellose Kopfhörer sind längst zum Standard geworden. Doch in den vergangenen Monaten tauchen plötzlich vermehrt wieder Strippen auf: Die Kabelkopfhörer sind zurück.
Kabelkopfhörer sind Modetrend
Ob auf der Straße, in der U-Bahn oder im Videocall: Immer öfter baumelt wieder ein Kabel aus dem Ohr. Und auch die Promis machen mit. Zendaya, Bella Hadid, Drake, Justin Bieber und sogar Cristiano Ronaldo wurden dieses Jahr schon mit Kabelkopfhörern gesichtet.
Das hat zum einen mit Fashiontrends zu tun. Während der Neunziger-Trend langsam ausläuft, fängt das Comeback der Nullerjahre gerade erst so richtig an. Eines haben aber beide Perioden gemeinsam: Kopfhörer hingen damals durch die Bank weg am Kabel. Ganz egal ob, nun ein Discman oder ein iPod daran hing. Wer den authentischen Retrolook will, braucht also nicht nur die passenden Klamotten – sondern auch das Kabel ins Ohr.
...aber nicht nur das
Allerdings gibt es auch abseits der Mode gute Gründe, auf Kabel statt auf Bluetooth zu setzen. So praktisch und verlässlich moderne Bluetoothverbindungen sind, haben sie gegenüber Kabeln doch immer noch einige technische Nachteile.
Den offensichtlichsten kennt jeder: Kabellose Kopfhörer brauchen einen Akku – und der ist häufiger leer, als einem lieb ist. Die kabelgebundene Variante dagegen funtioniert jedes Mal, wenn man sie aus der Tasche zieht. Aber auch die Übertragung selbst ist besser. Bluetooth ist in seiner Bandbreite eingeschränkt. Alles, was die Übertragungskapazität überschreitet, verschwindet einfach. Das ist vor allem bei günstigen Modellen ein Problem. Auch die Qualität des Mikrofons ist in der Regel schlechter und es kann zu Verzögerungen kommen. Vor allem in Videoanrufen, in Games und beim Anschauen von Filmen oder Serien ist ein verzögerter Ton schnell nervig.
Ein weiterer Vorteil der kabelgebundenen Kopfhörer: Sie sind in der Regel günstiger. Weil kabellose Kopfhörer technisch deutlich komplizierter sind, bieten schon günstige Kabelkopfhörer einen überraschend guten Klang. Und auch im sehr teuren Highend-Bereich setzen die Hersteller wieder auf Kabel. Hier allerdings, weil so wirklich verlustfreier Musikgenuss möglich wird.
Kabellos gibt es schon lange
Der älteste kabellose Kopfhörer ist übrigens deutlich älter, als Sie vermutlich vermuten würden: Schon in den Sechzigerjahren gab es erste Modelle, die ohne Strippe auskamen. Auf Bluetooth setzten die natürlich nicht – der Klang wurde mit Radiowellen übertragen. Die ersten Bluetoothkopfhörer erschienen allerdings auch schon im Jahr 2004. Der Klang war jedoch so schlecht, dass sie höchstens für Telefonate taugten.
