Steam: Plattform nimmt Geschenkkarten aus dem Handel
Steam zieht wegen Betrugsfällen seine Geschenkkarten aus dem Handel. User sollten die wichtigsten Warnsignale kennen.
Wohl jeder kennt sie, die Guthaben- beziehungsweise Geschenkkarten, die häufig im Supermarkt oder in Elektronikmärkten in der Nähe der Kasse hängen und etwa auch in Tankstellen oder im Kiosk zu finden sind. Für die beliebte PC-Gaming-Plattform Steam gibt es im Einzelhandel solche Karten ebenfalls. Doch die Steam-Karten sollen aus den Regalen und von Ständern verschwinden.
Valve, das Unternehmen hinter der Spieleplattform, lässt die physischen Geschenkkarten im stationären Handel auslaufen. Vorhandene Bestände werden den Angaben nach noch abverkauft, neue Karten aber nicht mehr an Händler ausgeliefert. Valve erwartet, dass bis Ende 2026 die hauseigenen Karten weitgehend verschwunden sein dürften.
Auf den Karten ist ein Code abgedruckt, mit dem man ein Konto mit einem Guthaben im entsprechenden Gegenwert des Kaufpreises aufladen kann, um sich damit dann digital Videospiele zu kaufen. Wer bereits eine solche Steam-Geschenkkarte besitzt oder noch im Laden kauft, muss sich demnach keine Sorgen machen: Das gekaufte Guthaben lässt sich laut Valve weiterhin einlösen. Auch digitale Steam-Geschenkkarten bleiben demzufolge im Angebot. Die Abschaffung betrifft rein die Variante aus dem Laden.
Nicht Technik, sondern Betrug
Hinter dem Schritt steckt kein technisches Problem, sondern eine seit Jahren bekannte Betrugswelle. Steam-Guthabenkarten eignen sich für Kriminelle deshalb so gut, weil sie schnell gekauft und problemlos weitergereicht werden können. Außerdem kann es bei derartigen Karten schwierig sein, ein verlorenes Guthaben zurückzubekommen.
Dies gilt für viele solcher Geschenkkarten aus dem Einzelhandel, häufig wird von Betrügern etwa auch nach Geschenkkarten von Apple oder für Google Play gefragt. Das Prinzip ist denkbar schlicht: Opfer werden unter Druck gesetzt, eine Karte zu erwerben und den aufgedruckten Code preiszugeben. Ist der Code erst eingelöst, ist das Geld meist verloren.
Valve verweist darauf, den Missbrauch bereits auf mehreren Wegen bekämpft zu haben. Man arbeite etwa mit Einzelhändlern und Strafverfolgungsbehörden zusammen, weise auf mögliche Betrugsversuche hin oder nehme Karten aus dem Verkauf, sobald „ungewöhnliche Aktivitäten“ festgestellt werden. Gereicht hat das offenkundig nicht. Die Täter hätten sich den Bemühungen schlicht angepasst. „Sie haben weiterhin Auswirkungen auf Steam-Kunden und andere gutgläubige Menschen. Deshalb haben wir die schwierige Entscheidung getroffen, Steam-Geschenkkarten aus dem Einzelhandel zu entfernen“, teilt das Unternehmen mit.
Darauf sollten Verbraucher achten
Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC, andere Unternehmen wie Google oder Apple und auch die deutsche Polizei warnen vor genau dieser Form des Betrugs. Die Faustregel der FTC: Wer beispielsweise Steuern oder Strafen begleichen, angeblich einem Familienmitglied oder Freund in einer Notlage helfen oder ein vermeintlich dringendes Problem zügig und ausgerechnet per Geschenkkarte lösen soll, hat es fast immer mit Betrügern zu tun.
Bei einer der verbreitetsten Varianten der Masche melden sich Täter per Telefon, Mail, Messenger, über soziale Netzwerke oder auf vergleichbaren Wegen. Sie geben sich als Support, Behörde, Polizei, Techniker, Freund und sonstige Stellen oder Vertrauenspersonen aus. Die Betrüger behaupten, es liege ein dringender Fall vor: ein gesperrtes Konto, offene Schulden, eine fällige Zahlung... Die vermeintliche Lösung ist, dass das Opfer Guthabenkarten kauft, den Code freilegt und an den Betrüger weitergibt.
Daneben kursieren weitere Varianten. Vermeintlich romantische Online-Bekanntschaften fragen etwa über Dating-Apps nach Guthabencodes. Angeblich habe man einen Preis gewonnen, zuvor müsse aber eine Gebühr entrichtet werden, ist ein weiterer Dreh. Genau daran lässt sich die Masche schnell erkennen. Kein seriöses Unternehmen und vor allem keine Behörde verlangt eine Zahlung mit solchem Guthaben. Auch bei flüchtigen Online-Kontakten sollte man entsprechend schnell hellhörig werden. Ein deutliches Alarmzeichen ist in vielen Fällen Zeitdruck. Wer zu hören bekommt, ein Konto werde schon sehr bald gesperrt, ein Angebot gelte nur wenige Minuten oder ein Problem müsse heimlich gelöst werden, sollte misstrauisch werden.
Konsumentinnen und Konsumenten sollten auch mit Abschaffung der Steam-Geschenkkarten im Einzelhandel wachsam bleiben. Das Betrugsproblem ist damit nicht aus der Welt geschafft. Es ist gut möglich, dass Kriminelle, die sich bislang auf die Karten der Plattform konzentriert haben, dieselbe Masche weiterhin durchziehen, nur eben mit Guthabenkarten von anderen Anbietern.
