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"AIDS – In Zeiten der Liebe (1)": Sehnsucht nach einem freieren Leben

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In freimütigen Erinnerungen, privaten Archivaufnahmen und sensiblen Reenactment-Szenen erinnert der Dreiteiler "AIDS – In Zeiten der Liebe" an das Schicksal zweier Ostberliner Künstler und ihres Freundes, der lange nach den beiden ersten starb.

Es sind traurige Geschichten aus der Zeit der grassierenden Aids-Seuche in den 80er-Jahren, die in diesem Dreiteiler von Freunden und Hinterbliebenen erzählt werden. Dabei wird in Rückblenden auch noch die Mauer-Hürde zwischen Ost und West genommen. Das ZDF zeigt "AIDS – In Zeiten der Liebe" fortan wöchentlich auf dem "Aspekte"-Platz am Freitagabend.

Als der Ausbruch der Tod bringenden Krankheit um 1980 und danach in Westdeutschland längst bekannt war, wurde sie im Osten verschwiegen. Regisseur Johannes Nichelmann zeichnet mithilfe zurückhaltend geführter Interviews, von Privatfotografien und Videos, aber auch mit sensibel gefilmten Reenactment-Szenen das kurze Leben der Ostberliner Künstlerfreunde Heiko Zolchow und Dirk Nawrocki nach. Obgleich Heiko verheiratet und Familienvater war, leugneten beide nicht, homosexuell zu sein. Ihre Lebensform war nebenbei auch ein Protest gegen die Stasi und die Obrigkeit in der DDR. Engste Freunde erzählen von früheren Begegnungen – auch von Bernd, dem Dritten im Bunde, der mit ihnen später in den Westen ging. Er wechselte vom Arztberuf, bei dem er im Krankenhaus dem sterbenden Heiko begegnete, zum erfolgreichen Schauspielagenten, überlebte aber die psychischen Anspannungen nicht.

Warnung vor der Infektion in ärmeren Ländern

Heiko und Dirk, Bühnenmaler der eine, Schauspieler der andere, lebten in Ostberlin sehr frei in ihrer Wohnung, in den nächtlich geöffneten Kneipen, aber auch in ihrer Kunst ein unbekümmertes Leben, das jeden politischen Mief von sich wies. Irgendwann ging es dann nicht mehr. Sie schrieben einen Brief an Erich Honecker, in dem sie um ihre Freigabe in den Westen baten. Für Heiko, der seine Töchter hinter der Mauer zurücklassen musste, eine harte Entscheidung.

Heikos ehemalige Frau Sabine erzählt das in ihrem Berliner Jargon so direkt, dass es berührt, ohne sentimental zu wirken. Sie ist so etwas wie der Klebstoff in diesem tieftraurigen, jedoch immer wieder von Humor durchsetzten Film. Aber auch andere, wie der Bühnenbildner Karl-Hermann Reith, der Schauspieler Bernd Stegemann und die Regisseure Jean-Claude Kuner und Frank Castorf berichten sehr geradlinig vom Versuch, zunächst im Osten, später im Westen ein gemeinsames freies Leben zu führen. Castorf schwärmt von der frühen Zeit in Ostberlin: "Man klingelte, die Tür ging auf und zehn nackte Jungs verbreiteten Frohsinn." Zolchows Gemälde, die im Film zu sehen sind, wirken übrigens stark, wahrlich eine Alternative zum sozialistischen Realismus der DDR.

Immer herrscht im Film das innere Lebensgefühl der späteren Aids-Opfer vor, nie die Tod bringende Krankheit selbst. Sie tritt dann umso unerbittlicher ein, auch wenn niemand an sie glauben mag. Im Westen brachte sie, wie TV-Auschnitte zeigen, Rita Süssmuth als Gesundheitsministerin zur Sprache, im Osten machte man heimlich einen Katastrophenplan, bis es anders nicht mehr ging und man sich der letztlich erfolgreichen internationalen Forschung anscließen musste.

Zu spät für die drei Porträtierten. Aber der Film hält ihre Erinnerung liebevoll wach. Und, ja eine Warnung vor der in ärmeren Ländern Afrikas noch immer grassierenden Infektionskrankheit ist er auch. "Seit Mitte der 1990er-Jahre existieren wirksame Therapien, heute ist HIV gut behandelbar und bedeutet längst kein Todesurteil mehr", sagt der 1989 geborene Regisseur Johannes Nichelmann in einem Begleitinterview. Doch er weiß auch, dass die internationale Solidarität im Kampf gegen Aids aus Kostengründen gerade unter Druck gerät. "Studien warnen davor, dass die Kürzungen der internationalen HIV-Budgets bis 2030 zu Millionen zusätzlicher Infektionen und Todesfälle führen könnten. Da spielt auch Deutschland eine Rolle."

AIDS – In Zeiten der Liebe (1) – Fr. 22.05. – ZDF: 23.30 Uhr






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