Neue Studie: Macht Social Media dumm? Vielnutzer sind schlechtere Schüler
Auch in Deutschland wird über ein Social-Media-Verbot für Kinder diskutiert. Eine neue Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft liefert Befürwortern nun Munition.
Die Leistungen von Schülerinnen und Schülern in Deutschland geben Anlass zur Sorge: So nehmen die Kompetenzen beim Lesen, in Mathematik und in den Naturwissenschaften seit Jahren ab. Ein Problem für eine Gesellschaft, die auf Erfindergeist angewiesen ist, und darauf, altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt ausscheidende Personen qualifiziert nachbesetzen zu können.
Häufig für den Kompetenzrückgang in den Schulen angeführt wird unter anderem, dass sich heute mehr Schülerinnen und Schüler in den Klassenzimmern finden, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Auch die Coronapandemie hatte ihren Einfluss.
Doch auch weitere Faktoren scheinen wichtig: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW) zeigen nun, dass auch die Zeit, die Schülerinnen und Schüler auf Social Media verbringen, einen Einfluss haben dürfte. Die Ergebnisse bei den Pisa-Tests, alle drei Jahre von der OECD durchgeführt, würden „signifikant negativ“ beeinflusst, „je höher die Zeit ist, die die Jugendlichen am Tag mit digitalen Medien wie Videospielen oder sozialen Netzwerken verbringen“, heißt es in dem für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellten Gutachten, das dem stern vorab vorlag.
Social Media: Jugendliche sind fast vier Stunden pro Tag am Smartphone
Entsprechend weniger Zeit stehe dann für andere Aktivitäten wie Schulaufgaben, Lesen oder Sport zur Verfügung. So könne eine „umfangreiche tägliche Nutzung von digitalen Medien die Lernzeit so sehr reduzieren, dass die Kompetenzen und Lernergebnisse entsprechend schlechter“ ausfielen. Dies hat die Studie auf Basis der Pisa-Daten aus dem Jahr 2022 berechnet.
Dabei weisen die Autoren darauf hin, dass sich unterschiedliche Faktoren positiv auf die Schulleistungen auswirken, etwa ein hoher beruflicher Status der Eltern, die Anzahl der verfügbaren Bücher im Haushalt oder wenn zu Hause Deutsch gesprochen wird. Doch auch wenn diese Faktoren berücksichtigt werden, zeige sich der negative Einfluss der auf Social Media verbrachten Zeit.
Im Jahr 2025 verbrachten die 12- bis 19-Jährigen durchschnittlich fast vier Stunden am Smartphone, so die JIM-Studie, eine repräsentative Untersuchung zum Medienverhalten von Jugendlichen. Eine Befragung der Vodafone-Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass eine große Mehrheit (73 Prozent) der Jugendlichen mehr Zeit mit den sozialen Medien verbringt, als ihnen lieb ist. 56 Prozent von ihnen würden gerne weniger soziale Medien nutzen, schafften dies aber nicht.
Gerade erst sorgte eine Klägerin in den USA für Aufmerksamkeit: Sie warf dem Facebook-Konzern Meta und der Videoplattform YouTube vor, sie hätten ihre Dienste absichtlich so gestaltet, dass Nutzer süchtig werden, etwa durch die Funktion, mit der man immer weiter zum nächsten Beitrag geleitet wird. Die Geschworenen in Los Angeles gaben ihr recht – und sprachen ihr einen Millionenbetrag zu.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen war Australien das erste Land, das im Dezember 2025 ein Social-Media-Verbot für alle unter 16 Jahren eingeführt hat. Auch Frankreich will ein Verbot für Kinder unter 15 Jahren einführen – um deren psychische Gesundheit zu schützen. Österreich hat ebenfalls ein Verbot angekündigt.
So weit ist Deutschland nicht, jedenfalls noch nicht: Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hat die Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ eingesetzt, deren Empfehlungen bis zum Sommer vorliegen sollen. Die CDU hat sich auf ihrem vergangenen Parteitag bereits für ein Mindestalter von 14 Jahren ausgesprochen. INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben warnt vor dem Hintergrund der Ergebnisse des IW: „Der massive Anstieg des Social-Media-Konsums ist kein harmloser Zeitvertreib mehr, sondern eine handfeste Gefahr für den Bildungserfolg und die mentale Gesundheit unserer Kinder.“ Auch von der SPD gibt es ein Positionspapier, das sich für Altersgrenzen ausspricht. CSU-Chef Markus Söder allerdings hat eine solche Maßnahme bereits als „totalen Quatsch“ abgelehnt.
