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Valentin Falin: Der letzte „Marschall der sowjetischen Diplomatie“

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Valentin Falin im Jahr 2016 (Foto: Wladimir Trefilow/RIA Novosti)

Von persönlicher Tragödie zur historischen Mission

Valentin Falin wurde in Leningrad geboren. Den Ausbruch des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion erlebte der 15-Jährige als Kadett der Artillerieschule in Rjasan. Ein Jahr später siedelte er nach Moskau über, wo er seine Arbeit als Schlosser im Werk „Roter Prolet“ aufnahm und damit in der Rüstungsindustrie tätig wurde. Den Höhepunkt seiner Laufbahn – und zugleich den Ausdruck gesellschaftlicher Anerkennung – bildete die Ernennung zum Sekretär für Internationale Angelegenheiten des Zentralkomitees der KPdSU, was in der sowjetischen Nomenklatur jener Zeit der Position eines ersten stellvertretenden Außenministers entsprach.

Im Krieg gegen Deutschland verloren seine eigene Familie und die Familie seiner Frau insgesamt 27 Verwandte. Das hereingebrochene Unglück bewog ihn, statt sich der Verbitterung und der Rache hinzugeben, sich ernsthaft mit der „deutschen Frage“ in ihren vielfältigen Erscheinungsformen zu befassen. „Ich wollte nicht glauben, dass die teuflische Besessenheit des Nationalsozialismus die Deutschen innerhalb weniger Jahre zu einem alles verzehrenden Durst nach Weltherrschaft führte“, erinnerte sich Falin in seinen Memoiren.

Architekt der Entspannung: Botschafter und Vertrauter

Auf allen Stationen seines Lebens war Falin als außenpolitischer Experte höchster Kategorie gefragt; er fungierte als Redenschreiber und Verfasser analytischer Informationsnotizen für Außenminister Andrei Gromyko sowie die Generalsekretäre der Kommunistischen Partei Leonid Breschnew, Konstantin Tschernenko, Juri Andropow und zuletzt Michail Gorbatschow. In seinen Analysen setzte er sich tiefgehend mit einer möglichen Lösung der sogenannten deutschen Frage – der deutschen Wiedervereinigung – auseinander.

Bei der Arbeit im sowjetischen Außenministerium studierte er unter anderem die Möglichkeit eines Abschlusses eines Abkommens über West-Berlin. Auf der Tagung der Staats- und Regierungschefs der Warschauer-Pakt-Staaten am 3. und 4. Dezember 1969 in Moskau wirkte er als Hauptautor einer analytischen Notiz über den politischen Wandel in der Bundesrepublik und dessen Auswirkungen auf die mittel- und osteuropäischen Staaten sowie auf die Konfrontation zwischen Ost und West in Europa. Am 13. August 1970 dankte Andrei Gromyko Falin persönlich für die Organisation seiner Arbeit am Moskauer Vertrag und bewertete seine Informationen als „intelligent und zeitnah“.

Valentin Falin während des Austauschs mit dem Bundeskanzler Helmut Schmidt (Foto: Aus dem Archiv von Valentin Falin. Das Foto wurde von seiner Ehefrau Nina zur Verfügung gestellt)

Der Zeitraum von 1971 bis 1978 spiegelt den Beitrag Valentin Falins zur Förderung der sowjetisch-westdeutschen Beziehungen als sowjetischer Botschafter in Bonn wider. In diesen Jahren verhandelte er mit dem Auswärtigen Amt erfolgreich über die Einrichtung von Generalkonsulaten in Hamburg und Leningrad, erarbeitete ein bilaterales Handelsabkommen und warb noch vor der Unterzeichnung des Moskauer Vertrags im Bundestag für dessen Ratifizierung. Dabei bekam er Gegenwind, und zwar von Erich Honecker, der an der Linie der Abgrenzung von der Bundesrepublik und der Untergrabung der neuen Ostpolitik Willy Brandts festhielt. „Honeckers Linie ist mir nicht klar. An jeder Ecke redet er von Abgrenzung. Denken kann Honecker, was er will, aber warum sollte man die Stimmung gegen Verträge schüren? Das ist für mich ein Rätsel“, schrieb Falin.

An dieser Stelle soll der Mythos von den Konflikten Falins mit den DDR-Politikern entlarvt werden: Dies betraf ausschließlich die Meinungsverschiedenheiten mit Erich Honecker. Er pflegte gute, partnerschaftliche Beziehungen zu Walter Ulbricht, Hans Modrow, Bruno Mahlow und anderen.

Im Jahre 1973 bereitete Falin den Staatsbesuch Leonid Breschnews in der Bundesrepublik vor. Die 1970er-Jahre hatten bewiesen, dass Konfrontation kein Schicksal, sondern eine Wahl ist, erinnerte sich Falin. Konkrete Politiker hatten eine Entspannung der Beziehungen herbeigeführt – und sie später selbst zerstört.

Sieben Wege zur Einheit: Falins Konzepte für Deutschland

Es muss betont werden, dass Valentin Falin die Notwendigkeit der Wiedervereinigung der deutschen Nation stets unterstützte. Die Spaltung Deutschlands infolge des Zweiten Weltkriegs fasste er als Tragödie für das deutsche Volk auf. Vereinigung ja, aber keine Übernahme des einen durch den anderen, geschweige denn ein Anschluss – dies war Falins Linie.

Der sozialökonomische Status eines künftigen vereinten Deutschlands sollte laut Falin von den Deutschen selbst bestimmt werden. In seiner Notiz vom 18. April 1990 an Michail Gorbatschow schrieb er: „Da es in erster Linie darum geht, die Verpflichtungen Deutschlands gegenüber der internationalen Gemeinschaft, also die äußeren Aspekte der deutschen Vereinigung, zu definieren, ist es logisch, dass das Thema einer Friedensregelung Gegenstand der ,2-plus-4‘-Verhandlungen wird. So könnte dem Dokument der Grundsatz der Ablehnung von Gewalt als Mittel der nationalen Politik zugrunde gelegt werden. Ergänzt würde dies durch die Verpflichtung, dass deutsches Territorium nicht von dritten Ländern oder Ländergruppen zur Durchführung einer Gewaltpolitik gegenüber anderen in Europa oder außerhalb Europas genutzt werden darf. Die bestehenden Verpflichtungen der BRD und der DDR, auf die Produktion und den Besitz von Massenvernichtungswaffen (nuklearer, biologischer und chemischer Art) zu verzichten, sollten in voller Form übernommen werden.“

Hinsichtlich der sowjetischen Truppen schlug Falin vor, dass diese so lange auf dem Gebiet der DDR stationiert bleiben sollten, wie die UdSSR es für notwendig erachtete, solange ausländische Streitkräfte auf dem Territorium der BRD stationiert waren und keine gesamteuropäische Sicherheitsstruktur entstand.

Es muss erwähnt werden, dass die von Falin geleitete Internationale Abteilung des Zentralkomitees der KPdSU insgesamt sieben Varianten der deutschen Wiedervereinigung erarbeitet hatte – und zwar mit geopolitischen Folgen, die der Sicherheit der UdSSR und der Länder des Warschauer Pakts am wenigsten schadeten. Darunter: die Bildung einer Konföderation nach schweizerischem Vorbild, der Austritt beider deutscher Staaten aus Wirtschaftsvereinigungen und Militärblöcken oder nur aus Militärblöcken, das Verbleiben der BRD innerhalb der NATO, jedoch nicht in deren Militärstruktur – nach französischem Vorbild – u. a. Sie alle wurden dem Generalsekretär und Präsidenten der UdSSR, Michail Gorbatschow, von Valentin Falin vorgelegt. Dieser machte jedoch keinen Gebrauch von ihnen.

Verrat in Archys: Die verpassten Chancen

Gorbatschows Assistenten hatten Falin nie in Details eingeweiht, was in Bezug auf die deutsche Vereinigung geplant wurde. In seinem Buch „Konflikte im Kreml“ bemerkte er mit aller Bitterkeit: „Ich würde kein Papier verschmieren, hätte ich auch nur einen Moment lang in die Küche schauen können, wo Michail Gorbatschow glaubte, die Probleme des Staates allein lösen zu können.“

„Sie hatten das Gefühl, alles zu übergeben, was sie abgeben konnten, wenn es dafür eine minimale Entschädigung gab“, erinnerte sich Falin. Bei den Verhandlungen mit Helmut Kohl in der kaukasischen Stadt Archys wussten Gorba­tschow und Kohl bereits im Voraus, dass der sowjetische Präsident dem Verbleib beider deutscher Staaten in der NATO zustimmen würde. Seit Gorbatschow am 15. März 1990 zum Präsidenten der UdSSR gewählt worden war, war er berechtigt, die Probleme des Staates allein zu lösen. Weder das sowjetische Parlament noch die Regierung wurden im Voraus über die Absichten des sowjetischen Führers in Archys informiert. Über die vierseitige Verantwortung wurde mit den Verbündeten im Warschauer Pakt nicht beraten, die drei Westmächte wurden ignoriert, erinnerte sich Falin in seinen Memoiren. In Archys entschied man sich für einen Partnerstaat namens DDR, ohne sich auch nur darum zu kümmern, ihn einzuladen oder zu fragen.

Als Falin im Rundfunk von den Ergebnissen der Verhandlungen mit Helmut Kohl hörte, bereitete er seinen Rücktrittsantrag vor. Er beabsichtigte, im Obersten Sowjet aufzutreten, um die Abgeordneten aufzurütteln. Dafür würden ihm fünf Minuten reichen. „Ich habe mich jedoch enthalten. Man hätte arrangieren können, dass der Oberste Sowjet das Werk von Gorbatschow und Schewardnadse ablehnen würde, aber was dann? Der Zug war bereits abgefahren“, erinnerte sich Falin. Diese Haltung wurde ihm von seinen Kritikern als Feigheit angekreidet. „Du übernimmst zu viel Verantwortung, Valentin! Pass auf, dass du keinen Fehler machst“, warnte ihn Gorbatschow.

Nach den Erinnerungen Valentin Falins war die Bundesregierung in den 1960er-Jahren bereit, 124 Milliarden DM als Entschädigung für die östlichen Gebiete zu leisten; später wurden der UdSSR 100 Milliarden DM für den neutralen Status der DDR angeboten. Die DDR wurde demgegenüber zum „Preis eines belegten Brötchens“ (so Helmut Kohl) – anders gesagt: „für einen Apfel und ein Ei“ – verkauft: für 12 Milliarden DM zuzüglich drei Milliarden DM als Kredit.

Ein Leben für die deutsche Frage: Vermächtnis und Tod

Viele russische Historiker bezeichnen die Vereinbarungen von Archys als großes Versagen der sowjetischen Diplomatie. 1992 verließ Valentin Falin Russland, nachdem er keinen Zugang mehr zu den Staatsarchiven hatte und die wissenschaftliche Arbeit nicht fortführen konnte. Er war als Professor am Institut für Friedensforschung von Egon Bahr in Hamburg tätig, kehrte 2000 in die Heimat zurück und unterrichtete an der MGIMO-Universität.

Der letzte „Marschall der sowjetischen Diplomatie“, wie man ihn später nannte, verstarb am 22. Februar 2018 und fand auf dem Trojekurowo-Friedhof in Moskau seine letzte Ruhe. Auf meine Bitte hin wurde die deutsche Botschaft in Moskau über das Ableben des Diplomaten informiert. Bei der Beerdigungszeremonie warf die Gesandtin Beate Grzeski, ehemalige DDR-Ministerin, eine Handvoll Erde auf das Grab jenes Mannes, der zeitlebens das Schicksal der deutschen Nation als sein persönliches Anliegen betrachtete.

Anatoli Blinov

Запись Valentin Falin: Der letzte „Marschall der sowjetischen Diplomatie“ впервые появилась Moskauer Deutsche Zeitung.






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