Karfreitagspredigt: Bischof sieht illiberale Demokratien auf dem Vormarsch
In seiner Karfreitagspredigt auf einer Ruhrgebietshalde wird Bischof Overbeck dieses Jahr politisch. Er sieht liberale Demokratien in der Minderheit und durch Geschichtsvergessenheit bedroht.
Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck sieht einen beunruhigenden Trend zur illiberalen Demokratie. Er stamme noch aus eine Zeit, in der Demokratie, Gewaltenteilung und Menschenrechte fast etwas Selbstverständliches gewesen seien, sagte der Essener Bischof nach vorab verbreitetem Redetext in einem Gottesdienst auf der Halde Haniel in Bottrop. "Diese Ordnung ist zerbrochen." Stattdessen spüre man die Kälte der Waffen und sehe das Feuer von Kriegen, "das sich immer mehr in die Herzen der Menschen hineinfrisst".
Liberale Demokratien seien mittlerweile weltweit in der Minderheit. Sogar bei der Europäischen Union könne man nicht mehr selbstverständlich davon ausgehen, dass es eine Gemeinschaft demokratischer Rechtsstaaten sei. "Die Neigungen zu autokratischen Zügen nehmen zu, weil einige ihrer Mitgliedsstaaten lieber illiberale Demokratien sein wollen als Wächter individueller Freiheitsrechte und Verteidiger regelbasierter politischer Entscheidungen auf allen Ebenen", sagte Overbeck.
Christen sollen sich für die Demokratie engagieren
Gefragt seien jetzt Widerstands- und Erneuerungsfähigkeiten, um die Stärke des Rechts vor dem Recht des Stärkeren zu verteidigen. Gerade Christen seien aufgerufen, sich unbedingt für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Menschenwürde zu engagieren.
