"Marie Brand und die lange Nase": Bei Mord hört die Kunstfreiheit auf
Der nun wiederholte 35. Film der ZDF-Krimireihe führt die Kölner Ermittler Marie Brand und Jürgen Simmel nach dem Mord an einem Museumsdirektor tief in das Thema NS-Raubkunst hinein. In einer Nebenrolle ist Theaterstar Catrin Striebeck als schrille Galeristin zu sehen.
Auch nach über 17 Jahren bleibt der ZDF-Dauerbrenner "Marie Brand" ein verlässlicher Quotengarant. Und sogar Rekorde stellt er noch auf. So geschehen beim 34. Film "Marie Brand und die verfolgte Braut". Er war im April 2024 mit 7,56 Millionen zwar nicht die zuschauerstärkste Folge – dieser Rekord liegt bei "Marie Brand und der überwundene Tod" (2022) mit 9,03 Millionen -, wohl aber die mit dem bis dahin höchsten Marktanteil im Gesamtpublikum: 30,6 Prozent. Den Tagessieg im Quotenrennen gab es noch obendrauf. Der nachfolgende 35. Fall "Marie Brand und die lange Nase" (Regie: Michael Zens, Buch: Katja Röder) kam später im Jahr immerhin auf ebenfalls respektable 6.34 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer. Das ZDF wiederholt den Film nun am Mittwoch zur besten Sendezeit.
Das Thema ist durchaus interessant: Es geht um NS-Raubkunst – und um einen Mord. Das Opfer ist der Museumsdirektor Markus Krull. Eine Überwachungskamera hat den Mord im Haus der Kunst sogar aufgenommen, nur kann man den Täter auf den Aufnahmen nicht richtig erkennen. Also müssen Brand und Simmel es einmal mehr mit klassischer Ermittlungsarbeit versuchen.
Immer der Nase nach
Alles scheint sich um ein bestimmtes Kunstwerk des berühmten Schweizer Bildhauers Alberto Giacometti (1901 – 1966) zu drehen: eine Skulptur mit auffällig langer Nase. "Wie Pinocchio", kichert Simmel mit kindlicher Freude. Ja, deswegen heiße das Werk auch so, erklärt ihm Daniel Sachs (Martin Bruchmann). "Hä? Aber der Film kam doch erst in den Siebzigern raus", ist der Kommissar sichtlich verwirrt. Man muss sich in diesem Fall gleich mehrmals fragen, wie Simmel es beruflich so weit bringen konnte, so grenzdebil verhält sich der Polizist bisweilen. Zum Glück haben die Macher das in den folgenden "Marie Brand"-Filmen etwas heruntergeschraubt, wie soll man den Mann sonst auch noch halbwegs ernst nehmen?
Besagter Daniel Sachs jedenfalls ist gerade aus New York angereist. Laut einem anonymen Schreiben sei die Skulptur mit der Nase, die seinem jüdischen Großvater von den Nazis geraubt wurde, lange verschollen gewesen und nun wieder aufgetaucht – in Krulls Museum. Doch auch hier bleibt sie verschwunden. Das kleine Kunstwerk scheint das Motiv für den Mord an dem Museumsdirektor gewesen zu sein, da sind sie Brand und Simmel bald sicher. Doch wo ist es, und wer ist hinter ihm her?
Der wohlhabende Kunstsammler Dieter Rosskopf (Andreas Schröders) womöglich. Der hatte nicht nur enge geschäftliche Verbindungen zum Ermordeten, es ist auch auf einem kürzlich aufgezeichneten Video zu sehen, wie er Krull angreift. Weniger verdächtig geht kaum. Und dann ist da noch die exzentrische Cousine Rosskopfs, die Galeristin Emilia Rosskopf-Röhler (fast schon parodistisch schrill: Catrin Striebeck), die mit "Cousin Kackei" nicht nur eine lange Konkurrenzfeindschaft verbindet, sondern auch die große Kunstsammlung ihres Nazi-Onkels, die zu großen Teilen aus Raubkunst besteht. Als wäre das nicht schon genug, steht plötzlich auch noch der dringende Verdacht der Kunstfälschung im Raum, und es geschieht ein weiterer Mord ...
Verlässlichkeit in Serie
Die 35. "Marie Brand"-Folge ist im Großen und Ganzen konventionelle Krimikost. Vielleicht ist es, neben dem eingespielten, sympathischen Ermittlerteam, ja genau diese Verlässlichkeit, welche die Reihe so beliebt macht. Sie hat noch nicht einmal einen festen Sendeplatz, doch die Fans finden ihre "Marie Brand" immer, egal an welchem Tag sie läuft, ob es eine Premiere ist oder, wie im Juni 2024, eine Wiederholung parallel zu einer hochkarätigen EM-Partie. Und: Die Quoten sind immer gut.
Dass Hauptdarstellerin Mariele Millowitsch im vergangenen November 70 wurde, kann man kaum glauben. Dass ihr spitzbübischer Spielpartner Hinnerk Schönemann mittlerweile 51 ist, das dann schon eher. In ihren Rollen frotzeln die beiden ja schon länger regelmäßig über das Älterwerden, und in der Tat: Ganz so schnell flitzt Simmel Flüchtigen tatsächlich nicht mehr hinterher wie mit Mitte 30, und Brand bemüht sich im Fall um die lange Nase schon gar nicht mehr, ihm zuvor aus seiner Anzugjacke zu helfen.
Der letzte neue Film der Reihe, "Marie Brand und die verlorenen Kinder", war im Januar zu sehen und verwies mit 6.73 Millionen Zuschauern die Konkurrenz an diesem Tag auf die hinteren Plätze. Ein weiterer Fall ist bereits abgedreht und wird voraussichtlich im Laufe des Jahres im ZDF ausgestrahlt.
"Marie Brand und die lange Nase" – Mi. 25.03. – ZDF: 20.15 Uhr
