Justiz: Klagen gegen Fluglinien: NRW-Gericht führt Rangliste an
Ausgefallene oder verspätete Flüge sorgen für Ärger – viele Verbraucher ziehen deshalb vor Gericht. Die Zahl der Verfahren war 2025 niedriger als im Vorjahr.
Die Zahl der eingegangenen Entschädigungsklagen gegen Fluglinien und Reiseveranstalter am Amtsgericht Köln ist zuletzt zwar deutlich gesunken - dennoch liegt die Behörde bundesweit noch immer an der Spitze. Nach Angaben des Deutschen Richterbundes forderten 22.491 Verbraucher im vergangenen Jahr in Köln Entschädigungen für ausgefallene oder verspätete Flüge. 2024 hatte die Zahl der Fälle noch bei knapp 41.300 gelegen.
Laut Richterbund ist der starke Rückgang darauf zurückzuführen, dass die Lufthansa verstärkt außergerichtliche Einigungen mit den beteiligten Dienstleistern angestrebt habe, um Klagen abzuwenden. Seit Jahresbeginn zeichnet sich nach Verbandsangaben am Gericht allerdings wieder eine Trendwende und eine Zunahme der Verfahren ab.
Die Zahl der Klagen war in den Jahren 2023 und 2024 sowohl in Köln als auch bundesweit stark gestiegen. Ein Grund dürfte sein, dass nach der Corona-Pandemie wieder mehr Menschen geflogen sind. Dass das Aufkommen in der Domstadt vergleichsweise hoch ist, liegt auch daran, dass neben dem Flughafen Köln-Bonn auch die Lufthansa - Europas größter Luftverkehrskonzern - ihren juristischen Firmensitz dort hat.
Düsseldorf auf Platz vier
Die Amtsgerichte an den 19 größten Flughäfen in Deutschland registrierten 2025 insgesamt mehr als 121.100 neue Verfahren. Das ergab eine Befragung der "Deutschen Richterzeitung". 2024 waren an den 20 größten Flughäfen, damals noch inklusive des Berliner Flughafens Tegel, fast 130.900 ermittelt worden.
Neben Köln lag im vergangenen Jahr mit Düsseldorf auf Platz vier ein weiterer NRW-Flughafen bundesweit in den Top 10. In der Landeshauptstadt gingen knapp 12.400 Klagen ein - rund 1.400 mehr als 2024. Beim Amtsgericht Dortmund war die Zahl mit gut 1.900 zuletzt etwas niedriger als im Jahr zuvor, in Steinfurt für den Flughafen Münster/Osnabrück mit 1.350 etwas höher.
"Die zuständigen Amtsgerichte kommen mit der Erledigung der Klageflut kaum noch hinterher", sagte der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbundes, Sven Rebehn. Durch Künstliche Intelligenz gestützte Richterassistenzsysteme sollen künftig schnellere Bearbeitungen ermöglichen und die Gerichte entlasten. Die Einführung lässt laut Rebehn aber auf sich warten.
