Der Iran-Krieg treibt Energiepreise und Inflation – während der US-Arbeitsmarkt erste Schwächesignale sendet. Für die Fed wird jede Zinsentscheidung plötzlich zum Risiko. Der Krieg im Nahen Osten droht, die Inflation in den USA erneut anzuheizen. Die Teuerungsrate lag im Februar zwar weiterhin bei 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und damit auf dem Niveau vom Januar. Doch der stark gestiegene Ölpreis infolge des Iran-Kriegs könnte die Preise in den kommenden Monaten deutlich nach oben treiben. Gleichzeitig schwächelt die Wirtschaft. Im Februar gingen 92.000 Jobs verloren, die Arbeitslosenquote stieg. Für die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wird die Lage damit komplizierter. Die Zentralbank entscheidet über den sogenannten Leitzins – also den Zinssatz, zu dem sich Banken Geld bei der Notenbank leihen können. Dieser beeinflusst Kredite, Investitionen und Konsum. Doch was soll die Fed jetzt tun: Die Zinsen erhöhen und eine schwächelnde Wirtschaft weiter bremsen – oder sie senken und riskieren, dass die Inflation außer Kontrolle gerät? Höhere Energiepreise treiben die Inflation Noch wirkt die Inflation relativ stabil. Die sogenannte Kerninflation – also die Preisentwicklung ohne Energie und Lebensmittel – lag zuletzt bei 2,5 Prozent. Doch Experten rechnen mit steigenden Preisen. Der Grund: Der Iran hat die Straße von Hormus für geschlossen erklärt. Diese Meerenge ist eines der wichtigsten Nadelöhre des weltweiten Ölhandels. Die Folgen zeigen sich bereits an den Zapfsäulen. "Im landesweiten Durchschnitt sind die Benzinpreise an US-Tankstellen um knapp 15 Prozent gestiegen", sagt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Da Motorkraftstoffe rund drei Prozent im Warenkorb der Verbraucher ausmachen, erhöht allein dieser Effekt die Inflationsrate um etwa 0,4 Prozentpunkte. Analyst Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg warnt: "Es steht zu befürchten, dass die Inflationsrate angesichts der Preissprünge bei Rohöl und Gas im Frühjahr über die Marke von drei Prozent klettern wird." Teurer Dünger könnte Lebensmittel verteuern Die Folgen des Konflikts betreffen nicht nur Energie. Auch wichtige Rohstoffe für die Landwirtschaft werden teurer. Jens Klatt, Marktanalyst beim Onlinebroker XTB, verweist auf stark gestiegene Preise für Düngemittelrohstoffe. Der Preis für Urea – ein zentraler Bestandteil von Stickstoffdünger – stieg von etwa 470 auf bis zu 700 Dollar pro Tonne. Auch Schwefel verteuerte sich deutlich. "Wenn Lieferketten für Urea und Schwefel unterbrochen werden, steigen die Preise schnell – und das wirkt sich direkt auf die Kosten der Lebensmittelproduktion aus", erklärt Klatt. Für Verbraucher könnte sich das erst später bemerkbar machen. Denn steigende Düngerkosten schlagen meist erst Monate später auf die Lebensmittelpreise durch. "Sollte der Konflikt länger andauern, könnten wir in sechs bis zwölf Monaten eine neue Welle steigender Lebensmittelpreise sehen", sagt Klatt. Global seien Preissteigerungen von 10 bis 30 Prozent denkbar. Arbeitsmarkt sendet Warnsignale Während die Preise steigen könnten, schwächelt gleichzeitig die Wirtschaft. Besonders betroffen von den Jobverlusten waren Branchen wie Gesundheitswesen, IT, Öffentlicher Dienst sowie Transport und Logistik. Der Arbeitsmarkt spielt für die Fed eine zentrale Rolle. Er zeigt, wie stark die Wirtschaft tatsächlich läuft. Zwar sind die Stundenlöhne weiter gestiegen – im Februar um 0,4 Prozent auf 37,32 Dollar. Doch Stellenabbau und steigende Arbeitslosigkeit deuten auf eine nachlassende Konjunktur hin. Für die Notenbank entsteht damit ein schwieriges Bild: Einerseits könnte eine schwächere Wirtschaft Zinssenkungen nötig machen. Andererseits sprechen steigende Preise eher für eine straffere Geldpolitik. Die Fed steckt in der Zwickmühle Genau hier liegt das Problem der Fed. Sinkt der Leitzins, werden Kredite günstiger. Unternehmen investieren mehr, Verbraucher konsumieren eher – und die Wirtschaft kann sich stabilisieren. Doch bei steigender Inflation würde eine Zinssenkung das Gegenteil bewirken: Sie könnte den Preisdruck sogar noch verstärken. Ökonomen sprechen in solchen Situationen von Stagflation – also einer Phase, in der die Wirtschaft schwächelt, während die Preise gleichzeitig steigen. Für Zentralbanken gilt dieses Szenario als besonders schwierig, weil klassische geldpolitische Instrumente nur begrenzt wirken. Politischer Druck auf die Notenbank Zusätzliche Unsicherheit bringt die Politik. Die Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell endet am 15. Mai 2026. US-Präsident Donald Trump hat Kevin Warsh als neuen Vorsitzenden nominiert, der das Amt nach Zustimmung des Senats übernehmen soll. Trump fordert seit Monaten deutliche Zinssenkungen. Er argumentiert, niedrigere Zinsen würden das Wirtschaftswachstum ankurbeln und die Finanzierung der hohen Staatsverschuldung erleichtern. Trumps Zinsoffensive: Rettung für Amerika – oder Aufschub der Schuldenkrise? Trump griff Powell mehrfach scharf an und erklärte, Warsh werde die Zinsen "ganz sicher senken". Ob der designierte Fed-Chef diesem politischen Druck nachgibt oder die Unabhängigkeit der Notenbank wahrt, bleibt allerdings offen. Zinssenkungen werden unsicherer Die Fed verfolgt zwei zentrale Ziele: stabile Preise und eine möglichst hohe Beschäftigung. Der Leitzins liegt derzeit in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent, nachdem die Notenbank ihn zuvor bereits mehrfach gesenkt hatte. Die schwachen Arbeitsmarktdaten hatten zuletzt Spekulationen über eine Zinssenkung im Sommer ausgelöst. Auch John Williams, Chef der regionalen Notenbank von New York , hält weitere Lockerungen grundsätzlich für möglich – allerdings nur, wenn der Inflationsdruck nachlässt. Genau daran zweifeln viele Investoren inzwischen. Durch den Iran-Krieg sind Zinssenkungen weniger wahrscheinlich geworden. Händler sehen derzeit nur noch eine rund 55-prozentige Chance für eine Senkung im Juli. Eine Entspannung im Nahen Osten könnte diese Erwartungen schnell verändern. Bis dahin bleibt die Fed jedoch in ihrer schwierigsten Lage seit Jahren.