Ab einem gewissen Alter werden Frauen im deutschen Fernsehen zunehmend unsichtbarer. Ein Thema, das auch "Erzgebirgskrimi"-Star Teresa Weißbach beschäftigt. Seit sieben Jahren gehört Teresa Weißbach zum Hauptcast des "Erzgebirgskrimi" im ZDF . Die Reihe zählt zu den erfolgreichsten Krimiformaten im deutschen Fernsehen und lockt regelmäßig mehr als sechs Millionen Zuschauer an. Auch für andere Produktionen steht Teresa Weißbach regelmäßig vor der Kamera. Dennoch drehen sich die Gedanken der Schauspielerin um eine bittere Wahrheit: Frauen ab 50 tauchen in TV-Produktionen kaum noch auf. Mit t-online spricht Weißbach genau darüber – und über ihr mögliches zweites berufliches Standbein. t-online: Frau Weißbach, Frauen über 50 spielen im deutschen Fernsehen oft kaum eine Rolle. Sie sind 44. Machen Sie sich schon Sorgen? Teresa Weißbach: Sicher, das beschäftigt mich. Es ist ja leider schon länger eine bekannte TV-Realität, vor der man die Augen nicht verschließen kann. In Drehbüchern kommen immer wieder vor allem junge Frauen vor. Auch bei den Männern werden die Rollen immer jünger. Ein unerträglicher Trend, den die Sender von den Amerikanern nachahmen. Das bildet unsere Alltagsrealität nicht ab. Frauen um die 50 starten doch oft noch einmal richtig durch: Die Kinder sind aus dem Haus, viele orientieren sich beruflich neu, blühen auf. Im Fernsehen sehen wir sie jedoch meist als Betrogene, Mutter, Oma oder Nebenfigur. Erfolgreiche Frauen ab 50 bekommen wir kaum zu sehen. Die Zielgruppe beim Publikum wäre aber da. Ja. Meine Mutter und meine Tante beklagen sich regelmäßig, dass sie sich vom Fernsehprogramm in diesem Punkt oft nicht angesprochen fühlen. Sie glauben, dass ihre Generation nicht gesehen wird. Und wenn, dann tauchen in diesem engen Fenster immer die gleichen Akteure auf. Meine Kolleginnen und ich sprechen diese Missstände immer wieder in Produktionen an, aber es passiert einfach zu wenig. Teresa Weißbach: ZDF-Schauspielerin verliebte sich am Filmset "Wäre gerne geblieben": "Erzgebirgskrimi"-Star verlässt ZDF-Krimi Woran liegt das? Ich glaube, es hat viel mit den Senderstrukturen zu tun und dem Schielen nach dem großen Vorbild Amerika. Man muss sich nur anschauen, wer dort die Entscheidungen trifft. Ich möchte mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber das Problem beginnt oft schon bei den Drehbüchern. Und wenn mal eine interessante Frauenrolle, etwa eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die endlich auf eigenen Beinen steht und noch einmal mit einer zweiten Karriere durchstartet, auftaucht, wird sie gespielt von einer Mitte Dreißigjährigen. Warum, frage ich mich. Da könnte sich in meinen Augen etwas ändern. Ich möchte nicht in die Not kommen, auf mein zweites Standbein angewiesen zu sein. Hans-Gerd Raeth: "Die Branche ist extrem volatil" Sie haben ein zweites berufliches Standbein? Erst einmal: Ich bin und bleibe mit Leib und Seele Schauspielerin und hoffe, dass ich kein zweites Standbein brauche. Aber wenn man sieht, wie begrenzt die Rollenangebote für Frauen ab 50 sind, ist es nicht falsch, an Alternativen zu denken. Ich habe viel Energie und möchte etwas bewegen. Nur zu Hause zu sitzen und auf den nächsten Job zu warten, entspricht nicht meinem Wesen. Also habe ich aus einer Vorsichtsmaßnahme eine Herzensangelegenheit gemacht und habe vor drei Jahren eine berufsbegleitende Ausbildung zur Theatertherapeutin begonnen. Eine Ausbildung, die mich fordert und ausfüllt. Wie kann man sich Ihre Arbeit als Theatertherapeutin vorstellen? In gewisser Weise ähnlich wie Musik- oder Kunsttherapie. In Deutschland ist Theatertherapie noch nicht so verbreitet. Viele denken zunächst, ich arbeite da mit Schauspielern. Tatsächlich richtet sich mein Angebot an psychisch erkrankte Menschen, Suchtkranke oder Menschen mit Traumata. Das Feld ist sehr breit. Woher kommt Ihr Interesse an der menschlichen Psyche? Als Schauspielerin setze ich mich intensiv mit den Persönlichkeiten meiner Figuren auseinander. Das erfordert Wissen, Fantasie und Einfühlungsvermögen. Da gibt es Parallelen zu meiner Therapeutinnenausbildung. So war das erste Jahr stark von Selbsterfahrung geprägt. Beide Bereiche befruchten sich. In meiner Freizeit bin ich ja zudem ehrenamtlich als Sterbebegleiterin tätig. Auch dort werde ich mit der menschlichen Psyche konfrontiert und der eigenen Endlichkeit. Täuscht der Eindruck, oder gehen wir heute offener mit psychischen Belastungen um? Ja, wir sprechen deutlich offener über psychische Erkrankungen als früher. Wie erklären Sie sich das? Wir leben in einer vergleichsweise sicheren und wohlhabenden Gesellschaft. Die meisten Menschen hier in Deutschland haben keine existenziellen Nöte, wir leben nicht im Krieg. Und dann gibt es das Internet, das uns scheinbar alle Fragen, über alles und jeden, beantworten kann. Dadurch haben wir die Möglichkeit, uns stärker mit uns selbst zu beschäftigen. Das ist Segen und Fluch zugleich. Inwiefern? Selbstfürsorge kann dazu führen, dass man ausgeglichener wird – auch im Umgang mit anderen. Gleichzeitig können durch diese Innenschau Gefühle hochkommen, die lange verdrängt wurden, oder dadurch erst getriggert werden. Die Reaktionen können sehr intensiv und aufwühlend sein. Teresa Weißbach ist am 7. März 2026 im neuen "Erzgebirgskrimi: Mordholz" zu sehen. Der Film läuft um 20.15 Uhr im ZDF. In der Mediathek ist er bereits abrufbar.