Borussia Dortmund scheitert auf dramatische Weise in den Playoffs der "Königsklasse". Das kann Folgen haben – auch für das Topspiel gegen den FC Bayern, meint t-online-Kolumnist Stefan Effenberg. Was für eine böse Überraschung hat Borussia Dortmund am Mittwochabend in Bergamo erlebt. Mit diesem Verlauf hatten BVB-Trainer Niko Kovač und seine Spieler nicht gerechnet – und ich muss zugeben: Ich auch nicht. In der Bundesliga sind sie seit 16 Spielen ohne Niederlage, auch von Pleiten in der Champions League bei Manchester City (1:4) oder Inter Mailand (0:2) haben sie sich insgesamt nicht zurückwerfen lassen. Im Gegenteil: Diese Mannschaft der Dortmunder wirkte 2025/26 so gefestigt wie seit Jahren nicht mehr – bis zu diesem Playoff-Rückspiel der "Königsklasse" bei Atalanta. 1:4 hieß es am Ende aus Sicht der Schwarz-Gelben, das Hinspiel hatten sie noch 2:0 gewonnen. Dortmund ist raus. Eine Riesenenttäuschung. Und das vor dem Kracher gegen den FC Bayern am kommenden Samstag ( ab 18.30 Uhr im Liveticker bei t-online ). Vorsprung verspielt: Dortmund scheidet aus der Champions League aus Falsche Personalentscheidungen? Kovačs Anteil am BVB-Debakel Die aus BVB-Sicht traurige Wahrheit ist aber: Wer in einem Rückspiel vier Gegentore kassiert, hat es dann auch nicht verdient, weiterzukommen. Mehr noch: In der Bundesliga hat Dortmund die zweitbeste Abwehr, kassierte in 23 Saisonspielen 22 Treffer. In Europa waren es dagegen deren 21 – in nur 10 Partien. Und warum? Weil im Gegensatz zur Bundesliga in der Champions League individuelle Fehler gnadenlos bestraft werden – und in diesem Rückspiel sind den Dortmundern einfach zu viele dieser individuellen Fehler unterlaufen. Ein ganz, ganz bitterer Tag für den BVB Es war wirklich ein ganz, ganz bitterer Tag für den deutschen Fußball insgesamt und besonders für Borussia Dortmund. Denn nun fehlen die zusätzlichen Einnahmen, die ein Weiterkommen in der Champions League gebracht hätten. An diesem einen Abend haben sie zehn, elf, zwölf Millionen Euro verspielt. Das könnte noch verheerende Folgen haben. Eine wichtige Frage muss nun beantwortet werden: Was macht dieses Ausscheiden mit den Spielern des BVB ? Ich befürchte: Da wird etwas zurückbleiben. Dieses 1:4 wird nicht spurlos an ihnen vorübergehen. Gerade Karim Adeyemi , Nico Schlotterbeck oder Serhou Guirassy , die seit geraumer Zeit Gegenstand von Spekulationen über einen Abschied aus Dortmund im Sommer sind, werden nun ganz genau überlegen, wo sie kommende Saison spielen wollen. Das wird auch für die BVB-Führungsetage um Geschäftsführer Lars Ricken und Sportdirektor Sebastian Kehl eine Herkulesaufgabe, aus diesem Ergebnis die richtigen Schlüsse zu ziehen und auch 2026/27 eine schlagkräftige Mannschaft aufzustellen. Dann wären sie wieder dran an den Bayern Eine erste Antwort kann der BVB dabei schon an diesem Samstag liefern – mehr noch: Muss der BVB schon an diesem Samstag liefern. Denn dann steht in der Bundesliga das Topspiel gegen den FC Bayern an. Und hier kann es eben nur eine Antwort für die Dortmunder geben: Sie müssen gewinnen. Damit würden sie den Rückstand auf die Münchner auf fünf Punkte verringern, wären so wieder dran am Rekordmeister. Alles andere wäre zu wenig. Ich lege mich fest: Schon bei einem Unentschieden wäre das Titelrennen entschieden, bei einer Dortmunder Niederlage erst recht. Dann ist alles verloren, und der DFB kann die Meisterschale schon jetzt nach München schicken. Zehn Spieltage vor Saisonende. Frühes Aus im DFB-Pokal, frühes Aus in der Champions League, frühes Aus im Titelrennen der Bundesliga – dann müsste doch die ganze Spielzeit in Frage gestellt werden. Deshalb sage ich: Für Dortmund ist es ganz wichtig, dass sie jetzt sofort gegen die Bayern spielen – und nicht gegen einen unbequemen, zähen, bissigen Gegner aus dem Tabellenmittelfeld oder sogar aus dem Abstiegskampf wie Freiburg, Frankfurt oder Köln. Nein, es geht sofort gegen den Tabellenführer weiter – da wissen alle direkt: Es geht um alles, es geht um diese Saison. Da wird Niko Kovač gar nicht mehr viel sagen müssen, bevor er seine Spieler aufs Feld schickt. Sein Gegenüber, Bayern-Trainer Vincent Kompany , hat es schon vor Monaten genau richtig erklärt: Wichtig sind nicht die Ergebnisse im Herbst, sondern später im Frühjahr, im Frühling. Dann geht es nämlich um Titel, dann geht es um die Entscheidungen, dann geht es darum, wie eine Saison am Ende bewertet wird. Bayern-Trainer Kompany wird seine Spieler warnen Kompany und die Bayern wissen ganz genau, dass sie da am Samstag um 18.30 Uhr bei einem schwer angeschlagenen Gegner spielen werden – aber der Belgier wird seine Spieler daran erinnern, dass ein angeschlagener Gegner manchmal auch der Gefährlichste sein kann. Dortmund ist jetzt in einer wirklich schwierigen Situation. Ich spreche da aus leidvoller Erfahrung: 1999 wurde ich mit den Bayern deutscher Meister, in den folgenden Wochen aber verloren wir erst das Champions-League-Finale gegen Manchester United , dann das Endspiel im DFB-Pokal gegen Werder Bremen . Das war für mich eine Riesenenttäuschung, über meinen ersten Meistertitel konnte ich mich angesichts dieser zwei herben Niederlagen einfach nicht mehr freuen. Der Frust über die verlorenen Endspiele war zu groß. Aber: Genau daraus habe nicht nur ich Kraft, Antrieb und Motivation für die kommenden Jahre gezogen – die ganze Mannschaft hat das. Und das muss dem BVB nun erst einmal für die letzten Wochen dieser Saison auch gelingen.