Sie galt als Hoffnungsträgerin für Olympia. Nun hat Emma Aicher die Erwartungen erfüllt – und kann ihr Glück noch gar nicht richtig fassen. Aus Cortina d'Ampezzo berichtet Melanie Muschong Sie musste sich lange gedulden, bis sie jubeln durfte, doch dann war es so weit: Emma Aicher stand am Sonntagmittag als Silbermedaillengewinnerin in der Abfahrt bei den Olympischen Spielen fest. Die junge Skirennfahrerin sicherte dem deutschen Team das erste Edelmetall bei diesen Winterspielen und strahlte im Anschluss über das ganze Gesicht. Auch bei der Siegerehrung reckte die 22-Jährige ihre Hände in die Höhe und genoss den größten Einzelerfolg ihrer noch jungen Karriere sichtlich. Dass Aicher eine gefragte Person an diesem Sonntag war, zeigte sich auch daran, dass die Journalisten in Cortina d'Ampezzo lange auf sie warten mussten. Nach zwei Stunden: Olympiasiegerin macht Medaille kaputt Superstar Vonn stürzt schwer: Das "tragische" Ende Skispringerin nach Olympia-Auftakt aufgelöst: "Es ist brutal" Aicher: "Ich war im Ziel nervös, ganz schlimm" Auf die Frage, wie sich der Moment angefühlt hat, als sie wusste, dass es für Silber reicht, sagt Aicher zu t-online in gewohnt bodenständiger Art: "Ich war im Ziel nervös, ganz schlimm. Es ist ja gut ausgegangen. Ich habe mich riesig gefreut. Auch, als mein Servicemann ins Ziel gekommen ist. Ab da habe ich mir gedacht, dass es schon richtig schön ist." Eigentlich war Aicher von ihrem Rennen erst nicht begeistert und gesteht: "Ich habe echt nicht gedacht, dass es reicht. Ich war nicht ganz zufrieden mit meiner Fahrt. Es fühlte sich nicht großartig an, aber ich glaube, ich habe es geschafft, den Ski ziemlich gut laufen zu lassen." So, dass sie nur die US-Amerikanerin Breezy Johnson, die ihre Goldmedaille schon kaputt gemacht hat , an sich vorbeiziehen lassen musste. "Es ist unglaublich" Nun darf sie feiern und meint, das könne sie ganz gut. Bis sie verstehe, was sie geleistet hat und was das bedeutet, werde es jedoch noch eine Zeit dauern. "Es ist unglaublich. Ich glaube, ich werde eine Weile brauchen, um zu begreifen, was heute passiert ist. Ich bin wirklich glücklich, es ist ein fantastischer Tag", so Aicher stolz. Nicht ganz so gut wie erhofft lief es für Kira Weidle-Winkelmann. Die Teamkollegin von Aicher, die den neunten Platz belegte, meint im Anschluss an ihr Rennen geknickt zu t-online: "Es ist schön, wenn man heil unten ist, aber bei Olympia geht es um die drei Medaillen da vorne und eine gute Platzierung. Es ist eine Top-Ten-Platzierung, das ist okay, aber bei Olympia will man natürlich mehr. Ich habe mir erhofft." "Das ist einfach echt sehr bemerkenswert" Dennoch freut sich das DSV-Ass mit Aicher: "Wahnsinn. So cool, wie sie das heute gemacht hat und so geliefert hat an dem Tag. Das ist einfach echt sehr bemerkenswert, wie sie das macht. Auch schon die ganze Saison. Dass es heute mit einer Medaille belohnt wurde, freut mich wirklich sehr für sie." Und sowohl Weidle-Winkelmann als auch Aicher haben noch weitere Chancen, um eine Medaille zu gewinnen. Die Abfahrt war erst der Auftakt der alpinen Wettbewerbe.