Verarmt im Alter: Pflegeheim: Fast jeder Zweite auf Sozialhilfe angewiesen
Immer mehr Bewohner von Pflegeheimen sind auf Sozialhilfe angewiesen. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Das BSW fordert einen Pflegekostendeckel.
Immer mehr Menschen in Pflegeheimen sind auf Sozialhilfe angewiesen. Von rund 800.000 Pflegeheimbewohnern benötigen inzwischen 353.575 Menschen finanzielle Hilfe vom Staat – rund 44 Prozent und damit fast jede/r Zweite
Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes auf eine Anfrage von Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hervor, die dem stern vorliegen. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2024 und sind die aktuellsten. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Sozialhilfeempfänger im Heim um 19.000 Personen gestiegen.
"Das Pflegeheim wird zur Armutsfalle"
"Das Pflegeheim wird immer mehr zur Armutsfalle", sagte BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht dem stern. "Die Eigenanteile grenzen an Enteignung unserer älteren Generation." Wagenknecht fordert einen "Pflegekostendeckel" in Höhe von 1000 Euro: "Die Eigenanteile dürfen die Durchschnittsrenten nicht übersteigen."
Der Eigenanteil bei den Pflegekosten ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Zum 1. Januar lag er im bundesweiten Schnitt bei 3245 Euro im Monat (Pflege und Betreuung im Heim), 261 Euro mehr als ein Jahr zuvor.
Ab diesem Einkommen zahlen Kinder für ihre Eltern
Die "Hilfe zur Pflege" kann als Sozialleistung beantragt werden, wenn bei Pflegeheimbewohnern das eigene Einkommen oder Vermögen nicht ausreicht, um den Eigenanteil der Heimkosten abzudecken. Voraussetzung dafür ist, dass die Betroffenen einen Pflegegrad von 2 bis 5 haben, also "erheblich" bis vollständig in ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt sind.
Unterhaltspflichtige Kinder werden ab einem Bruttojahreseinkommen von über 100.000 Euro für eine Finanzierung des Eigenanteils ihrer Eltern im Heim herangezogen, wenn diese nicht selbst dazu in der Lage sind.
