"heute wichtig": Nach dem Tod von Dr. Kellermayr: Wie Hass & Hetze unsere Debattenkultur verändern
Wer online etwas postet, muss seit einiger Zeit immer auch damit rechnen, viel Kritik zu bekommen. Leider ist die in ganz vielen Fällen unsachlich, beleidigend, ja sogar bedrohend. Besonders seit der Corona-Pandemie sind auch Wissenschaftler:innen und Expert:innen, die objektive Fakten wiedergeben, zur Zielscheibe geworden. Was ist nur los mit unserer Debattenkultur?
"Es ist fatal, wenn immer mehr Menschen Angst haben, sich öffentlich zu äußern", sagt die Sozialpsychologin Pia Lamberty in der 331. Folge des Podcasts "heute wichtig". Und tatsächlich, gerade Klimawissenschaftler:innen mildern ihre Vorhersagen ab, aus Angst, einen Shitstorm auszulösen. Journalist:innen überlegen sich zwei Mal, ob sie von der Anti-Corona-Maßnahmen-Demo berichten oder nicht. Hass und Hetze überträgt sich und schadet Menschen und Diskussionen, so Pia Lamberty: "Man darf das nicht unterschätzen, was das mit der Psyche macht, zum einen aber natürlich auch mit unserem öffentlichen Diskurs. Menschen sagen oder ziehen sich aus dem digitalen Raum zurück. Das hat man auf Twitter in den letzten Tagen gesehen, dass aufklärende Stimmen […] gesagt haben, es geht nicht mehr und zumindest temporär sich erstmal zurückgezogen haben." Menschen ziehen sich nicht nur zurück, sondern suchen sogar noch extremere Wege, dem Hass aus dem Weg zu gehen. Die Ärztin Lisa-Maria Kellermayr hat Menschen gegen Corona geimpft und ist deshalb zur Zielscheibe von Querdenker:innen geworden. Sie wurde so massiv angefeindet, dass sie Suizid begangen hat.Organisierter Hass: Eine Hausärztin in Todesangst vor Coronaleugnern 14.07
Rückzug von Christian Drosten
Ein prominentes Beispiel: Der Virologe Christian Drosten, der als eines der Gesichter der Corona-Pandemie seine Ergebnisse mit der Welt geteilt und Fakten präsentiert hat, wurde dafür beleidigt und mit dem Tod bedroht. So sehr, dass er sich inzwischen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat.
Was können wir tun?
Manchmal wirkt man machtlos, gegen die Trolle im Internet oder die Menschen auf Demos, die mit ihren Hassbotschaften, versuchen alle zu übertönen. Doch die Sozialpsychologin Pia Lamberty sagt, es ist möglich und man kann eben aktiv werden: "Als einzelne Person kann man das tun, indem man Gegenrede leistet, eben da wo Menschenverachtung sichtbar ist."
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