Bolivianische Putschregierung benennt Militärschule nach den Mördern Che Guevaras
Die im Jahr 2016 von dem damaligen Präsidenten Boliviens, Evo Morales, für die bolivianischen Streitkräfte geschaffene Militärschule wurde von der durch einen Putsch an die Macht gekommenen Regierung des Landes durch eine andere Bildungseinrichtung ersetzt.
Besonders interessant ist dabei die Namensgebung: Die neue Einrichtung heißt "Schule der Helden von Ñancahuazú"; benannt wurde sie nach den Mördern des argentinischen Revolutionärs Che Guevara. Der Name der früheren Einrichtung lautete "Schule des antiimperialistischen Kommandos General Juan José Torres Gonzáles".
Diese Schule wurde in die militärische Ingenieursschule integriert. Jene Einrichtung wurde nach den Soldaten benannt, die unter Anleitung der CIA Che Guevara am 8. Oktober 1967 bei La Higuera verwundet gefangen nahmen, ihn verhörten und dann ohne Gerichtsprozess am 9. Oktober erschossen.
Luis Fernando López, der Verteidigungsminister der gegenwärtigen faktischen Regierung, erklärte am Donnerstag der vergangenen Woche, die ursprüngliche Bildungseinrichtung habe mit ihrer Ausrichtung nicht zur militärischen Doktrin der Streitkräfte gepasst. Die Bolivianer seien nicht "anti-irgendwas":
Der Rollback in #Bolivien wird mit jedem Tag krasser. Am Freitag wurde die von @evoespueblo gegründete "Antiimperialistische Militärschule" umbenannt. Sie trägt jetzt den Namen der Einheit, die 1967 Che Guevara ermordete: "Heroes of Ñancahuazu" #Bolivia: https://t.co/MEI6np5TrK
— Florian Warweg (@FWarweg) January 18, 2020
Unter diesem antiimperialistischen Konzept werden fremdartige Doktrinen geschaffen. Das hat nichts mit dem Geist der Bolivianer zu tun.
Die selbst ernannte "Interimspräsidentin" Jeanine Áñez hatte zuvor wiederholt erklärt, dass "ideologisierte Bildungseinrichtungen" nicht zur Bildung beigetragen hätten.
#TeEstamosCuidando
— Ejército de Bolivia Forjador de la Patria (@BoliviaEjercito) January 17, 2020
El #Ejército participa en actividades en el marco de la #ley264#ParaUnaVidaSegura#SeguridadCiudadanapic.twitter.com/sUz3X9wd4q
Der neue Geist des bolivianischen Militärs zeigt sich indessen nicht nur an Äußerlichkeiten wie der Namensgebung von Institutionen. In den vergangenen Tagen wurde die Präsenz des Militärs in den Straßen des Landes drastisch erhöht. Dort soll das Militär angeblich zur "Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung beitragen". Die Mobilisierung erfolgt wenige Tage vor dem 22. Januar, an dem die Gründung des "Plurinationalen Staates Bolivien" begangen wird. Auf seinem Twitter-Account lobte sich das Militär selbst, seine Präsenz werde von den Bürgern begrüßt.
Nos llegan imágenes de "la verdadera democracia" que impera en Bolivia. Imágenes que nunca vimos durante la "dictadura" de Evo Morales.
— Junne (@Miriam_Junne) January 17, 2020
La posverdad en todo su esplendor.
. pic.twitter.com/uN00t9Vbqy
Con la militarización de las ciudades más importantes de #Bolivia rige un estado de sitio de facto que ha suspendido derechos y garantías constitucionales del pueblo, una prueba más de la dictadura de Áñez que gobierna el país. pic.twitter.com/KEoFJrcyI8
— Evo Morales Ayma (@evoespueblo) January 17, 2020
Lo que sucede en Bolivia es muy grave. El ejército en la calle, grupos violentos en apoyo del gobierno asesinando a ciudadanos, la policía secuestrando a quienes alzan la voz... Y los medios de Europa tratan de silenciar este golpe de estado. https://t.co/j6ETvwSiHv
— ???????? ???? (@gaitadelnorte) January 19, 2020
Auf Twitter veröffentlichte Bilder und Videos zeigen, wie massiv das Auftreten der Streitkräfte ist, das offenbar dazu dient, Gegner der Putschregierung einzuschüchtern und dennoch auftretende Proteste schnell und massiv niederschlagen zu können. Ein Nutzer schrieb zu einem der Videos:
Uns erreichen Bilder der 'wahren Demokratie', die in Bolivien vorherrscht. Bilder, die wir während Evo Morales' 'Diktatur' nie gesehen haben. Post-Wahrheit in all ihrer Herrlichkeit.
Mehr zum Thema - Bolivien: Putschistenführer gibt Vereinbarung mit Armee und Polizei zum Sturz von Morales zu
