Adelsheim: Weiss-Gruppe übernimmt Schimmel (Update)
Adelsheim. (pm/joc) Die Firma Schimmel GmbH mit Sitz in Adelsheim ist immer für eine Überraschung gut. In diesem Fall ist es eine durchweg positive, denn der Automobilzulieferer wurde mit Wirkung vom 1. Januar komplett von der R.-Weiss-Gruppe erworben. Dies bestätigte Insolvenzverwalter Dr. Renald Metoja von der Rechtsanwaltsgesellschaft Eisner in Lauda-Königshofen jetzt auf Anfrage der Rhein-Neckar-Zeitung. Mit der Übernahme wurde die Schimmel GmbH auf ein stabiles finanzielles Fundament gestellt.
Die R.-Weiss-Gruppe mit Hauptsitz in Crailsheim hat bereits im Jahr 2010 die seinerzeit angeschlagene Firma Bleichert Förderanlagen in Osterburken übernommen und sehr gut weiterentwickelt. "Alle derzeit bei Schimmel Beschäftigten werden vom neuen Eigentümer übernommen", betonte Dr. Metoja.
Eine Besonderheit ist dabei, dass die Firma Schimmel zwar ihren Namen beibehalten wird, aber in gleich zwei neue Unternehmen unterteilt wird, die Schimmel Filtertechnik GmbH und die Schimmel Manufacturing GmbH. Beide am gleichen Standort in Adelsheim, in der Industriestraße 4. Die dort befindlichen Gebäude wurden vom früheren Eigentümer, der in Luxemburg ansässigen Firma Lafayette Industriebeteiligungen, im Zuge der Übernahme an die R.-Weiss-Gruppe veräußert.
Die Firma Schimmel GmbH hat in den letzten Jahren viele Höhen und Tiefen erlebt, darunter auch zwei Insolvenzen. In Hochphasen hatte das Unternehmen 250 Mitarbeiter. Im Sommer letzten Jahres waren es noch 152. Um das Unternehmen zu retten, wurde die Mitarbeiterzahl seinerzeit dann noch einmal auf 95 reduziert. Die werden jetzt komplett vom neuen Eigentümer übernommen.
Nachdem durch Beschluss des Insolvenzgerichts Mosbach vom 29. Juli 2019 das Insolvenzverfahren über die Josef Schimmel Adelsheim GmbH eröffnet wurde (die RNZ berichtete), hat Insolvenzverwalter Dr. Renald Metoja in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit der bundesweit tätigen Restrukturierungsberatung enomyc GmbH einen intensiven Investorenprozess initiiert, in dessen Ergebnis sämtliche Vermögenswerte der Josef Schimmel Adelsheim GmbH an die R.-Weiss-Gruppe mit Wirkung zum 1. Januar verkauft werden konnten.
"Ich bin sehr froh, dass wir einen regionalen, strategisch ausgerichteten Investor finden konnten", betonte Dr. Renald Metoja gegenüber der RNZ. Die R.-Weiss-Gruppe habe das nachhaltigste Übernahmekonzept für den Geschäftsbetrieb der Josef Schimmel Adelsheim GmbH präsentiert. Insbesondere auch durch die räumliche Nähe würden sich Synergieeffekte ergeben, die den dauerhaften Bestand des Unternehmens sichern werden, zeigt sich Dr. Metoja überzeugt.
Die neue Eigentümerin wird die beiden Unternehmensbereiche Filtertechnik und Präzisionsdrehteile weiterführen und die bereits während der Insolvenzverwaltung begonnenen Restrukturierungsprozesse fort- und umsetzen. Die Produktpalette wird dabei im Wesentlichen weiter geführt. So werden von den vorher angebotenen über 2000 Artikeln 1800 weiterhin im Sortiment verbleiben. Lediglich von 200 weniger nachgefragten werde man sich trennen, kündigte Dr. Metoja an, der sich insgesamt sehr optimistisch äußert. "Auch aufgrund der guten Vernetzung des Investors hat das Unternehmen nun die Chance nach den zwei überstandenen Insolvenzen, sich wieder nachhaltig am Markt zu etablieren", betont Metoja.
Dabei setzt der Investor insbesondere auf das qualifizierte Management-Team mit einem Fachmann an der Spitze, denn man hat den nach Antragstellung durch die vorherigen Eigentümer abgelösten Geschäftsführer Matthias Roos in dem neu gegründeten Unternehmen wieder in seiner alten Funktion installiert. Er löste bereits im August 2019 seinen einstigen Nachfolger Jens Kuderer ab.
Die Josef Schimmel Adelsheim GmbH ist bereits seit 1949 auf dem Markt tätig, nach einem ersten Insolvenzverfahren im Jahr 2016, in dessen Zuge das Unternehmen an einen Finanzinvestor veräußert wurde, musste die Schimmel GmbH drei Jahre später im Mai 2019 erneut Insolvenz beantragen. Im Zuge dieses neuen Insolvenzverfahrens wurde eine neue Unternehmensstruktur geschaffen, in deren Zuge massive und schmerzhafte Personalanpassungen vorgenommen werden mussten. Nur so sei es aber möglich gewesen, ein im Hinblick auf die tatsächlichen Umsatzzahlen wirtschaftlich tragfähige Personalstruktur aufweisen zu können, erklärte Insolvenzverwalter Dr. Renald Metoja.
Update: Freitag, 10. Januar 2020, 16.56 Uhr
