Bad Rappenau: Bürgerbus "erhält nicht die Wertschätzung, wie er sollte"
Von Falk-Stéphane Dezort
Bad Rappenau. Woche für Woche, Samstag für Samstag, dreht er emsig seine Runden durch die Kurstadt: der Bürgerbus. 2017 beim Stadtfest, beim Oktoberfest und im Dezember erprobt, hat der Bürgerbusverein im Juni 2018 seinen Dauerbetrieb aufgenommen und kutschiert seither im Schnitt jedes Wochenende 35 Fahrgäste herum – kürzlich durfte man sogar den 3000. Mitfahrer begrüßen. Allein im Jahr 2019 nutzten 1802 Personen das Angebot.
Sieben Fahrten – ab 9 Uhr jeweils stündlich ab der Salinenklinik – bietet der Verein jeden Samstag an und steuert dabei in der Kernstadt und im Zimmerhof 16 Haltestellen an. Und das kostenlos. "Das wollen wir auch bleiben", betont Axel Jänichen, stellvertretender Vorsitzender des Bürgerbusvereins. Wer will, kann die Ehrenamtlichen Fahrer mit einer freiwilligen Spende unterstützen.
Momentan werde das Angebot vermehrt von den Kurgästen genutzt, die mit dem Bürgerbus ins Zentrum zum Einkaufen fahren, berichtet Jänichen, der auch einer von zwölf ehrenamtlichen Fahrern ist. "Für manche Kurgäste ist der Bus auch eine Stadtrundfahrt. Einfach, um auch mal die Gegend zu sehen", sagt er. Doch das Verhältnis habe sich in den letzten Wochen und Monaten etwas gewandelt. Inzwischen nutzten auch immer mehr Einheimische den Bürgerbus.
"So langsam kommen wir bei den Leuten in den Kopf. Wir wollen immer im Gespräch bleiben." Jeder vierte Fahrgast wohne in der Kurstadt, rechnet Jänichen vor. Sie nutzten das Angebot für Arztbesuch, um zu den Ladengeschäften zu kommen oder einfach um den sozialen Kontakt zu pflegen. "Es ist ein tolles Angebot. Es wurde in der Klinik beworben. Ich bin sehr zufrieden", sagte Petra Gondsch vor der Abfahrt in Richtung Einkaufsmarkt. "Es ist prima. Ansonsten käme ich nicht in die Innenstadt", freute sich auch Kurgast Hans Rhein.
Dass es inzwischen so gut läuft, freut die Verantwortlichen. Das war nicht immer so, blicken Jänichen und Vorsitzender Klaus Ries-Müller im Gespräch mit der RNZ zurück. Vor allem von der Stadt wünsche man sich mehr Unterstützung. "Sie steht nicht hinter dem Projekt", sagt Jänichen. Ein neidischer Blick geht auch nach Eppingen. Dort hat ein ähnliches Bürgerbus-Projekt im abgelaufenen Jahr ordentlich an Fahrt aufgenommen. "Vielleicht waren wir einfach zu früh", konstatiert Ries-Müller. "Es ist einfacher, wenn ein Bürgermeister dahintersteht", fügt Jänichen an.
Mit einem mehrheitlichen Beschluss hatte der Gemeinderat im Februar 2017 – damals noch unter Oberbürgermeister Hans-Heribert Blättgen – eine Bezuschussung des Projekts abgelehnt. Es ging darum, zumindest einen Probebetrieb aufzunehmen und zu sehen, ob das Angebot angenommen wird. Nach der Absage stand das Vorhaben auf der Kippe. Doch nur einen Monat später entschied sich der Verein dazu, weiterzumachen und das Projekt selbst zu stemmen. Mit einem gemieteten Bus bot man erstmals zum Stadtfest 2017 den Bürgerbus an zwei Tagen an. Ein Jahr später nahm man den Dauerbetrieb auf.
"Wir unterstützen auch die Stadt damit. Wir sehen den Bürgerbus als Bereicherung an", betont der stellvertretende Vorsitzende. "Er erhält nicht die Wertschätzung, wie er sollte." Auf dem Kurhügel sitze auch ein gewisses Kaufpotenzial der Kurgäste. Zudem sei es auch umweltfreundlicher, wenn man mit dem Bürgerbus und nicht mit dem Auto fahre.
Seit Juni 2018 wird der Verein beim Dauerbetrieb von der Kur – damit auch indirekt von der Stadt–, dessen Van die Ehrenamtlichen an den Samstagen nutzen können, unterstützt. Allerdings nur an den Samstagen. "Es wäre für die Projektentwicklung wichtig, dass wir auch eine Fahrt unter der Woche anbieten könnten", sagt Jänichen.
Es gebe diesbezüglich viele Anfrage von Fahrgästen. Personell sei man dazu auf jeden Fall in der Lage. "Um das zu realisieren, benötigen wir aber ein eigenes Fahrzeug. Wir müssen sehen, welche Unterstützung wir finden." Er denkt dabei an mögliche Gewerbetreibende, die dem Projekt mit Sponsorengeldern unter die Arme greifen könnten. "Wir müssen den nächsten Schritt gehen."
