Mannheim: Strandbad-West soll einen Neubau erhalten
Von Volker Endres und Olivia Kaiser
Mannheim. Einladend sieht der verwitterte Betonbau am Strandbad-West nicht gerade aus: die Farbe blättert von den Wänden, das Gebäude ist baufällig und muss regelmäßig von einem Statiker geprüft werden. Doch es hat Kultcharakter. Bei schönem Wetter ist das Bistro Oro mit seinen 80 Sitzplätzen proppenvoll. Spaziergänger legen bei einem Glas Aperol Spritz oder einer Limo eine Pause ein und genießen die Sonne.
Die Laune verschlechtert sich nur bei denjenigen, die im Holzgebäude nebenan die Sanitäranlagen benutzen müssen, denn die sind in beklagenswertem Zustand. Im Betonbau ist allerdings nicht nur die Gastronomie untergebracht. Das Backsteinobergeschoss beherbergt die Campingplatzverwaltung, Duschen und Umkleidekabinen sowie einen Container der DLRG.
Jahrelang hat sich die Neckarauer SPD für einen Neubau stark gemacht. Jetzt ist endlich Bewegung in die Sache gekommen: Auf Antrag der Sozialdemokraten stellte der Mannheimer Gemeinderat 100.000 Euro als Planungskosten für einen Neubau des baufälligen Gebäudekomplexes in den Haushalt ein.
"Letztlich wollen wir damit bis spätestens zum ersten Quartal 2021 die Kosten für einen Neubau ermitteln", erklärte Uwe Kaliske, Leiter des zuständigen Fachbereichs Sport und Freizeit. "Die könnten dann möglicherweise in den Etat der Stadt ab 2022 aufgenommen werden."
Die Planungen für einen Neubau seien 2014 zurückgestellt worden, erklärt Kaliske. Seitdem wird das baufällige Multifunktionsgebäude notdürftig abgestützt und ein Statiker schaut regelmäßig nach dem Rechten. Mit dem neuen Funktionsgebäude soll dann auch ein ganzjähriger Campingbetrieb möglich sein. Uwe Kaliske will in den kommenden Monaten mit allen Beteiligten das Gespräch suchen. "Natürlich wird es dabei zu Diskussionen kommen", ahnt er.
Denn der Streit über den Neubau des knapp 500 Meter entfernten und 2010 eröffneten Restaurants dauerte gleich mehrere Jahre. Unumstritten ist das Gebäude des Lokals Purino bis heute nicht. Allein die Rampe für den rollstuhlgerechten Zugang, der die Promenade über weite Teile zerschneidet, sorgt für Diskussionsstoff. Kaliske vermutet, dass das neue Gebäude bei den Campingfreunden und den Mitgliedern des Fördervereins Mannheimer Strandbad ebenfalls nicht nur Anhänger finden wird.
Beide Vereine hatten schon vor fünf Jahren angekündigt, sich in die Planung für den Neubau aktiv einbringen zu wollen. Das hatten sie auch beim 2010 eröffneten Neubau getan. Außerdem engagieren sich die Initiative SOS Strandbad und die Lokale Agenda 21 für den beliebten Rheinkilometer am sogenannten Mannheimer Lido.
"Wir werden sicher wieder einen Architektenwettbewerb für die Neugestaltung durchführen", kündigt Kaliske an. Dazu sei die Stadt schließlich verpflichtet. Und dann werde es sicher wieder zu Diskussionen kommen.
