Lieferengpässe: Auch in der Region werden einige Medikamente knapp
Von Christian Altmeier
Heidelberg. Immer häufiger können Apothekerinnen und Apotheker nur bedauernd mit dem Kopf schütteln, wenn Kunden ein Rezept bei ihnen einlösen wollen. "Nicht lieferbar" heißt es dann etwa bei Krebsmitteln, Antibiotika, Schmerzmitteln oder Impfstoffen. Und stetig kommen neue Arzneimittel hinzu. "Die Engpässe gehen über das gesamte Sortiment", berichtet der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Friedemann Schmidt, im RNZ-Interview (siehe oben).
Auch in der Region macht sich der Mangel bemerkbar. So war der Wieslocher Marko Zlender gleich zweimal betroffen. Zunächst war eine Infusionslösung für seine Frau über mehrere Wochen nicht verfügbar. "Sie musste ihre Schmerzbehandlung in dieser Zeit unterbrechen und die Schmerzen ertragen", berichtet der 84-Jährige. Denn eine Alternative gab es in diesem Fall nicht. "Deshalb ärgert es mich auch, wenn ich aus der Politik den Ratschlag höre, einfach auf ein Ersatzmedikament auszuweichen", so Zlender. Der Rentner wandte sich persönlich an den Hersteller, der nach einiger Zeit doch noch eine Packung liefern konnte.
In einem zweiten Fall bekam Zlender sein Mittel gegen Gastritis plötzlich nicht mehr. "Es gibt zwei Präparate und beide waren nicht lieferbar", erinnert er sich. Diesmal half sein Apotheker, der eine Weile herumtelefonierte und schließlich noch eines der Mittel auftreiben konnte.
Eine Aufgabe, die die Apotheken zunehmend belastet. Gut 90 Prozent der Apotheker erklärten in einer Umfrage der ABDA im Sommer 2019, Lieferengpässe gehörten zu den größten Ärgernissen in ihrem Berufsalltag. 60 Prozent gaben an, sie verwendeten mehr als zehn Prozent ihrer Arbeitszeit dafür, bei Engpässen nach Lösungen zu suchen.
Auch die Politik hat das Problem inzwischen erkannt: "Der Minister hat einige Maßnahmen gegen Lieferengpässe bei Arzneimitteln vorgeschlagen, die gegenwärtig im Parlament beraten werden", erklärte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums auf Anfrage der RNZ. Zu diesen Plänen gehört etwa eine Meldepflicht für Pharma-Unternehmen und Großhändler, um Lieferengpässe frühzeitig zu erkennen, Vorgaben für die ausreichende Lagerhaltung von Medikamenten oder die Möglichkeit, Medikamente einzusetzen, die in ausländischer Sprache gekennzeichnet sind. Zudem sollen Apotheker auch teurere Arzneimittel abgeben dürfen, wenn die mit den Kassen vereinbarten rabattierten Medikamente nicht zur Verfügung stehen.
Zu den Gründen für die Engpässe gehört die Abhängigkeit bei bestimmten Arzneimitteln von wenigen Produktionsstandorten in Indien oder China. Doch sind dem Gesetzgeber hier die Hände gebunden. "Es ist eine unternehmerische Entscheidung, wo ein Hersteller seine Wirkstoffe produziert", erklärt die Ministeriums-Sprecherin.
Die Pharmahersteller wiederum schieben den Krankenkassen den Schwarzen Peter zu und fordern eine Mehrfachvergabe von Rabattverträgen. "Einer der Hauptgründe für Lieferengpässe ist die damit verbundene Herstellerkonzentration. Gerade bei Rabattverträgen mit nur einem Hersteller ist die Gefahr von Lieferengpässen groß", erklärt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller, Hubertus Cranz. Eine Forderung, die bislang auf wenig Anklang stößt. Stattdessen verspricht Gesundheitsminister Jens Spahn: "Wir werden auf internationaler Ebene nach Lösungen suchen, damit wieder Arzneimittel in Europa hergestellt werden."
