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Январь
2020

Serienkiller aus Frankreich: Per Zeitungsannonce fand er einsame Frauen - und ließ sie für immer verschwinden

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Die Nachkriegswirren machten es Henri Landru leicht. Unzählige Menschen wurden vermisst, Familien suchten ihre Angehörigen, Soldaten ihre Frauen. Wer in diesem Wirrwarr untertauchen wollte, hatte leichtes Spiel. Und wenn in dieser Zeit jemand verschwand, waren die Behörden völlig überlastet, um wirklich suchen zu können.

Und so dauerte es eine ganze Zeit, bis die Damen - meist einsame Witwen mittleren Alters - nach einem Ausflug aufs Land vermisst wurden. Ihre Geschichten und die ihres Todes wurden in einem Buch aufgegriffen. Dafür hat der Autor, Richard Tomlinson, alte Gerichtsakten und Zeitungsartikel gesichtet. Und zeichnet ein Bild von einem durchweg durchtriebenem Mann, der mindestens zehn Frauen ermordete - und am Ende auch vor Gericht wenig Hehl darum macht, wie sehr er Frauen verachtet.

Landru und seine Geliebte Fernande Segret, 1918

Das Leben des Henri Landru begann 1869 wenig spektakulär. Er wurde als Sohn einer Schneiderin und eines Hüttenmachers geboren, besuchte eine katholische Schule und fiel höchstens durch Lerneifer auf. Den bewahrte er sich und ließ sich nach seiner Schulzeit fortbilden und bekam eine Stelle in einem Architektenbüro. Er heiratete seine Cousine, mit der er bereits ein uneheliches Kind hatte. Es folgten noch drei weitere Kinder

Betrug, Heiratsschwindel, Mord

Doch Landru verließ sein geordnetes Leben. Es begann mit ein paar kleineren Betrügereien, 1908 verlagerte er sich auf Heiratsschwindel - und landete prompt im Knast. Nach seiner Entlassung machte er munter weiter und wurde bald von der Polizei gesucht. Eine neue Identität musste her. Die verschaffte ihm Zeit. In Paris tauchte er unter. 


© akg-images/

1914 schaltete er eine Anzeige, eine Heiratsannonce. Bereits da, so der Autor, sei der Vorsatz schon längst getroffen worden: Landru wollte töten und sich das Vermögen der Damen aneignen. In den kommenden fünf Jahren wird er mindestens zehn Frauen, einen Jungen und zwei Hunde umbringen. Laut den Akten der französischen Ermittler soll sich Landru mit 283 Frauen getroffen haben. So ist heute sicher: Die genaue Zahl seiner Opfer wird man wohl nie erfahren.

Am 12. April 1919 stehen plötzlich Polizisten in seiner kleinen Wohnung in der Nähe des Pariser Bahnhof Gare du Nord. Sie waren dem Serienkiller auf die Schliche gekommen. Mitverantwortlich waren die Angehörigen der Opfer. Zwar war die Vermisstenabteilung überlastet, doch Familien der Toten ermittelten selbst. Eine Schwester eines Opfer erkannte Landru in Paris. Der anschließende Prozess erschüttert die Pariser Einwohner und erzeugte ein großes Medieninteresse. Das lag auch an mangelnden Themenalternativen, denn die Zeitungen durften aufgrund der Zensur nicht über innenpolitische Themen berichten. Da kam der Kriminalfall von Landru genau richtig - und lockte viele Zuschauer in den Gerichtssaal. Die Plätze waren begehrt. Rund 150 Zeugen wurde ab dem 7. November 1921 angehört. Doch es war kein leichter Prozess, denn die wichtigsten Beweise fehlten - die Leichen.Magarethe Gottfried

So brachte Henri Désiré Landru die Frauen um

Landru hatte sein Opfer aufs Land eingeladen. Er selbst gab sich als vermögender Mann, mal als höherer Beamter, mal als Fabrikbesitzer aus. Die Häuser, in denen er seine Opfer willkommen hieß, hatte er gemietet. Die Fahrkarten, die er für die Reise buchte, folgten immer der gleichen Logik: Eine einfache Fahrt für die Damen, ein Hin- und Rückfahrticket für ihn. Die Frauen wurden nie wieder gesehen. Er ermordete sie in den Häusern.

Doch Durchsuchungen der Polizei ergaben zunächst herzlich wenig. Kadaver der Hunde wurden gefunden, auch Damenstrümpfe, Teile eines Korsetts und Überreste von Schuhen. Mehr nicht. Zunächst. Denn bei einer späteren Untersuchung fanden die Ermittler Knochenreste - Teile von drei menschlichen Schädeln, fünf Füße und drei Hände. Offenbar hatte Landru seine Opfer im Ofen verbrannt. 

Andrée Babelay (19) und Célestine Buisson wurde zu Landrus Opfern.
© akg-images/

Der Fall wurde, so Tomlinson, vor allem durch die Beharrlichkeit der weiblichen Opferangehörigen aufgeklärt. Und die hatten es nicht leicht. Denn es war zu dieser Zeit ein Vorteil, ein Mann zu sein. Ladenbesitzer, Kutscher, Schuster - sie alle wurden von den weiblichen Angehörigen um Hilfe gebeten. Und sie alle lehnten ab. Vor Gericht versuchte Landru, die Glaubwürdigkeit der weiblichen Zeuginnen zu diskreditieren, schließlich handele es sich um das "schwache Geschlecht", zitiert Tomlinson aus den Akten. Auch der Richter urteilte über die zehn toten Frauen, sie seien "dumm, schwach, mutwillig, ignorant und naiv" gewesen. Die Zeitungen verhöhnten die Näherinnen, Zimmermädchen oder Prostituierten, die vor Gericht erschienen waren. Landru habe das "Gegacker" der Frauen im Gerichtssal kaum ertragen, schreibt Tomlinson. Man könne ihnen nicht vertrauen, soll Landru gesagt haben, gerade weil sie Frauen sind, zitiert die "Daily Mail".

Landru beteuerte bis zum Schluss seine Unschuld, alle Vorwürfe wies er von sich. Er zog es vor, den Staatsanwalt, den Richter und die Jury mit einer einzigen Frage anzusprechen. "Ihre Beweise, Messieurs, wo sind Ihre Beweise?" Die Geschworenen glaubten seinen Beteuerungen nicht. Am 25. Februar 1922 wurde er morgens auf der Guillotine hingerichtet.






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