1225-jähriges Bestehen: Auf Zeitreise durch Berwangen
Von Detlef Brötzmann
Kirchardt-Berwangen. Mit einem festlichen Jubiläumsdinner in der Dorfhalle am Mittwochabend endeten die Feierlichkeiten zum 1225-jährigen Bestehen des Kirchardter Ortsteils. Auf der Suche nach einer Idee zu einem glanzvollen Abschluss fand der FC Berwangen in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung die Lösung: ein Dinner mit einem Vier-Gänge-Menü, unter anderem mit "Berwanger Nudelschneider-Suppe". Für die Zubereitung des Festmahls war es dem Verein gelungen, Koch Bruno Huber vom Hotel & Restaurant "Zehntscheune" in Hilsbach zu gewinnen. Das Service-Team zur Bewirtung in der Dorfhalle stellte der Verein mit eigenen Mitgliedern.
Nach einem verhaltenen Anlauf des Kartenvorverkaufs kam der Zulauf nun doch zum Schluss. Bei 100 Plätzen waren knapp 80 Gäste gekommen, berichtete FC-Vereinsvorsitzender Jürgen Schellenberger hocherfreut, der zwischendurch schon mit dem Gedanken gespielt hatte, die Veranstaltung abzusagen. Zwischen den Gängen nahm Ortschronist Dr. Joachim Hartmann die Besucher in einem Power-Point-Vortrag mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte des Orts.
"Eine solche Veranstaltung hat es in der Geschichte Berwangens noch nicht gegeben", verdeutlichte Bürgermeister Gerd Kreiter hocherfreut in seinen Begrüßungsworten. Er erinnerte an die geschichtliche Zeitreise, die Hartmann bereits in der Dorfhalle vorgetragen hatte und einen sehr großen Zulauf und Anklang fand. Erst seit einigen Jahren befasst sich Hartmann intensiv mit der Geschichte des Ortes. Was er zusammengetragen hat, findet die Begeisterung der Einwohnerschaft.
Erstmals wird der Ort Berwangen im Jahr 793 im Lorscher Codex genannt, als "Hilteburc deo sacrata" dem Kloster das von Franken besiedelte Dorf "Beruuangen" schenkt. Entstanden sein muss Berwangen aber um das Jahr 500 unter den Alamannen mutmaßt Hartmann, der sich dabei auf die Entwicklung der umliegenden Gegend im Kraichgau stützt. Die Bedeutung des Ortsnamens Berwangen übersetzt er frei und salopp mit "Schweinelache". Den Wortteil "Ber" führt er dabei auf den Namen für das männliche Schwein, also Eber, zurück, und "wang" sei eine alte Bezeichnung für eine Niederung.
Doch Menschen haben in Berwangen schon viel früher gelebt. Dies beweisen ein Steinwerkzeugfund aus der Jungsteinzeit und eine Jupitersäule aus der Römerzeit. Erhalten geblieben ist auch das Berwanger Dorfbuch, das um das Jahr 1400 entstand und im Jahr 1547 neu aufgelegt wurde. Es enthält 41 Artikel auf zwölf Pergamentbögen, die Rechte und Pflichten, Ämter, die Gerichtsbarkeit, das Erbrecht, den Weinanbau und vieles andere mehr regelten.
Hartmann erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass der Weinbau in Berwangen einst zehn Mal umfangreicher betrieben wurde als heute. Das Dorf war einst mit einem Zaun aus "Stecken und Gerten" sowie zusätzlich mit Dornen umgeben, was aber wenig Schutz bot. Um die Kirche verliefen deshalb eine innere und eine äußere Mauer. Der 30-jährige Krieg und weitere Kriegsereignisse dezimierten die Bevölkerung stark. Die ersten Zuwanderer waren Soldaten, im 17. Jahrhundert kamen Zuwanderer aus der Schweiz, im 18. Jahrhundert aus Württemberg und Brandenburg. Die letzte Zuwanderungswelle kam nach dem Zweiten Weltkrieg. Jeder vierte Berwanger war nun ein Heimatvertriebener. Doch es gab auch Auswanderung: Hungersnöte trieben die Menschen nach Vorpommern, Bessarabien und nach Nordamerika.
Abschließend ging Hartmann auf die jüdische Geschichte Berwangens ein. Im Jahr 1861 waren 20 Prozent der Einwohner jüdischen Glaubens. Es gab eine Synagoge, eine jüdische Schule, zwei jüdische Schlachthäuser und ein jüdisches Kolonialwarengeschäft. Der jüdische Friedhof blieb erhalten. Der kräftige Beifall am Ende des Vortrages zeigte, dass das geschichtliche Thema gut zum Jubiläumsdinner passte. Zum Abschluss wagte Bürgermeister Gerd Kreiter einen Ausblick in sinnierender Form, wie es in Berwangen in 25 Jahren aussehen könnte.
