Dresden gegen Sandhausen: Kreuz und quer durchs Land gejagt
Von Wolfgang Brück
Sandhausen. Otmar Schork zuckte bedauernd mit den Schultern. "Wenn die DLF ein Spiel ansetzt, hast du keine Chance", sagte der Geschäftsführer des SV Sandhausen nach der 0:3-Pokal-Niederlage in Heidenheim. Die Herren der Deutschen Fußball-Liga, deren Herzen nicht unbedingt für Vereine aus der Provinz schlagen,jagen die Kurpfälzer kreuz und quer durch Deutschland: Letzten Samstag hoch ins Ostwestfälische nach Paderborn und am Dienstag ins Schwabenland nach Heidenheim.
Am gestrigen Donnerstag machten sich die Sandhäuser auf die lange Fahrt nach Dresden, wo es am heutigen Freitagabend (18.30 Uhr/Sky) in der Zweiten Liga weitergeht. Rund 2100 Kilometer auf der Straße, über 20 Stunden im Bus, drei Auswärtsspiele in sieben Tagen. Otmar Schork schüttelt den Kopf, kann nicht verstehen, warum das Spiel in Dresden nicht auf Sonntag terminiert wurde.
Auch der Trainer wundert sich, will aber auf keinen Fall, dass seine Profis die Strapazen als Alibi missbrauchen. Uwe Koschinat versucht zu ändern, was in seiner Macht steht. Auffallend: Der Neue redet Klartext. Nach der Pokalpleite in Heidenheim erklärte der 47-jährige Fußballlehrer: "Die Quer- und Rückpässe in der Anfangsphase waren eine Einladung für den Gegner." Beim neuen Übungsleiter soll es immer nach vorne gehen. "Dort hin, wo das andere Tor steht." Auch der Kapitän hinterfragte die Einstellung. "Vielleicht sind einigen die beiden Spiele ohne Niederlage nicht bekommen. Vielleicht dachten sie, es wird ein Selbstläufer", rätselt Stefan Kulovits.
Eine wirkliche Chance hatte Sandhausen in Heidenheim nicht. Durch die Tore von Marc Schnatterer (8.) und Nikola Dovedan (20.) war nach nicht mal einer halben Stunde schon alles vorbei. Später packte Dovedan noch das dritte Tor drauf (86.).
Koschinat sprach von einer "Lehrstunde in Sachen Zweitliga-Kern-Kompetenzen". Der Trainer meinte, dass Sandhausen mit dem 0:3 noch gut weggekommen sei. Denn mit dem Vorsprung im Rücken war das Spiel wie maßgeschneidert für die abwehr- und konterstarken Hausherren. Sicher, nicht alles war schlecht. "Wir haben nach dem 0:2 gut gespielt", reklamierte Fabian Schleusener. Sandhausens bester Schütze, der diesmal leer ausging, musste jedoch zugeben: "Irgendwie waren wir nicht zielstrebig genug."
Weil ein Unglück selten allein kommt, erlitt Tim Kister kurz Schluss einen Bruch des Mittelfußknochens. Der 31-jährige Innenverteidiger wird zehn bis zwölf Wochen ausfallen. Der Routinier hatte sich den rechten Fuß an gleicher Stelle schon einmal gebrochen, Ende März, und fiel damals für den Rest der Runde aus.
Dabei macht die Abwehr ohnehin Sorgen. Koschinat weiß: "Wenn wir in jedem Spiel drei Gegentore kriegen, wird es nichts mit dem Klassenerhalt." Der Kader sei groß, tröstet Schork, fast 30 Profis. Der erfahrene Markus Karl, der in der Versenkung verschwundene Russe Aleksandr Zhirov und Marcel Seegert, der viel Herzblut mitbringt, könnten Kister in Dresden ersetzen. Ob Rurik Gislason, der beim 3:3 in Paderborn einen Wunde am Schienbein erlitt, heute Abend dabei sein kann, ist fraglich. Denis Linsmayer, dem der Trainer in Heidenheim eine Pause gönnte, kehrt zurück.
Er sei "sehr enttäuscht", gestand Jürgen Machmeier. Allzu leicht habe man es den Heidenheimern gemacht durch die schnellen Gegentore. Das Pokalgeld, 700.000 Euro standen auf dem Spiel, hätte man gut brauchen können, ärgerte sich der Präsident. Und tröstete sich: "In Dresden geht es um noch mehr Geld." Den Hinweis auf sechs Gegentore in den letzten drei Spielen konterte er: "Wir haben auch sieben Tore erzielt."
Trübe Gedanken verdrängt auch Fabian Schleusener. "Ich freue mich auf die große Kulisse heute Abend in Dresden", versichert er. Wieder knapp 30.000 werden im Rudolf-Harbig-Stadion erwartet, die Begeisterung ist ungebrochen beim achtmaligen DDR-Meister, auch wenn die Sachsen seit vier Spielen nicht mehr gewonnen haben. Als Rang-13. trennen sie sechs Punkte vom Drittletzten Sandhausen. Ermunterung kommt ausgerechnet aus Sachsen.
Englische Wochen, so weiß Helge Leonhardt, seien eine feine Sache. "Die Profis müssen nicht intensiv trainieren und können stattdessen in kurzer Zeit viel Geld verdienen", macht der Präsident des FC Erzgebirge Aue Appetit. Zumindest der Sandhäuser Kapitän Stefan Kulovits muss davon nicht überzeugt werden. Der Österreicher erklärt: "Ich mag englische Wochen." Hoffentlich auch noch nach heute Abend.
