Löwen zittern nur kurz: Große Erleichterung nach dem 30:25-Sieg beim Bergischen HC
Von Daniel Hund
Düsseldorf. Die Erinnerungen an den Düsseldorfer ISS Dome waren gut: Mittwoch, 22. August 2018. Rhein-Neckar Löwen gegen Flensburg. Handball-Supercup. Endstand: Löwen 33, Flensburg 26. Der erste Titel der Saison war eingetütet. Am Donnerstagabend stand nun die Rückkehr in den futuristischen Betontempel vor den Toren Düsseldorfs an - Bundesliga-Alltag. Diesmal hieß der Gegner Bergischer HC. Und an den waren die Erinnerungen nicht ganz so gut: Kürzlich wären die Badener beinahe über den BHC gestolpert, mühten sich Mitte Oktober zu einem 32:29-Zittersieg im Achtelfinale des DHB-Pokals.
Zwei Wochen später sollte es nun besser werden. Souveräner. Das wurde es: 30:25 (15:13) hieß es am Ende vor 6758 Zuschauern. Dementsprechend groß war auch die Erleichterung. Oliver Roggisch, der Sportliche Leiter der Löwen, schlenderte grinsend durch die Katakomben: "Wir hatten zwar wieder eine kleine Schwächephase drin. Letztlich war das aber über 55 Minuten eine gute Leistung von uns." Und weiter: "Vielleicht hätten wir den Sack noch einen Tick früher zu machen können."
Los legten die Löwen mit Steffen Fäth. Und das war gut so. Der traute sich was, der war sofort da: Kaum am Ball, hieß es bei ihm auch schon Feuer frei: Drei Versuche, drei Tore. Der Nationalspieler war zunächst der Alleinunterhalter in der Löwen-Offensive. Vor ihm sah es diesmal ein wenig anders aus. Jesper Nielsen spielte Angriff und Abwehr, machte vorne am gegnerischen Kreis den Kohlbacher.
Ein Schachzug von Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen, der voll aufging. Der Ball lief, Lücken entstanden - wenn da nur die Chancenverwertung nicht wäre. Vieles wurde in den ersten Minuten verballert. So viel, dass die Löwen sich nicht absetzen konnten, dass es Kopf-an-Kopf durch den ISS Dome ging. In Zahlen: 6:6 (15.).
Doch dann hatte der Chef ein Einsehen, Jacobsen bat zur Auszeit, stellte um, redete, organisierte - und machte mal wieder alles richtig: Angeführt durch Jannik Kohlbacher, den Kreisbrecher, wirkte nun alles einen Tick konzentrierter, abgezockter. In der 19. Minute lagen die Löwen erstmals mit drei Toren vorne (9:6.), hatten wenig später aber auch einen kleinen Schock zu verdauen: Der bis dahin starke Fäth musste nach einem Zusammenprall humpelnd das Feld verlassen und hatte ab sofort einen neuen Job: Daumen drücken statt Tore werfen. Später gab’s Entwarnung. "Es ist nur ein Pferdekuss", sagte Roggisch.
In die Pause ging’s mit einem Zwei-Tore-Polster. Mit 15:13. Mit zittrigen Händen, auf und abseits der Platte. Denn wer die Löwen in der Saison 2018/2019 kennt, der weiß vor allem eins: Wenn sie etwas nicht können, dann ist es momentan einen Vorsprung souverän runter zu spielen. Höhen und Tiefen wechseln sich munter ab.
Nach der Pause folgte erst mal ein Mega-Hoch, ein gelbes Feuerwerk: In Siebenmeilenstiefeln stürmte die Jacobsen-Sieben auf 18:13 davon. Ruhig wurde es in der Halle. Resignation machte sich breit. Aber nur kurz, bis zum 20:23. Da war der Aufsteiger nämlich wieder dran, beflügelt von einem 3:0-Lauf.
Würden die Löwen etwa erneut wackeln, vielleicht sogar komplett einbrechen? Nein, sie zogen sie es durch, blieben cool und stiefelten mit zwei wichtigen Punkten im Gepäck in Richtung Mannschaftsbus.
Stenogramm: 3:3, 6:6, 6:9, 10:12, 12:13, 13:15 (Halbzeit), 13.18, 15:20, 17:22, 20:23, 21:26, 25:30 (Endstand).
Bergischer HC: Gunnarsson 6/2, Nippes 3, Baena 2, Babak 1, Gutbrod 7, Boomhouwer 6/3.
Löwen: Schmid 2, Sigurdsson 8/2, Fäth 4, Taleski 5, Guardiola 2, Petersson 5, Kohlbacher 4.
