Auszeichnung: Heidelberg ist jetzt "Waldhauptstadt"
Von Karin Katzenberger-Ruf
Heidelberg. Staffelstabübergabe an der Schlossblickhütte: Mit diesem symbolischen Akt trat die im Sauerland gelegene Stadt Brilon gestern den Titel "Waldhauptstadt" an Heidelberg ab. Vergeben wird dieser durch die weltweit agierende Waldschutzorganisation "Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes" (PEFC). Für Heidelberg ist es schon die zweite Auszeichnung der Organisation: Im Juli 2015 erhielt die Stadt das Zertifikat "Erholungswald".
"Wir haben vom Titel ,Waldhauptstadt 2017’ profitiert", sagte Brilons Bürgermeister Christof Bartsch. Die Stadt mit über 26.000 Einwohnern gilt als "waldreichste" in Deutschland, ist staatlich anerkanntes Kneippheilbad und hat jährlich etwa 250.000 Übernachtungsgäste. Um den Titel "Waldhauptstadt" kann man sich bewerben und muss dafür ökologische, ökonomische sowie soziale Kriterien erfüllen. Nachhaltigkeit ist das Stichwort, ein Begriff, der aus der Forstwirtschaft stammt.
Für Heidelberg war es die zweite Bewerbung, jetzt konnte die Jury mit Vertretern der Wald- und Holzwirtschaft, von Umweltverbänden und Gewerkschaften überzeugt werden. Der hiesige Stadtwald umfasst rund 4000 Hektar und nimmt damit gut ein Drittel der Heidelberger Gemarkung ein. Als "Waldhauptstadt" sollte Heidelberg ein größeres Veranstaltungsprogramm auf die Beine stellen. An dem wird laut Bürgermeister Wolfgang Erichson noch gearbeitet. Fest steht, dass PEFC im Juli seine Jahrestagung in Heidelberg veranstalten wird. Im Terminkalender der Veranstaltungsreihe "Natürlich Heidelberg" wird das Thema "Waldhauptstadt" sicher auch eine Rolle spielen. Mit dem Titel ist auch verbunden, dass PEFC der Stadt 1000 Forstpflanzen stiftet, die dann in einer öffentlichen Aktion in die Erde kommen sollen. Die Zöglinge bestehen zu etwa gleichen Teilen aus Tannen, Eichen und Edellaubbäumen. Unter anderem sollen bei der Aktion die drei Waldkindergärten der Stadt dabei sein.
Nach der Übergabe des Staffelstabs machten die Gäste noch einen Abstecher zur Kuppe des Heiligenbergs. Dort erklärte der Handschuhsheimer Revierförster Andreas Ullmann, was bei Fällarbeiten ab Februar 2016 zu beachten war, denn auf dem Areal einer ehemaligen Keltensiedlung spielt auch stets der Denkmalschutz eine Rolle. Rund 1000 Bäume wurden damals rund um Thingstätte und Michaelsbasilika gefällt, darunter viele Buchen, um den Eichen eine Chance zu geben. Zur "Naturverjüngung" seien Lichtkegel nötig, damit es die Sonne bis auf den Waldboden schaffe. Der Blick nach oben machte klar, dass da auch bei bald wieder belaubten Bäumen genügend Licht nach unten kommt. Die Kosten beliefen sich damals auf 70.000 Euro, erklärte der Leiter des städtischen Landschafts- und Forstamtes, Ernst Baader. Die kamen aber durch den Verkauf von etwa 1400 Festmetern Holz wieder rein. Es soll sogar ein leichtes Plus gegeben haben.
