SAP-Bilanz: McDermott kauft im "entscheidenden Moment"
Von Daniel Bernock
Walldorf. Nach rund vier Jahren ohne größere Zukäufe kann der Software-Konzern SAP wieder eine Milliarden-Akquisition vermelden. Wie das Walldorfer Unternehmen am Dienstag wenige Stunden vor dem Verkünden der Jahreszahlen bekannt gab, soll die US-Firma Callidus Software ein Teil des SAP-Konzerns werden. Das börsennotierte Unternehmen bietet Cloud-Software im Bereich Kundenbeziehungsmanagement an - speziell zugeschnitten auf die Bedürfnisse von Vertriebsmitarbeitern. SAP bietet nach eigenen Angaben mit 36 US-Dollar pro Aktie einen Aufschlag von rund 20 Prozent auf den Durchschnittspreis einer Callidus-Aktie für drei Monate. Damit hat das 1996 gegründete Unternehmen einen Wert von rund 2,4 Milliarden US-Dollar (rund 1,9 Milliarden Euro).
SAP-Chef Bill McDermott sprach am Dienstag mit Blick auf den Zeitpunkt der Übernahme von einem "entscheidenden Moment". "Wir sind mitten in einer Wachstumsrevolution, die durch die Konsumenten getrieben wird", so der Amerikaner, der seit 2010 an der Spitze des größten europäischen Software-Konzerns steht. Die Kunden würden sich daher in Vertrieb, Service, Marketing und Handel völlig neu aufstellen. Die Software von Callidus erweitere das SAP-Portfolio nun etwa um den Bereich Vertriebsprognose. Die Callidus-Aktionäre und die Wettbewerbsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen. Ein Abschluss wird laut SAP im zweiten Quartal erwartet. McDermott kündigte jedoch an, dass nicht mit weiteren großen Zukäufen in naher Zukunft zu rechnen sei. "Wir wollen weiterhin organisch wachsen", so der Vorstandsvorsitzende.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte der Walldorfer Konzern die selbst gesteckten Ziele erreichen, traf jedoch die Erwartungen der Analysten nicht ganz, speziell bei der Profitabilität. Der Umsatz stieg um sechs Prozent, der Nachsteuergewinn legte kräftig um zwölf Prozent zu. Die Reform des US-Steuersystems brachte dem Konzern einen positiven Einmaleffekt in Höhe von 200 Millionen Euro.
Verbesserungen versprach das Unternehmen bei den Margen. Die Umsatzrendite - das, was vom Umsatz als Gewinn vor Steuern und Zinsen übrig bleibt - soll im laufenden Geschäftsjahr das erste Mal seit 2013 wieder zulegen. Das Jahr 2017 sei ein Wendepunkt gewesen, sagte Finanzvorstand Luka Mucic. Dieses Jahr sollen die Margen wieder steigen. Im vierten Quartal habe sich diese Entwicklung bereits angekündigt. Das Geschäft mit Mietsoftware, bei dem Kunden die Programme und Daten über das Internet nutzen, ist für Firmen wie SAP erst einmal kostenintensiv, da hohe Investitionen etwa in Rechenzentren und neue Technologien notwendig sind. Zudem zahlen Kunden im Vergleich zum Lizenzgeschäft niedrige monatliche Gebühren statt eines großen Betrags.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr legte das Cloud-Geschäft erneut kräftig zu, und wuchs um 26 Prozent auf 3,77 Milliarden Euro. Das Kerngeschäft mit Lizenzsoftware verbesserte sich leicht um zwei Prozent auf 15,78 Milliarden Euro.
Für das laufende Jahr zeigte sich der Vorstand gestern optimistisch: "SAP steht besser da als jemals zuvor", sagte Finanz-Chef Mucic. McDermott lobte die Steuersenkungen in den USA durch Präsident Donald Trump. Das habe nicht nur einen positiven wirtschaftlichen Effekt auf die USA, sondern auf die gesamte Welt.
