Große Katastrophen-Schutzübung in Heidelberg: 500 Personen probten den Ernstfall auf dem Neckar und im Uniklinikum (plus Fotogalerie)
Von Timo Teufert
Heidelberg. Um 16.45 Uhr geht der "Notruf" in der Rettungsleitstelle ein: Auf der "Neckarsonne" hat es eine Explosion gegeben. Das Schiff ist manövrierunfähig, es ankert vor der Insel an der Schurmanstraße. Für die Rettungskräfte der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), die als erstes am Einsatzort eintreffen, bietet sich ein dramatisches Bild: Der Innenraum ist völlig verraucht, man kann kaum etwas sehen. Tische und Stühle sind kreuz und quer über das Deck verteilt, dazwischen liegen rund 70 verletzte Passagiere, die um Hilfe schreien und vor Schmerzen ächzen.
Das Szenario auf dem Schiff war Teil einer großen Katastrophen-Schutzübung, die am Freitag auf dem Neckar, auf dem Neckarvorland und in der Uniklinik stattfand. Geprobt wurde dort der sogenannte "Massenanfall von Verletzten" - also mehr als 50 Personen, die versorgt werden mussten.
Geübt werden sollte dabei vor allem die Zusammenarbeit zwischen den Hilfsorganisationen: Während sich die DLRG um die Bergung der Verletzten und den Transport zur Wasserschachtel kümmerte, wurden die Patienten dort schon eine halbe Stunde nach dem Notruf von den Leitenden Notärzten in Empfang genommen: "Für uns war die Herausforderung, alle zu sichten und schnell zu kategorisieren", berichtet Patrick Schottmüller.
Das lief im sogenannten Triage-System ab: Dabei werden die Patienten in drei Kategorien (rot für die Schwerverletzten, gelb für andere Verletzungen und grün zur Beobachtung) eingeteilt. Zusammen mit seinen Kollegen Cornelius Busch und Oliver Gutzeit musste er die Patienten herausfiltern, die sofort versorgt werden mussten. Acht weitere Notärzte behandelten dann die Verletzten vor Ort, beispielsweise um ihre Blutungen zu stillen oder sie zu beatmen.
Unterdessen bauten die Ehrenamtlichen des Malteser Hilfsdienstes auf dem Neckarvorland einen Behandlungsplatz mit mehreren Zelten auf, damit Patienten auch vor Ort versorgt werden konnten. Unterstützt wurden sie von der Freiwilligen Feuerwehr aus der Altstadt.
Die Führungsgruppe der Heidelberger Feuerwehr war mit dem Container für die Einsatzleitung vor Ort, und auch das Technische Hilfswerk und die Polizei waren zur Stelle. "Insgesamt sind 500 Personen an der Übung beteiligt", sagte Frank Karlein von der Berufsfeuerwehr. Eine besondere Herausforderung für die Helfer waren gestern das nasse Wetter und die Dunkelheit.
Auch für die Darsteller der Verletzten, allesamt Mitglieder des Vereins "Emergency Simulation" aus Saarbrücken, die sich auf solche Großübungen spezialisiert haben und die mit zwei Bussen angereist waren.
Doch nicht nur auf der Neckarwiese fand die Übung statt, auch das Uniklinikum war mit beteiligt: "Die Chirurgie wird abgeriegelt und in der Eingangshalle eine weitere Patiententriage eingerichtet", berichtet Jürgen König, Leiter der Abteilung Sicherheit und Ordnung am Uniklinikum. Dort wurde die schlagartige Umstellung vom normalen Patientenbetrieb auf die Notfallversorgung geprobt. Gleichzeitig fand in der Kopfklinik ein weiteres, internes Übungsszenario statt: Im Erdgeschoss trat eine schwach radioaktive Flüssigkeit aus, weshalb die "Patienten" der Augenklinik in Richtung Medizinische Klinik evakuiert werden mussten.
"Die Übung zeigt, dass es wichtig ist, so ein Szenario zu trainieren", erklärte Feuerwehrchef Georg Belge. Bei den Abläufen gebe es noch Optimierungsbedarf. "Nur durch Üben kann man die Schwachstellen aufdecken, um besser zu werden." Lob gab es von Oberbürgermeister Eckart Würzner und Hermann Schröder, dem Leiter der Abteilung Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement im baden-württembergischen Innenministerium. "Man hat sich hier eine schwierige Lage vorgenommen", sagte Schröder. Doch es sei wichtig, solche Szenarien zu proben, denn auf Rhein und Neckar seien immer mehr Personen- und Hotelschiffe unterwegs. Da sei es gut, wenn alle Beteiligten vorbereitet seien.
