Haben Sie Ihr Herz verloren?: Zwei Senioren suchen Heidelberger Liebespaare
Von Anica Edinger
Heidelberg. Jede Sekunde könnte sich ein Single in Heidelberg verlieben. Vielleicht jetzt gerade, in genau diesem Moment. Jedenfalls ist Siegfried Rodat davon fest überzeugt. "Es funkt immer und überall in Heidelberg", sagt der 81-Jährige. Das hat er bei seinen Spaziergängen an der Neckarwiese schon oft beobachtet. "Einmal war ein Pärchen dort so sehr verliebt, dass die beiden ihre Füße in den Neckar strecken mussten - um sich abzukühlen", ist Rodat sicher. Das habe ihn an seine eigene Jugend erinnert - und so kam ihm in eben jenem Moment eine zündende Idee: Unzählige Menschen haben hier, in Heidelberg, ihr Herz verloren. "Es wäre doch schön, wenn man Leute findet, die ein Herz in Heidelberg verloren haben - und davon berichten möchten."
Aus diesen Liebesgeschichten will Siegfried Rodat ein Buch machen, als Projektpartner hat er sich seinen Freund Knut Schimmel ins Boot geholt. Die beiden Senioren kennen und schätzen sich schon seit einigen Jahren. Der Kontakt kam in der Akademie für Ältere zustande, wo Rodat unter anderem Kommunikationsseminare gibt. Knut Schimmel nahm an einem dieser Kurse teil - "dann haben wir erst einmal ein Glas Bier miteinander getrunken", lacht Rodat. Irgendwann zeigte Schimmel seinem neu gewonnen Freund seine Schriften. "Eigentlich habe ich mein Leben lang in der Gastronomie gearbeitet", berichtet der 73-jährige Dossenheimer. Zuletzt war er Einkaufsleiter im Marriott-Hotel in Bergheim. Doch irgendwann fing Schimmel an, sich mit Geschichten zu beschäftigen - und seine eigenen zu schreiben. "Dabei geht es um alles Mögliche: Um Lachen und Frauen, aber auch um den Schlaf oder die Lüge." 2012 brachte er das Buch "Warten und Hoffen: Mein Umgang mit dem Prostata-Krebs" heraus.
Rodat gefielen seine Geschichten - und daher ist er überzeugt: "Knut ist genau der Richtige dafür, um die Liebesgeschichten in Worte zu packen." Jetzt geht es also nur noch darum, Verliebte zu finden. Einzige Voraussetzung: Es muss hier in Heidelberg gefunkt haben. Wer sich angesprochen fühlt, der kann sich telefonisch oder per E-Mail bei einem der beiden Männer melden. Dann soll ein persönlicher Interviewtermin zwischen allen Beteiligten vereinbart werden. Schließlich ginge es auch darum, die Individualität jeder einzelnen Liebesgeschichte herauszuarbeiten. Und: "Wir behandeln die Offenlegungen der Menschen geheim, seriös und verantwortungsvoll", versprechen Schimmel und Rodat. Beide sind sich bewusst, dass es sich dabei um eine "intime Angelegenheit" handelt. Daher müsse erst einmal Vertrauen aufgebaut werden. Außerdem betonen Rodat wie auch Schimmel: "Wir wollen damit keinen Profit machen." Es ginge lediglich darum, Heidelberg als Stadt der Romantik Gesichter zu verleihen - den alten Mythos also in Realität zu verwandeln.
Und wie steht es eigentlich um die Herzen der beiden Projektinitiatoren? Siegfried Rodat hat seines in Bayern - seiner Heimat - verloren. Nach Heidelberg verschlug es ihn und seine Frau wegen der drei Kinder. Denn die blieben nach dem Studium an der Ruperto Carola alle hier - teils auch wegen der Liebe. "Wir haben sechs Enkelkinder in Heidelberg", was wolle man da noch in Bayern, meint Rodat. Schimmel lernte seine Frau in der Sauna kennen - und hat sein Herz "in Dossene verloren", wie er selbst sagt. Obwohl beide sich also nicht in Heidelberg verliebt haben, ist Rodat zuversichtlich: "Es gibt genug verlorene Herzen da draußen. Man muss sie nur suchen."
Info: Wer seine Heidelberger Liebesgeschichte teilen will, meldet sich bei Siegfried Rodat (Telefon: 06221/4379825, E-Mail: siegfried-rodat@t-online.de) oder bei Knut Schimmel (Telefon: 06221/7287035, E-Mail: knut-schimmel@t-online.de).
