Elif Eralp, Spitzenfrau der Linken, hat Angst vor dem radikalen Milieu, das sie in Teilen gewählt hat. Diese Enthüllung des "Spiegels" muss Folgen haben: Die Berliner SPD muss das Linksprojekt jetzt beenden. Am heutigen Tag dürfte die Berliner Fast-Koalition von Linkspartei, Grünen und SPD gestorben sein. Die Frontfrau der Berliner Linken, Elif Eralp, hat in einem internen Vermerk eingeräumt, sie fürchte sich vor Hamas-Sympathisanten in der Hauptstadt. Sie und ihr Mann hätten "Angst vor diesen Leuten", so Eralp in dem Dokument, über das der "Spiegel" im Zuge eines Interviews mit ihr berichtete . Eralps Team hatte dem Magazin versehentlich eine unautorisierte Version des Interviews zugesandt, gespickt mit internen Hinweisen. Eralp wollte offenbar den Namen des Terrorunterstützers Ibrahim Ibrahim aus dem Interview streichen, der einen guten Draht zu Linkenpolitikern pflegt und auch auf der Wahlparty der Linkspartei auftauchte. Die Enthüllung lässt nur einen Schluss zu: Die Frau, die Regierende Bürgermeisterin der deutschen Hauptstadt werden will, kapituliert vor radikalen Islamisten und ihren Unterstützern in der eigenen Partei. Als mögliche Amtsträgerin ist sie damit nicht tragbar. Wer einen Kotau vor Extremisten macht, gibt ihnen die Räume, die sie brauchen, um ihren Einfluss auszudehnen. Wie groß dieser Einfluss bereits ist, wurde der Öffentlichkeit an diesem Tag bewusst. Es muss klar sein: Eralp darf keine politische Verantwortung in dieser Stadt tragen. Das Verlogene: Nach außen hin beklagte die Linkspartei, sie sei Opfer einer "rassistischen" Kampagne des politischen Gegners und der Medien. Jetzt kommt heraus: Intern sah es die Spitzenkandidatin ganz anders. Selten wurde ein Fall öffentlich, bei dem die öffentlichen und privaten Äußerungen einer Spitzenpolitikerin derart auseinanderklaffen. In einem Statement am Donnerstagmittag wollte sich Eralp nicht direkt zu den Enthüllungen äußern. Sie sprach von einer "vergifteten Debatte" und sagte, sie lasse sich nicht einschüchtern . Als Regierende Bürgermeisterin werde sie "gegen jede Form organisierter Kriminalität, Gewalt oder Terror" vorgehen. Doch den zentralen Widerspruch, dass Teile ihrer Partei ein radikales Milieu hofieren, vor dem sich ihre Frontfrau offenbar fürchtet, konnte oder wollte sie nicht auflösen. Eine Erzählung entpuppt sich als Märchen Das muss auch Folgen für die SPD haben, in Berlin und im Bund. Die Berliner SPD, die kürzlich die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit Linken und Grünen beschloss, hielt sich bisher mit der Erzählung bei Laune: Zwar gebe es bei der Linken unbestritten Probleme mit Antisemitismus und der Nähe zu Clankriminellen, aber die Führung der Linken habe die Lage unter Kontrolle. Diese Erzählung entpuppt sich jetzt als Märchen. Wer kann Elif Eralp jemals wieder vertrauen, wenn sie über Antisemitismus, Clankriminalität und innere Sicherheit in der Hauptstadt spricht, etwa wenn es um eine Gefahreneinschätzung geht oder die Frage, wie konsequent der Rechtsstaat durchgreifen muss und welche Ressourcen er dafür benötigt? Stets wird man sich fragen: Sagt sie dieses Mal die Wahrheit? Oder denkt sie privat ganz anders? Die Linkspartei wollte laut Wahlprogramm die Befugnisse und Mittelausstattung der Berliner Polizei beschneiden, aber ihre Frontfrau hat Angst vor Islamisten? Absurder kann es nicht mehr werden. Die SPD hat das Problem schon einmal kleingeredet Die SPD sollte jetzt nicht ihren Fehler wiederholen, das Problem zu verharmlosen. Das tat sie in dem Moment, als sie das Antisemitismusproblem der Linken an einzelnen Abgeordneten wie Vanessa Emde oder Ferat Koçak festmachte, obwohl längst klar war, dass diese Leute breite Unterstützung in der Partei genossen. Generalsekretär Tim Klüssendorf sagte noch Mitte Oktober, die Bundes-SPD vertraue "jetzt erst mal der Führung der Linken". "Das sind sehr anständige, solide Leute, dass sie in der Lage sind, ihre Probleme dort zu lösen." Wie jetzt herauskommt, sind sie das nicht. Elif Eralp war nicht nur nicht in der Lage, eine einzige Abgeordnete aus der Fraktion zu werfen. Sie traut sich noch nicht einmal, einen Hamas-Sympathisanten in einem Interview beim Namen zu nennen. Auch die Bundesspitze der Linkspartei hat mehrfach bewiesen, dass sie vor dem Problem lieber die Augen verschließt. Die Teile der SPD, die von Rot-Rot-Grün im Bund träumen, sollten den Vorfall als das nehmen, was er ist: ein Offenbarungseid, der die tiefer liegenden Missstände der Linkspartei schonungslos offenlegt. Aber die SPD sollte sich nicht nur über die Linkspartei und Elif Eralp Gedanken machen, sondern auch darüber, wie sich die politische Linke in Deutschland – zu der auch die Mitte-links-Partei SPD gehört – künftig aufstellen will: Als überwoke Linke, die sich unkritisch und naiv mit dem radikalen pro-palästinensischen Milieu verheiratet, Kritik an fehlender Distanz zu Terrorideologen und Clankriminellen als Rassismus abtut und sämtliche Probleme verschweigt, sobald sie im migrantischen Milieu zu verorten sind? Oder als politische Linke mit klaren Prinzipien, die für eine solidarische Gesellschaft kämpft und zugleich den Mut hat, die Feinde der offenen Gesellschaft auf allen Seiten zu benennen? Der erste Schritt auf dem Weg zu einem nüchternen Umgang mit der Linkspartei muss in Berlin gemacht werden: Die Genossen sollten schnellstmöglich das Projekt Rot-Grün-Rot beenden. Wer nach einem solchen Vorfall weiter Vertrauen in die Linkenführung hat, dem ist nicht mehr zu helfen.