Debatte um Kolonialismus: König Charles riskiert in der Karibik seinen Thron
König Charles tritt eine neuntägige Reise durch die Karibik an. Angesichts von Großbritannien verübtem historischem Unrecht könnte es zu ungemütlichen Situationen kommen.
Der britische Historiker Sir Anthony Seldon sieht König Charles III. vor einer ungewöhnlich schweren Aufgabe. Die anstehende Karibik-Reise sei „das größte Risiko seiner bisherigen Regentschaft“, zumal vieles schlicht außerhalb seiner Kontrolle liege, sagte der Historiker der BBC.
Ab Dienstag reist König Charles III. neun Tage lang durch die Karibik. Die Route führt von den Bahamas über Guyana nach Antigua und Barbuda, wo Königin Camilla ihn begleitet und das Treffen der Regierungschefs des Commonwealth stattfindet. Am 4. November endet die Tour. Laut Buckingham-Palast soll sie die Gemeinschaften, Kulturen und die Natur innerhalb der „Commonwealth-Familie“ würdigen.
Doch Charles reist mitten hinein in eine hitzig geführte Debatte. Es geht um Reparationen, also um Entschädigungen für das historische Unrecht durch Sklaverei und Kolonialismus. Seit Längerem wird gefordert, dass sich der König für die Rolle Großbritanniens entschuldigt. Er selbst hatte die Sklaverei in der Vergangenheit als „entsetzliche Gräueltat“ bezeichnet, die einen „unauslöschlichen Makel“ in der Geschichte hinterlassen habe.
Für Seldon steht deshalb weit mehr auf dem Spiel als diplomatisches Protokoll. Die Fragen nach Sklaverei, Reparationen und Entschuldigungen führten dazu, dass die moralische Integrität der Monarchie infrage gestellt werde, sagte er dem Sender.
König Charles hält sich an rote Linie der Regierung
Dreimal wird Charles während der Reise eine Rede halten. Mit einer offiziellen Entschuldigung für Großbritanniens Rolle im transatlantischen Sklavenhandel rechnet dennoch niemand, denn der König folgt in dieser Frage dem Rat der Regierung. Ein ranghoher Mitarbeiter des Palasts betonte gegenüber dem Sender, Charles werde den „dunkelsten Tagen unserer Vergangenheit“ nicht ausweichen, über Entschuldigungen und Reparationen habe aber allein die Regierung zu entscheiden.
Die hat ihre Linie längst gezogen: Wie schon ihre Vorgänger will auch die Regierung von Premierminister Andy Burnham keine Reparationen zahlen. Der Buckingham-Palast kündigte allerdings an, dass die Anerkennung des früheren Unrechts in allen drei Ländern fester Teil des Programms sein werde.
Für Charles ist es der erste Besuch in der Karibik seit 2021. Damals reiste er, noch als Prinz von Wales, nach Barbados. Der Inselstaat setzte Queen Elizabeth II. als Staatsoberhaupt ab und wurde zur Republik. Schon in seiner damaligen Rede sprach Charles von der „entsetzlichen Gräueltat der Sklaverei“, unter der die Insel gelitten habe.
Fremd ist ihm die Region also nicht. 2019 besuchte er mit Camilla Kuba. Nach den verheerenden Hurrikans Irma und Maria besuchte er 2017 Antigua und Barbuda. In Guyana war er im Jahr 2000 zu Gast, auf den Bahamas sogar schon 1973. Insgesamt kommt Charles laut „Hello!“-Magazin auf mehr als 100 Auslandsreisen, die ersten noch als Herzog von Cornwall.
