Buchenwald: Verein will Gedenken an KZ-Außenlager stärken
Buchenwald war mehr als ein einzelnes NS-Konzentrationslager. Mehr als 100 Außenstandorte gehörten zu diesem Lagerkomplex. Längst nicht an alle wird heute erinnert – ein Verein will das ändern.
An zahlreiche einstige Außenlager des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald wird heute vor Ort nicht mehr erinnert. Mit der Überarbeitung einer Webseite des Projekts „Buchenwald war überall“ will der Förderverein Buchenwald nun einen Beitrag dazu leisten, die Erinnerung gerade auch an solche Außenlager zu stärken. Die aktuelle Version dieser Seite zeige, „dass Täterorte verschwinden, dass sie überbaut werden und dem Vergessen preisgegeben werden“, sagt Kolja Lohf, der diese Seite für den Förderverein neu konzipiert hat.
Nach den Recherchen des Vereins gibt es nur an 48 ehemaligen Standorten von Buchenwald-Außenlagern Gedenkzeichen wie Mahnmale oder Gedenktafeln, die an die dort begangenen Verbrechen erinnern. Oft kümmerten sich engagierte Einzelpersonen um diese Orte des Gedenkens. Tatsächlich habe es aber etwa 140 Außenlager des KZ Buchenwald gegeben.
Oft mussten die Häftlinge dort unter schlimmsten Bedingungen Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie leisten. „In fast allen Fällen war es übrigens auch so, dass die Unternehmen zur SS gekommen sind - und nicht andersherum“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Fördervereins Buchenwald, János Varga. Damit sei das System der Buchenwald-Außenlager auch ein Beweis dafür, dass die Grauen der nationalsozialistischen Lager vielen Deutschen während der Zeit des Nationalsozialismus nicht verborgen geblieben sein könnten.
Häftlinge manchmal in Turnhalle untergebracht
Die Häftlinge seien in der Regel in der unmittelbaren Umgebung der Unternehmen untergebracht worden, in denen sie hätten arbeiten müssen, sagt Varga. Manchmal hätten sie auch auf den Fabrikgeländen selbst geschlafen. „Es gibt aber auch Fälle, wo die SS zum Beispiel die örtliche Turnhalle angemietet hat.“
Im Konzentrationslager Buchenwald hielten die Nationalsozialisten zwischen 1937 und 1945 insgesamt mehr als eine Viertelmillion Menschen gefangen. Etwa 56.000 von ihnen starben während der Haft an den katastrophalen Bedingungen im Lager oder wurden von der SS getötet. In diesen Zahlen sind nach Angaben der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora auch die Häftlinge erfasst, die nicht oder nicht nur im Stammlager auf dem Ettersberg bei Weimar, sondern in einem der Außenlager inhaftiert worden waren.
Außenlager-System reichte bis Frankreich und Polen
Vor allem in der zweiten Hälfte des Zweiten Weltkrieges war die Zahl der Buchenwald-Außenlager erheblich gewachsen. Die neugestaltete Projekt-Webseite zeigt, dass das System der Buchenwald-Außenlager sich nicht nur unter anderem auf das Gebiet der heutigen Bundesländer Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz erstreckte, sondern sogar bis nach Frankreich, Belgien und Polen reichte.
