Banken locken Neukunden mit bis zu 4,25 Prozent aufs Tagesgeld. Doch viele Bestandskunden profitieren kaum von der Zinsrally. Auf dem Tagesgeldmarkt ist wieder Bewegung. Nach einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox bieten momentan vier Banken zeitweise Zinsen von mindestens 4 Prozent. In der Spitze sind sogar 4,25 Prozent möglich. Noch Mitte Mai gab es laut Verivox kein einziges Tagesgeldangebot in dieser Größenordnung. Die hohen Zinsen gelten allerdings nur für neue Kunden und nur für einen begrenzten Zeitraum. Häufig sinkt der Zinssatz nach wenigen Monaten deutlich. Für Verbraucher ist deshalb entscheidend, nicht nur auf den beworbenen Spitzenzins zu schauen, sondern auch auf die Konditionen danach. Tagesgeld oder Festgeld? Hier liegen die wichtigsten Unterschiede Festgeld: Diese einfache Strategie kennen viele nicht Höchster Tagesgeldzins mit Bedingungen Den höchsten Zinssatz bietet derzeit die Digitalbank Revolut. Neukunden erhalten dort bis zu vier Monate lang 4,25 Prozent Zinsen. Das Angebot ist allerdings an Bedingungen geknüpft: Kunden müssen zusätzlich ein Girokonto eröffnen und regelmäßig mit der zugehörigen Karte bezahlen. Außerdem gilt der Aktionszins nur für Guthaben bis 25.000 Euro. Nach Ablauf der Neukundenkonditionen fällt der Zinssatz deutlich niedriger aus. Für Kunden mit kostenfreiem Konto liegt der reguläre Tagesgeldzins aktuell bei 1,25 Prozent. "Banken wie Revolut haben die Werbewirkung hoher Tagesgeldzinsen erkannt und nutzen sie als Vertriebsinstrument, um Kunden zum Abschluss weiterer Produkte zu bewegen", sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Solche Kombi-Angebote könnten sinnvoll sein, wenn Verbraucher ohnehin ein neues Girokonto suchen. Wer dagegen vor allem möglichst hohe Zinsen für Erspartes will, ist laut Maier mit einem reinen Tagesgeldkonto besser bedient. Drei weitere Banken zahlen mindestens 4 Prozent Neben Revolut erreichen drei weitere Anbieter die 4-Prozent-Marke. Die Renault Bank zahlt Neukunden vier Monate lang 4,1 Prozent . Chase, der deutsche Ableger der US-Großbank J.P. Morgan, bietet für denselben Zeitraum 4,0 Prozent. Die niederländische Ayvens Bank zahlt ebenfalls 4,0 Prozent, allerdings nur für drei Monate. Alle drei Angebote kommen ohne zusätzliches Girokonto aus. Zudem gelten sie auch für höhere Guthaben. Nach Ablauf der Aktionsphase zahlen Chase und Renault Bank zurzeit jeweils 2,0 Prozent. Bei der Ayvens Bank liegt der reguläre Zinssatz für Bestandskunden bei 2,3 Prozent. Damit können diese Angebote auch für Sparer interessant sein, die ihr Geld nicht alle paar Monate zu einer neuen Bank übertragen wollen. Denn bei vielen Aktionsangeboten sinkt der Zinssatz nach kurzer Zeit so stark, dass ein erneuter Wechsel nötig wäre, um weiterhin hohe Erträge zu erzielen. Bestandskunden profitieren kaum Während die Banken bei Neukunden um Aufmerksamkeit ringen, kommt bei vielen Bestandskunden bislang wenig an. Nach Angaben von Verivox wurden seit der jüngsten Leitzinserhöhung im Juni nur bei rund 20 Prozent aller Tagesgeldangebote die regulären Bestandskundenzinsen angehoben. Bundesweit verfügbare Tagesgeldangebote lagen im Juni im Schnitt noch bei 1,33 Prozent. Aktuell sind es laut Verivox 1,40 Prozent. Das entspricht nur einem Plus von 0,07 Prozentpunkten. Noch niedriger fallen die Zinsen bei vielen regionalen Instituten aus. Genossenschaftsbanken zahlen im Schnitt 0,48 Prozent, Sparkassen 0,42 Prozent aufs Tagesgeld. Seit Juni stiegen die Durchschnittszinsen in beiden Gruppen lediglich um 0,04 Prozentpunkte. "An der Mehrheit der treuen Bestandskunden läuft die Zinsrally beim Tagesgeld bislang komplett vorbei", sagt Maier. Der Grund: Eine Erhöhung der Bestandskundenzinsen gilt nicht nur für neu eingezahltes Geld, sondern auch für bereits angelegte Gelder. Für Banken kann selbst eine kleine Anpassung deshalb teuer werden. Wo Bestandskunden aktuell mehr bekommen Die höchsten Bestandskundenzinsen unter den deutschen Banken bietet momentan die Ascory Bank aus Hamburg mit 2,5 Prozent. Beim Online-Broker Scalable Capital sind sogar 2,6 Prozent möglich. Allerdings weist Verivox darauf hin, dass Spargelder dort auch bei Partnerbanken im Ausland oder in Geldmarktfonds angelegt werden können. Verbraucher sollten deshalb genau prüfen, wie ihr Geld abgesichert ist und welche Konstruktion hinter dem Angebot steht. Festgeld zieht weiter an Auch beim Festgeld sind die Zinsen zuletzt gestiegen. Besonders deutlich zeigt sich das bei Anlagen mit zwei Jahren Laufzeit. Anfang Juni lag der Durchschnittszins bundesweit verfügbarer Angebote laut Verivox bei 2,32 Prozent. Aktuell sind es 2,55 Prozent. Das ist ein Plus von 0,23 Prozentpunkten. Mehrere Vorteile: Warum Sie sich eine Festgeldtreppe bauen sollten Damit liegen zweijährige Festgeldangebote im Schnitt sogar über dem Einlagezinssatz der Europäischen Zentralbank (EZB). Dieser beträgt zurzeit 2,25 Prozent. Erwartet wird, dass ihn die EZB in ihrer Sitzung am Donnerstag um 0,25 Prozentpunkte anhebt. Banken zahlen Festgeldkunden aktuell also im Schnitt mehr, als sie selbst erhalten würden, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Das hat laut Verivox auch mit den Kapitalmarktzinsen zu tun. Banken nutzen fest angelegte Kundengelder unter anderem, um Kredite zu refinanzieren. Wenn sie sich Geld stattdessen an den Anleihe- oder Geldmärkten beschaffen, kann das wegen der hohen Renditen teurer sein. Die Verivox-Daten zeigen zudem: Längere Laufzeiten bringen derzeit im Durchschnitt höhere Zinsen. Zum Monatsersten im August lagen bundesweit verfügbare Festgeldangebote bei rund 2,37 Prozent für zwölf Monate, 2,47 Prozent für 24 Monate, 2,58 Prozent für 60 Monate und 2,90 Prozent für 120 Monate.