Wie die USA am milliardenschweren Öldeal mit Venezuela mitverdienen
Der Öldeal zwischen den USA und Venezuela soll die US-Steuerzahler nichts kosten, dem Pentagon aber Milliardensummen einspielen. Wie das funktionieren soll. Mit einem milliardenschweren Deal zwischen Venezuela und den USA sichert sich Washington die Kontrolle über ein Fünftel der venezolanischen Rohölreserven und verdient an dessen Abbau kräftig mit. Das jüngste Abkommen löst bei Energieexperten und Juristen jedoch erhebliche Bedenken hinsichtlich seiner Rechtmäßigkeit und Transparenz aus. US-Präsident Donald Trump hatte den Deal am Freitag verkündet und die venezolanische Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez hatte ihn bestätigt. Laut einem am späten Montag (Ortszeit) veröffentlichen Informationsblatt des Weißen Hauses erteilte die venezolanische Regierung dem privaten venezolanischen Unternehmen North American Blue Energy Partners (NABEP) 100-jährige Konzessionen zur Ölförderung in 17 Ölfeldern. Diese Ölfelder enthalten rund 65 Milliarden Barrel Öl – das entspricht laut der US-Energieinformationsbehörde etwa einem Fünftel der gesamten nachgewiesenen Ölreserven Venezuelas. Zum Vergleich: Derzeit verfügen die USA nach Angaben des Weißen Hauses über nachgewiesene Reserven von rund 46 Milliarden Barrel. Aktuelle Entwicklungen: Newsblog zur US-Politik Trumps neuestes Problem: Amerikas Militär gerät an seine Grenzen NABEP habe dem US-Verteidigungsministerium eine 35-prozentige Beteiligung an seiner Muttergesellschaft gewährt. Das könnte für das Pentagon einen Wert von Hunderten Milliarden Dollar haben und entsprechende Dividenden ermöglichen. Die USA verdienen also am Ölabbau in Venezuela deutlich mit. Venezuela soll Deal hohe Milliardensummen bringen Das US-Außenministerium hat zudem das Recht, 20 Prozent der Fördermenge aller aktuellen und zukünftigen Felder von NABEP zum Selbstkostenpreis zu erwerben. Das sichere eine stabile Versorgung mit preisgünstigem Öl und ermögliche damit die Wiederauffüllung der strategischen Ölreserven der Vereinigten Staaten. Für die verbleibenden 80 Prozent der Produktion habe NABEP dem Außenministerium ein Vorkaufsrecht eingeräumt. Für Venezuela soll der Deal Investitionen von 100 Milliarden Dollar sowie voraussichtlich 200 Milliarden Dollar Lizenzgebühren und Steuern in den ersten 25 Jahren durch NABEP sichern. "Diese Einnahmen stellen eine wichtige finanzielle Unterstützung für die gegenwärtige und zukünftige venezolanische Regierung dar und dienen der Finanzierung des Wiederaufbaus und der sozialen Entwicklung", schreibt das Weiße Haus. Das Abkommen werde zudem "ohne Kosten für den amerikanischen Steuerzahler" umgesetzt. Experten sind skeptisch Für Trump kommt der Deal zu einem strategisch günstigen Zeitpunkt: Angesichts steigender Benzinpreise infolge des Iran-Kriegs sollen die neuen Fässer aus Venezuela helfen, die strategische Ölreserve der USA wieder aufzufüllen. Diese war zuletzt auf den tiefsten Stand seit 44 Jahren gefallen. Allerdings bezweifeln Experten der Ölindustrie, dass das Abkommen in absehbarer Zeit zu niedrigen Benzinpreisen führen wird. Analysten zufolge könnte es Jahre – oder sogar mehr als ein Jahrzehnt – dauern, bis die neue venezolanische Ölproduktion den US-Markt erreicht und sich auf die Preise auswirkt, schreibt CBS News. US-Raffinerien hatten die Verarbeitung von vergleichsweise schwerem venezolanischen Rohöl über die vergangenen Jahre weitgehend eingestellt, weshalb die Infrastruktur des Landes für eine solche Förderung erst wieder aufgebaut werden muss. Vollständiges Ausbeuten der Felder könnte über 25 Jahre dauern Die Verhandlungen über das Abkommen fanden im Geheimen und ohne Ausschreibung statt. Dies löste noch vor der Veröffentlichung der genauen Informationen durch das Weiße Haus massive Kritik aus. "Wenn das Ziel war, das Investitionsrisiko in Venezuela zu verringern, könnten die USA mit dieser Transaktion genau das Gegenteil bewirken: Sie schwächen den bereits fragilen institutionellen Rahmen des Landes weiter", sagte Luisa Palacios vom Zentrum für globale Energiepolitik der Columbia Universität in New York . Technisch gesehen stammen die 65 Milliarden Barrel Öl aus 17 Ölfeldern. Die meisten Reserven lagern in acht großen Blöcken im riesigen Orinoco-Gürtel, der wichtigsten Förderregion Venezuelas. Die restlichen Vorkommen befinden sich im Maracaibo-See. Die Berechnung der Reserven basiert auf einer Förderquote von 20 Prozent. Diese gilt zwar als technisch machbar, aber bislang auch als unerreicht. Experten gehen davon aus, dass das vollständige Ausbeuten der Felder mehr als 25 Jahre dauern wird.
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