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Rainer Langhans offenbart: "Medizinisch gesehen bin ich unheilbar"

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Rainer Langhans ist unheilbar an Krebs erkrankt. Jetzt spricht er im Interview über seinen Zustand, seine geplatzten Träume und das Geld, das ihm noch bleibt. Rainer Langhans wird in wenigen Wochen nach Sardinien in den Urlaub aufbrechen. Seit Jahrzehnten reist der 86-Jährige mit seinen langjährigen Freundinnen, in den Medien auch als "Harem" betitelt, auf die Mittelmeerinsel. Dass solche Pläne für ihn keineswegs selbstverständlich sind, weiß Langhans. Seit 2020 lebt die Ikone der 68er-Bewegung mit einer unheilbaren Krebserkrankung. Aber über den Krebs spricht Langhans auf ungewöhnliche Weise. Er begreift die Krankheit nicht als Bedrohung, sondern als "Liebesbeweis". Im Interview erklärt er, was genau er damit meint, weshalb er sich über Kritik an dieser Haltung nicht wundert – und warum Liebe für ihn längst nichts mehr mit Sex zu tun hat. t-online: Herr Langhans, Sie leben seit Jahren mit Prostatakrebs , manche Medien schrieben schon, Sie lägen im Sterben. Wie geht es Ihnen heute? Rainer Langhans: Ich würde sagen: Ich werde wacher und lebendiger. Ich glaube, dass der Krebs mir dabei hilft, das Leben zu lieben. Das klingt ungewöhnlich. Für die meisten Menschen ist eine Krebsdiagnose etwas sehr Bedrohliches. Als ich 2020 davon erfahren habe, habe ich das anders empfunden. Für mich war es eine Art Liebesbotschaft. Ich weiß, dass sich das merkwürdig anhört. Aber ich befinde mich schon sehr lange auf einem spirituellen Weg, und der Krebs hat mich noch einmal stärker mit dem Sterben konfrontiert. Wie meinen Sie das? Der Krebs erinnert einen daran, dass man sterben wird. Und für mich gehört das Sterben zum Leben. Ich versuche, diesem Sterben, das mir bevorsteht, ein Stück weit zuvorzukommen und es bewusst zu gestalten. In dem Augenblick, in dem ich sterben will, kann ich überhaupt erst richtig leben. Das müssen Sie erklären. Vorher lebt man möglicherweise in einer uneingestandenen und ständig verdrängten Todesangst. Ich versuche deshalb, mich täglich mit dem Sterben auseinanderzusetzen. Ist das nicht widersprüchlich: Wer sich täglich mit dem Sterben auseinandersetzt, leidet weniger unter Todesangst, als der, der diese Gedanken gar nicht erst hat? Ich kann nur für mich sprechen. Seit meiner Diagnose fühle ich mich lebendiger als je zuvor. Vergleichbar ist das höchstens mit meiner 68er-Zeit. Sie vergleichen die Erfahrung von '68 tatsächlich mit Ihrer Krebserkrankung? Ja, in einem bestimmten Punkt: Beide Erfahrungen haben mir etwas über Liebe gezeigt. 1968 war das natürlich eine vollkommen andere Situation. Damals haben sehr viele Menschen dieses Gefühl geteilt. Beim Krebs ist es anders. Wenn jemand Krebs bekommt, sieht darin normalerweise niemand etwas Positives. Ist es nicht zynisch, Krebs als etwas Positives oder sogar als eine "Liebesbotschaft" zu bezeichnen – gerade gegenüber Menschen, die Angehörige durch die Krankheit verloren haben? Ich bin dafür auch schon als Zyniker angegriffen worden. Menschen haben mir geschrieben: Wie können Sie so etwas sagen, bei mir ist gerade jemand an Krebs gestorben? Ich verstehe, dass meine Sicht für andere schwer nachvollziehbar ist. Aber? Ich spreche nur über meine eigene Erfahrung. Für mich hat der Krebs etwas ausgelöst. Er erinnert mich an das Sterben und bringt mich dadurch auf meinem Weg weiter. Das bedeutet nicht, dass andere Menschen ihre Krankheit genauso sehen müssen. Medizinisch betrachtet: Wie ist Ihr Zustand? Medizinisch gesehen bin ich unheilbar. Die Ärzte können den Krebs nicht operativ entfernen. Ich bekomme eine palliative Behandlung, eine Depot-Spritze, die mir dabei hilft, mit der Erkrankung besser zu leben. Sie verzichten also nicht grundsätzlich auf medizinische Behandlung? Nein. Wenn die Ärzte sagen, dass sie mir etwas geben können, damit ich den Krebs besser ertrage, dann nehme ich das an. Ich sage nicht: Ärzte brauche ich nicht. Aber meinen eigentlichen Umgang mit der Krankheit kann mir die Medizin nicht abnehmen. Wissen Sie, wie viel Zeit Ihnen bleibt? Nein. Und die Ärzte wissen es auch nicht. Gerade bei Prostatakrebs kann das sehr unterschiedlich verlaufen. Manche Menschen leben damit lange, andere nicht. Eine genaue Aussage zu meiner Lebensdauer können sie nicht machen. Belastet Sie das? Nein, nicht zu wissen, wie lange es noch geht, ist kein Damoklesschwert. Ich versuche nicht, ständig darüber nachzudenken, wie viele Jahre oder Monate mir bleiben. Dadurch würde ich in einen Zustand der Befangenheit geraten. Ist Ihre Haltung zur Krankheit also optimistisch – oder trotzig? Für mich ist es weder das eine noch das andere. Ich versuche, die Krankheit nicht als etwas zu behandeln, das außerhalb meines Lebens steht und nur bekämpft werden muss. Sie gehört jetzt zu meinem Leben. Und ich versuche, damit so bewusst wie möglich umzugehen. Haben Sie Angst vor dem Tod? Nicht in dem Sinn, wie ich sie früher vielleicht gehabt hätte. Das ist ja genau der Sinn dieses "Sterbenübens". Ich beschäftige mich damit, statt den Tod zu verdrängen. Und ich habe den Eindruck, dass dadurch mein Leben intensiver wird. Sie sprechen sehr viel von Liebe. Mit Ihnen verbindet die Öffentlichkeit gleichzeitig bis heute ein ausgesprochen freizügiges Leben und sehr viel Sex. Passt dieses Bild überhaupt noch? Nein. Viele Menschen denken bei Liebe sofort an Sex. Das ist verständlich, weil Liebe für sie sehr stark mit Sexualität verbunden ist. Bei mir ist das heute vollkommen anders. Wie denn? Ich habe Sexualität schon vor langer Zeit aufgegeben. Vollständig? Ja. Das dürfte viele überraschen. Sie werden bis heute als Symbolfigur der sexuellen Befreiung wahrgenommen. Ich habe mit Uschi Obermaier sicherlich eine Zeit lang ein Bild abgegeben, das diese Vorstellung bestätigt hat. Was viele nicht gesehen haben, war meine Entwicklung danach. Als ich stärker diesen Weg nach innen gegangen bin, wurde Sex für mich immer unwichtiger. Das war auch in meiner Beziehung nicht einfach. Weil Frau Obermaier andere Vorstellungen hatte als Sie? Das kann man so sagen. Diesem Verlangen konnte ich nicht mehr gerecht werden. Ich liebe sie nach wie vor, aber sie mich nicht mehr. Sie vertreten die Ansicht, Frauen seien stärker auf Sexualität ausgerichtet als Männer. Ist das nicht eine sehr pauschale Vorstellung von Geschlechterrollen? Das ist meine Erfahrung. Ich glaube, dass vieles anders ist, als es gesellschaftlich dargestellt wird. Oft heißt es: Der Mann begehrt und die Frau lässt sich darauf ein. Ich habe es anders erlebt. Aber entscheidend ist für mich inzwischen ohnehin etwas anderes: dass ein Mensch lernen kann, sein Begehren zurückzunehmen. Haben Sie Sexualität nie vermisst? Überhaupt nicht. Ich habe Sexualität eher als etwas empfunden, das mich von dem Weg wegführt, den ich gehen wollte. Sie leben noch immer eng mit mehreren langjährigen Freundinnen zusammen – jenem Kreis, der häufig als Ihr "Harem" bezeichnet wird. Was verbindet Sie heute? Die Entwicklung von Liebe und Gemeinschaft. Eine Freundin ist inzwischen gestorben, mit den anderen bin ich nach wie vor verbunden. 1968 war für Sie also vor allem eine Liebes- und Friedensbewegung. Wenn Sie auf die heutige politische Lage schauen: Haben Sie das Gefühl, gescheitert zu sein? Wir sind als 68er krass gescheitert. Wir hatten die Vorstellung von einem neuen Menschen, der liebt und nicht mehr Krieg führt. Das ließ sich nicht halten. Heute wird in Deutschland wieder über Aufrüstung und Wehrpflicht diskutiert. Was löst das bei Ihnen aus? Das ist sehr verstörend, weil es zeigt, wie wenig wir aus der Vergangenheit gelernt haben. Aber es wundert mich nicht. Wenn Menschen grundsätzlich nicht weiterkommen, werden sie immer wieder bei Krieg landen. Wieso das? Das ist wie im Sandkasten: Wenn dem Kind die Argumente ausgehen, greift es zur Schaufel und schlägt zu. Vernunft endet da, wo der Weg zur Gewalt einfacher erscheint. Sie waren selbst bei der Bundeswehr und haben sogar eine Offiziersausbildung absolviert. Das wirkt für einen späteren Protagonisten der 68er-Bewegung widersprüchlich. Ich bin freiwillig zur Bundeswehr gegangen. Ich wollte das Kriegerische, das in unserer Gesellschaft vorhanden ist, an seiner Quelle kennenlernen. Deshalb habe ich diese Ausbildung gemacht. Bis heute zehren Sie davon auch finanziell, oder? Aus dieser Zeit erhalte ich 197 Euro Rente . Reicht Ihnen das? Ich lebe sehr bescheiden und verdiene mit Vorträgen und dem Verkauf meiner Bücher zusätzliches Geld. Seit vielen Jahren reisen Sie immer im September nach Sardinien . Dafür reicht das Geld noch? Ja, meine Freundinnen und ich brauchen fast nur den Flug von München bezahlen. Vor Ort haben wir Freunde, die uns unterbringen. Was zieht Sie immer wieder auf die Insel? Für uns ist es der ideale Ort, um mit der Natur im Einklang zu sein. Wir genießen gemeinsam die Abgeschiedenheit und Ruhe. Wenn Sie heute eine solche Reise planen: Denken Sie angesichts Ihrer Erkrankung darüber nach, ob es vielleicht das letzte Mal sein könnte? Natürlich beobachte ich, ob es ein besonderes Jahr wird. Ich weiß es nicht. Manchmal schleicht sich solch ein Gedanke an – und verschwindet dann ebenso schnell wieder.





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