Waldbrand kommt näher - Bürger in Teilen Monschaus sollen bis 10 Uhr Häuser verlassen
Der große Waldbrand im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn breitet sich aus und droht nun auch die Lage in der Stadt Monschau in Nordrhein-Westfalen zu verschärfen. Sie empfahl Bewohnerinnen und Bewohnern von drei Ortsteilen am frühen Sonntagmorgen „dringend“, ihre Häuser bis 10.00 Uhr zu verlassen. Gesundheitliche Gefahren durch den Rauch könnten nicht ausgeschlossen werden.
Die Feuerfront befindet sich nach Angaben aus der Nacht nur etwa drei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Es sei „nicht auszuschließen, dass es ab dem Vormittag vermehrt zu erheblichen Rauchbelastungen und Rauchniederschlägen kommt“, erklärte die Stadt.
Betroffen sind demnach die Ortsteile Plattevenn, Leyloch und Kalterherberg westlich des Messewegs. Für Einwohner, die nicht bei Freunden oder Verwandten unterkommen können, richtete die Stadt eine Anlaufstelle im Bürgercasino ein.
Die Feuerwehr Monschau ist den Angaben nach im Vollalarm. Vorsorglich würden Löschmaßnahmen vorbereitet, damit im Falle eines Überspringens des Feuers auf deutsches Gebiet unmittelbar mit den Löscharbeiten begonnen werden könne, erklärte die Stadt.
Die belgischen Behörden hätten die Evakuierung der unmittelbar westlich an Kalterherberg angrenzenden Ortschaft Küchelscheid angeordnet.
Der Waldbrand im Hohen Venn nahe der deutschen Grenze ist einer größten in der Geschichte Belgiens. Das Feuer war am Freitagnachmittag ausgebrochen und breitete sich seitdem rasch aus. Die Flammen verwüsteten nach Behördenangaben inzwischen mehr als 2700 Hektar Fläche. Nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga waren rund 600 Menschen von einem Evakuierungsaufruf für die belgischen Gemeinden Surbrot und Bütgenbach betroffen.
Zur Bekämpfung des Waldbrandes löste Belgien den europäischen Katastrophenschutzmechanismus zur Aktivierung von Hilfen aus der EU aus. Ein Löschhubschrauber aus den Niederlanden war bereits im Einsatz. Zwei weitere Hubschrauber sowie zwei schwedische Löschflugzeuge sollten nach Angaben der EU ab Sonntag die Löscharbeiten unterstützen.
Entspannung zeichnete sich hingegen im nahegelegenen Waldbrandgebiet in der deutschen Eifel bei Hürtgenwald ab. Nach der Evakuierung einer Ortschaft im Waldbrandgebiet konnten die rund 1800 betroffenen Bewohner wieder in ihre Häuser zurückkehren. Die Lage rund um den Ortsteil Gey in Hürtgenwald habe sich „so weit entspannt, dass die Menschen heimkehren können“, hieß es am Samstagabend auf der Website des Kreises Düren. Eine Gefahr durch den Waldbrand bestehe für den Ortsteil derzeit nicht mehr.
„Es ist gelungen, Gey so zu sichern, dass Flammen nicht auf den Ort übergreifen können“, erklärte der Landrat Ralf Nolten (CDU). Der Ortsteil war in der Nacht zum Freitag evakuiert worden.
Insgesamt habe sich die Lage im Hürtgenwald deutlich entspannt, auch wenn der Waldbrand nicht komplett gelöscht sei, hieß es auf der Website des Landkreises weiter. An zwei Stellen gebe es noch eine sichtbare Flammenbildung. Rund 1600 Einsatzkräfte sind den Angaben zufolge derzeit vor Ort.
Es handelt sich um den bislang größten und folgenschwersten Waldbrand des Sommers in Deutschland. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) vermutete menschliches Fehlverhalten als Brandursache: Er sprach am Samstag von „irgendeinem Idioten“, der den Großbrand verursacht habe.
Der Waldbrand im Hürtgenwald bei Düren südwestlich von Köln war am Donnerstag ausgebrochen. Zunächst hatten sich die Flammen schnell ausgebreitet, massiv beschleunigt vom böigen Wind. In der Nacht zum Samstag wurde die Ausbreitung dann laut Einsatzkräften gestoppt.
Bundesweit kämpfen Einsatzkräfte seit Tagen gegen zahlreiche Wald- und Flächenbrände. Der vom Menschen verursachte Klimawandel sorgt nach Einschätzung von Wissenschaftlern für längere Hitzewellen und Dürren. Diese trocknen die Vegetation aus und begünstigen so Waldbrände.
